Rotes Wien: Die Geschichte einer Ära – Teil 6

Rabenhof Theater (c) STADTBEKANNT

Vorhang auf für das Arbeitertheater im Roten Wien!

Politische Theaterarbeit in ihren verschiedenen Ausformungen nahm in der Sozialdemokratie eine bedeutende Stellung ein und wurde in der Zwischenkriegszeit auch gezielt propagandistisch eingesetzt.

Wiener Freie Volksbühne

Im Jahr 1906 wurde nach Berliner Vorbild die „Wiener Freie Volksbühne“ gegründet – ein Theaterverein, der (bis 1911) über kein festes Haus verfügte. Man setzte sich zum Ziel, der Arbeiterschaft anspruchsvolles Theater, das bedeutete dramatische Dichtung der deutschen Klassik und der zeitgenössischen Moderne, näherzubringen und zwar zu gemäßigten Preisen. Als Vorsitzender fungierte Engelbert Pernerstorfer (sozialdemokratischer Parlamentarier sowie Feuilletonist und Theaterkritiker der Arbeiter-Zeitung), als künstlerischer Leiter Stephan Großmann (Redakteur der Arbeiter-Zeitung). Obwohl der Anklang groß war, fand das Volksbühnenexperiment im Ersten Weltkrieg sein Ende.

Das Politische Kabarett

Die Eröffnungsvorstellung des „Politischen Kabaretts“ ging am 18. Dezember 1926 über die Bühne der Panspiele (später Rondell-Kino, heute Porgy & Bess) in der Riemergasse im 1. Bezirk. Bis 1933 präsentierte die sich als aufklärerisches Agitationstheater definierende Gruppe dreizehn Programme, die sich gegen die politischen Gegner, die konservative Regierung, richteten und Titel wie „Der Ruck nach rechts“ (wie aktuell!) oder „Denken verboten!“ trugen. Unter den Autoren der Gruppe war auch Jura Soyfer.

Agitationsgruppen: „Blaue Blusen“ und „Rote Spieler“

Ihr Name bezieht sich auf die damalige Uniform der Sozialistischen Arbeiterjugend; die „Blauen Blusen“-Gruppen warben ab 1930 mit Sprechchören, Liedern und kleinen szenischen Darbietungen bei Propaganda- und Wahlveranstaltungen für die Partei. Dazu kam noch eine weitere Agitpropgruppe, die sogenannten „Roten Spieler“. Im Jahr 1932 aus bestehenden Arbeiter- und Bauerntheatergruppen zu insgesamt acht Gruppen zusammengeschlossen, tourten sie durch Wien und Umgebung und thematisierten unter anderem die Leistungen der Sozialdemokratie oder Alltagsprobleme wie Arbeitslosigkeit und polemisierten gegen Figuren des politischen Lebens. Angesichts der politischen Lage mussten sie ihre Aktivitäten 1934 einstellen.

Das Rabenhof Theater

Ursprünglich wurde es als Versammlungsraum konzipiert, danach zum Kino umgebaut, zwischendurch stand es jahrelang leer, ab 1988 diente es als dritte Spielstätte des Theaters in der Josefstadt und seit 2000 ist es eine eigenständige Bühne – das Rabenhof Theater im gleichnamigen Gemeindebau aus der Zeit des Roten Wien hat schon einiges hinter sich und ganz sicher noch viel vor sich. Mit der Übernahme des Hauses durch Thomas Gratzer im Jahr 2003 wurde das Theater auf Erfolgskurs geführt. Hier werden in einem vielfältigen Programm und unterschiedlichen Kunstformen wie Crossover-Boulevard, Trash und Satire gesellschaftspolitische Themen verhandelt. Mit „Stammkünstlern“ wie Maschek, Robert Palfrader, Florian Scheuba, Thomas Maurer, Stermann & Grissemann sind gleichermaßen anregende wie auch launige Theaterabende garantiert.

Das Rote Wien

Teil 1: Die soziale Fürsorge
Teil 2: Der kommunale Wohnbau
Teil 3: Die Schulreform
Teil 4: Die Frauenbewegung
Teil 5: Eine Gesellschaft, die fair werden wollte
Teil 6: Vorhang auf für das Arbeitertheater!

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