Rotes Wien: Die Geschichte einer Ära – Teil 4

Das Rote Wien (c) STADTBEKANNT

Die Frauenbewegung

„Ich kann die Stelle in der Bibel einfach nicht finden, in der Gott der Frau die Gleichberechtigung abspricht.“ (Sarah Moore Grimké)

Nicht nur bereits zitierte, amerikanische Feministin fand diese Bibelstelle nicht, sondern auch viele Frauen im Roten Wien nicht. Feminismus ist so wie die meisten Bewegungen eine, die sich zwar aus der Sache heraus entwickelt, jedoch nach außen getragen werden muss. Genau das taten eben jene Pionierinnen, die sich für Frauenrechte einsetzen. Anders als bei anderen Bewegungen ging diese allerdings von den bürgerlichen und adeligen Frauen aus, denn sie konnten sich ein Aufbegehren „leisten“ und zwar im wörtlichen Sinne.

Die Frauenbewegungen im 19. Jahrhundert setzten zwar ein Zeichen und es wurden Vereine wie der „Wiener demokratische Frauenverein“ gegründet, doch wie es nun mal in der Gesellschaft so ist, reichte es nicht, dass die Frauenbewegung zunächst Sache der „Bürgerlichen“ war. Umso wichtiger wurde es in den folgenden Jahrzehnten, dass das Proletariat und seine Vertreterinnen die ewige Kutte der Unterordnung ablegen. Leichter gesagt als getan, denn die doppelte Ausbeutung der „armen“ Frauen war kein Phänomen der damaligen Gegenwart, sondern gelebte Realität von Anbeginn der Menschheit.

Gleiches Recht ist unser Recht

Wir schreiben das Jahr 1893 und noch immer sind Zugang zu höherer Bildung für Frauen bis auf eine Hand voll Ausnahmen reine Utopie. So gründen Auguste Fickert, Marie Lang und Rosa Mayreder im Jahr 1893 den Allgemeine Österreichischen Frauenverein, der sich dafür einsetzt, dass Frauen in allen staatsbürgerlichen Belangen Männern gleichzustellen sind, zu allen Bildungsstätten Zugang bekommen und gleiche Berufsmöglichkeiten für gleichen Lohn wie Männer erhalten.

Der erste Frauenstreik

700 Arbeiterinnen taten sich zusammen und streikten drei Wochen lang. Das niederschmetternde Ergebnis lautete, „die Aufgabe der Frauen in der Partei sei es, durch Bewältigung der Alltagssorgen den Genossen die Ausführung ihrer politischen Pflichten zu erleichtern.“ Erst durch die Gründung des Vereins sozialdemokratischer Frauen und Mädchen im Jahr 1902 durch Adelheid Popp, Gabriele Proft, Anna Boschek und Amalie Seidel bekamen Frauen eine eigene Organisationsstruktur.

Tag der Frau und Frauenwahlrecht

Der Tag der Frau ist kein Tag des Blumenschenkens. Diese sozialistische Tradition diente lediglich zur Herabwürdigung des Kampfes von Frauen für ihre staatsbürgerlichen Rechte. Der 8. März wurde 1910 als Frauenkampftag eingeführt und diente der Durchsetzung des Frauenwahlrechtes. Dieses ließ aber noch einige Jahre auf sich warten und wurde in Österreich erst 1918 eingeführt. Das Jahr 1919 schreibt die Geburtsstunde der ersten Frauen im Nationalrat.

Das Rote Wien

Teil 1: Die soziale Fürsorge
Teil 2: Der kommunale Wohnbau
Teil 3: Die Schulreform
Teil 4: Die Frauenbewegung

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