Ida-Pfeiffer-Weg (c) STADTBEKANNT

Große Wienerinnen

„Eine Frauenfahrt um die Welt“ lautet der Titel eines ihrer vielen Bücher, der gut beschreibt, was Ida Pfeiffer Besonderes geleistet hat – außergewöhnlich vor allem für eine Frau im 19. Jahrhundert, deren Begeisterung für ferne Länder bereits in früher Kindheit sehr ausgeprägt war.

Aus wohlhabendem Hause stammend, wurde die am 14. Oktober 1797 in Wien geborene Ida Reyer zunächst wie ihre fünf Brüder „männlich“ erzogen. Nach dem Tod ihres Vaters versuchte die Mutter jedoch eine traditionell „weibliche“ Erziehung des Mädchens durchzusetzen, die Ida anfangs mit allen Mitteln der Kunst zu boykottieren wusste, sich aber schließlich dennoch beugte. 1820 heiratete sie dann den Lemberger Rechtsanwalt Mark Anton Pfeiffer, was eher eine Vernunft- denn eine Liebesehe war, der kein großes Glück beschert war. In finanzielle Not gekommen, lebten die Eheleute zeitweise auch getrennt in verschiedenen Städten, wobei Ida die beiden Söhne erzog. 1838 starb Mark Anton Pfeiffer, die Söhne waren inzwischen erwachsen – für Ida Pfeiffer war nun die Zeit gekommen, ihrem eigentlichen Interesse zu folgen. 1842 reiste sie – obwohl sie angab, lediglich nach Konstantinopel zu fahren – bis nach Jerusalem, dann weiter nach Ägypten und über Italien nach insgesamt neun Monaten wieder zurück nach Wien. Sie hatte ein detailreiches Reisetagebuch geschrieben, das sie publizierte und das so erfolgreich verkauft wurde, dass sie sich weitere Reisen ermöglichen konnte.

1846 trat sie ihre erste Weltreise an (1850 in den drei Bänden „Eine Frauenfahrt um die Welt“ festgehalten), 1851 die zweite Weltreise, die sie unter anderem nach Borneo führte. Ida Pfeiffer war die erste Europäerin, die das Innere dieser Insel erkundete und ebenso die erste weiße Frau, die sich zu den im Dschungel von Sumatra lebenden Batak begab, die damals als Kannibalen galten.

Auf ihrer Reise nach Madagaskar und Mauritius (ihr Ziel wäre Australien gewesen), erkrankte Pfeiffer schwer und musste ihre Reise abbrechen – sie verstarb an den Folgen einer Fieberinfektion am 27. Oktober 1858 in Wien.

Auch über den Tod hinaus war sie noch Pionierin, denn sie war die erste Frau, der ein Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof gewidmet wurde. Weitere Spuren dieser Forscherin sind unter anderem im Naturhistorischen Museum in Wien zu finden, denn Ida Pfeiffer sammelte auf ihren Reisen Naturalien, die von Museen angekauft wurden und für sie eine wichtige Einnahmequelle für die Finanzierung weiterer Reisen waren. Auch in diversen Benennungen von Tierarten scheint Pfeiffer auf, so heißt eine Stabheuschreckenart „Myronides pfeifferae“. Und in 13 Buchbänden, die bereits damals in einige Sprachen übersetzt wurden, ist dokumentiert, was die Abenteurerin auf ihren Expeditionen auf vier Kontinenten erlebt hat. Ganz zu Recht wurde sie auf Empfehlung von Alexander von Humboldt, zu dem sie persönlichen Kontakt pflegte, Ehrenmitglied der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin – auch das als erste Frau!

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