Elisabeth von Österreich-Ungarn

Kaiserin Elisabeth (c) STADTBEKANNT Mautner

Große Wienerinnen

Ihre Biographie flackerte schon unzählige Male verkitscht über die Bildschirme und wurde ebenso unzählige Male auf die Bühne gebracht, ihr Leben gibt gestern wie heute Anlass zu wilden Spekulationen: Elisabeth von Österreich, besser bekannt als “Kaiserin Sisi”.

Sisi und Franzl, eine getrübte Romanze

Den jungen Kaiser Franz Joseph I lernte die erst 15-jährige Elisabeth in Bad Ischl kennen, wo er eigentlich mit ihrer älteren Schwester Helene verkuppelt hätte werden sollen. “Franzl” gab jedoch “Sisi” den Vorzug, rasch folgte die prunkvolle Märchenhochzeit in Wien. Doch die Ehe entpuppte sich als weit weniger märchenhaft als erwartet. Franz Joseph widmete sich akribisch den Regierungsgeschäften und hatte wenig übrig für die Hobbies und Vorlieben seiner freiheitsliebenden Gattin, die am Wiener Hof nie heimisch wurde. Auch Schreck-Schwiegermutter Sophie trug dazu bei, dass Sisi sich zurückzog.

Freizeit-Ausflüchte und Schönheitskult

Anstatt Repräsentationspflichten am Hof nachzukommen, schrieb sie lieber Gedichte oder trieb Sport. Für ihre Zeit war Sisi nämlich eine außergewöhnlich fitte Frau: Ihre flotten und oftmals mehrstündigen Spaziergänge waren bei Hofdamen gefürchtet, meisterhaft beherrschte sie das Jagdreiten und Springen im Damensattel, auch Gymnastik und Fechten zählten zu ihren Hobbies. In der Wiener Hofburg ließ sich Sisi sogar ein eigenes “Turnzimmer” einrichten – inklusive Hanteln und Reck.
Dass Sisi auch für Figur und Schönheit schwitzte, steht außer Frage: Extreme Schlankheit war ihr ähnlich wichtig wie heutigen Influencern. Laut Quellen war Sisi klar untergewichtig. Haut und Zähnen galt ihre größte Sorgfalt; die Pflege ihres langen, wallenden Haares oblag einer eigenen Friseurin, die sie sogar auf Reisen begleitete. Haare waschen stand allerdings nur alle drei Wochen am Programm – die Prozedur mit Ei und Cognac (und ohne Fön!) dauerte schließlich einen ganzen Tag.

Sisi, die rastlose Möwe

Im Laufe ihres Lebens erlitt Sisi mehrere schwere Schicksalsschläge, darunter den Selbstmord ihres Sohnes Rudolf gemeinsam mit Mary Vetsera 1889 in Mayerling. Kuraufenthalte und Reisen wurden bald zu ihrer liebsten Beschäftigung. Besonders gern war Sisi auf Korfu, wo sie sich ein Schlösschen namens Achilleion bauen ließ. Auch nach Frankreich, England, Nordafrika und Ungarn zog es sie. Ihre letzte Reise führte Sisi nach Genf, wo sie einem Attentat zum Opfer fiel: Der Anarchist Luigi Lucheni attackierte sie mit einer dünnen Feile und stach ihr auf offener Straße mitten ins Herz. Sisi selbst merkte die Wunde erst, als es zu spät war und starb kurz darauf. Bei der Obduktion stellten die Ärzte verdutzt fest, dass Sisi ganz adels-ungemäß tätowiert war: Der kleine Anker auf ihrer Schulter steht wohl sinnbildlich für ihre Freiheitsliebe, Rastlosigkeit und Reiseleidenschaft.

„Eine Möwe bin ich von keinem Land, Meine Heimat nenne ich keinen Strand, Mich bindet nicht Ort und nicht Stelle; Ich fliege von Welle zu Welle.“
(Elisabeth, Poetisches Tagebuch)

Elisabeth von Österreich-Ungarn
24. Dezember 1837 in München – 10. September 1898 in Genf

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