Marianne Saxl - zum Frauenwahlrecht aus dem Jahr 1913

Vielen Dank für die Blumen!

Jedes Jahr tummeln sich am 8. März Scharen von Ehemännern, Freunden, Lebensabschnittspartnern und dergleichen durch die Welt der Floristik, um ihren Angebeteten Blumen zu schenken. Diese, doch eigentlich freundlich gemeinte, Geste transportiert nicht nur Unwissen, sondern auch ein klassisch patriarchalisches Weltbild.

Wir schreiben das Jahr 1910, in Kopenhagen findet die Internationale Konferenz der Sozialistischen Frauen statt, um für die Rechte der Frauen zu kämpfen. Fast so sicher wie die Tatsache, dass Frauen bis dato keine Staatsbürgerrechte hatten, ist auch eine ziemlich deprimierende Feststellung über das Nichtwissen der Bedeutung des 8. März unter Geschlechtsgenossinnen heute. Vor allem in Osteuropa hatte sich das Phänomen des Blumenschenkens am 8. März zur Zeit des Sozialismus als wunderbares Ablenkungsmanöver von der eigentlichen Sache etabliert. Die Frauen wurden hübsch mit Blumen beschenkt und durften weiterhin genügsam und hausmütterlich ihren Lebensinhalt der Versorgung in Form von Nahrungsaufnahme und Sauberhaltung der Familie widmen. Dass sich dabei die Kämpferinnen, die diesen Tag ausgerufen hatten im Grabe umdrehen würden, ist so manch einer bis heute nicht bewusst.

Der Tag der Agitation

Ein historischer Querschnitt ist allemal von Nöten, bedenkt man, dass aus heutiger Sicht viele Frauen, vor allem sehr junge, sich der Mühsal ihrer Vorgängerinnen weder bewusst sind noch zur Kenntnis nehmen, dass es bis heute in vielen Ländern nicht einmal ansatzweise so etwas wie Gleichstellung gibt. Da sind wir in Österreich auch nicht so fortschrittlich wie es heute erscheinen mag. Die wohl bekannteste Vertreterin für Frauenrechte war Clara Zetkin, die 1910 den Weltfrauentag vorschlug. Ein Jahr später wurde am 8. März am Weltfrauentag „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ gefordert. Besonders die Fabrikarbeiterinnen machten sich hierfür stark, da vor allem sie diejenigen waren, deren Alltag aus Ausbeutung und Armut bestand. Der Lohn einer Frau wurde damals noch an den Ehemann ausgezahlt. In Österreich folgte 1919 dann das Frauenwahlrecht. Das Ehegesetz, welches es erstmalig Frauen erlaubte sich scheiden zu lassen, wurde erst 1939 eingeführt.

Charta der Vereinten Nationen

„Wir, die Völker der Vereinten Nationen, (sind) fest entschlossen (…) unseren Glauben an die Grundrechte des Menschen, an Würde und Wert der menschlichen Persönlichkeit, an die Gleichberechtigung von Mann und Frau (…) erneut zu bekräftigen.“
Dieser „feste“ Entschluss wurde 1945 gefasst und sollte theoretisch das Endgültige Ende der Diskriminierung bedeuten, praktisch wurde das Diskriminierungsverbot hinsichtlich des Geschlechts erst drei Jahre später festgeschrieben. In Österreich wurde 1952 das verfassungsändernde UN-Übereinkommen unterzeichnet, dass nunmehr auch ein aktives und passives Wahlrecht der Frauen festsetzt.

Kampf um Menschenrechte gegen Ausbeutung von Mädchen und Frauen

Der Kampf ist mit ein paar Gesetzen allerdings nicht beendet, denn die Ungleichstellung von Mädchen und Frauen ist auch heute noch Realität. In vielen Ländern sind Ausbeutung und Menschenhandel von Mädchen und Frauen gewinnbringende Geschäftsmodelle. Einen Ausweg daraus gibt es für Betroffene kaum, vor allem dann nicht, wenn Frauen nicht für Frauen auf- und einstehen. Einen Denkanstoß dafür könnte uns allen der 8. März liefern, und auch der biologische Gegenpart ist dazu angehalten, diesen Tag der Bewusstseinsmachung und dem Kampf für Frauenrechte zu widmen.

Berühmte Frauenrechtsaktivistinnen und Friedensforscherinnen im deutschsprachigen Raum waren neben Clara Zetkin – Auguste Fickert, Bertha von Suttner, Marianne Hainisch, Rosa Mayreder und Olga Rudel-Zeynek.

Bild Marianne Saxl – Postkarte zum Frauenwahlrecht aus dem Jahr 1913

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