Buchtipp: Wie man Dinge repariert

Wie man Dinge repariert - Cover (c) Edition Atelier

Roman von Martin Peichl

„Wie man Dinge repariert“ ist ein Roman, der sowohl formal als auch sprachlich erfrischend anders daherkommt. Sieht man sich den Autor genauer an, weiß man, warum.

Vom Bierdeckel bis zum Buch

Über Martin Peichl spuckt das Internet so einiges aus. Es gibt wohl kaum eine österreichische Literaturzeitschrift, in der der im Waldviertel geborene Autor in den letzten Jahren keinen Text veröffentlicht hat. Ebenso umtriebig ist er auf diversen, vor allem Wiener, Lesebühnen – vom Café Anno bis zum Café Dezentral, wo er seit einiger Zeit sogar eine eigene Lesereihe hostet. Peichls literarische Anfänge finden sich auf Bierdeckeln – eine kleine Auswahl davon gibt es auf seiner Website bierdeckelgedichte.wordpress.com, die literarischen Untersetzer verschenkt er auch auf seinen vielen Lesungen.
In diesem Frühjahr ist nun Martin Peichls erster Roman „Wie man Dinge repariert“ in der Edition Atelier erschienen. Der Transfer auf das größere Format ist – so viel vorweg – vollends gelungen. Man sieht seinem Debüt nicht nur die Leseerfahrung des Autors an, sondern auch die Übung auf kleinem Papierraum. Vor allem ist es die rhythmische und prägnante Sprache, die „Wie man Dinge repariert“ so reizvoll macht.

Wie man Dinge repariert

Nicht nur die Gattungsbezeichnung „Roman“ gibt einen Hinweis darauf, dass es sich bei diesem Buch um keinen Ratgeber handelt. Die Cover-Illustration zeigt eine halbzerdrückte Bierdose und eine vertrocknete Rose – allesamt „Dinge“, die sich nicht mehr reparieren lassen. Um Dinge geht es in diesem kurzweiligen Roman allerdings ebenfalls eher nur nebenbei. Vor allem sind es komplizierte (Liebes-)Beziehungen, unterschwelliger Alkoholismus und der Tod, die dem tragikomischen Helden in Martin Peichls Erstlingswerk zu schaffen machen. Er ist Mitte dreißig, vom Waldviertel nach Wien gezogen und stolpert ein wenig durchs Leben – wir erfahren Kindheits- und Jugenderinnerungen am Land, vom Roman, der immer noch nicht fertig ist, von zwischenmenschlichen Begegnungen und dem großen und dem kleinen Bier ebenso wie von der großen und der kleinen Liebe – das alles in einer überaus präzisen Sprache, die viel Poesie offenbart und die Gedanken und Erzählungen des Protagonisten so sehr auf den Punkt bringt, dass es eine reine Freude ist. Zwischen die Kapitel hat Peichl je einen „Beziehungsstatus“ eingefügt, die sich ebenso gut auf Kalendern und Postkarten machen würden – oder auf Bierdeckeln.

Wie man Dinge repariert

Martin Peichl
160 Seiten, 18,- Euro
Edition Atelier, Wien
Bild: Wie man Dinge repariert (c) Edtion Atelier

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