100 Jahre Republik Österreich

100 Jahre Republik Österreich (c) STADTBEKANNT

Nicht alles war schlecht

Am 12. November 2018 jährt sich das Ende der Monarchie und die Ausrufung der Republik Österreich zum 100sten Mal.

Höchste Zeit also, um das erste Jahrhundert ihrer Entwicklung stationsweise zu durchleuchten und Wünsche und Anregungen für ihre Zukunft zu deponieren. In diesem Jahr wird STADTBEKANNT sich immer wieder der nunmehr 100jährigen Republik widmen.

Das Thema heute: Sind wir wirklich voll und ganz in der Demokratie angekommen, oder wirkt unsere imperiale Vergangenheit immer noch nach?

 

Jedes Ende ist ein Anfang …

Mit der bleiernen Unterschrift Kaiser Karls und seinem nicht ganz freiwilligen Verzicht auf jeglichen Anteil an zukünftigen Staatsgeschäften zerbröckelt im November 1918 schlagartig die über Jahrhunderte gefestigte Ordnung Österreichs. Die Monarchie wird von heute auf morgen durch eine fortan vom Volk zu wählende politische Vertretung ersetzt. Im Verlauf der nächsten 100 Jahre verblassen im Land zunehmend auch die mehr oder weniger offensichtlichen Überbleibsel vergangener Tage und Herrscher:

So wird etwa das Schloß Schönbrunn schon bald touristisch vereinnahmt. Sogar der Blaue Salon, in dem Kaiser Karl einhundert Jahre zuvor seine letzte geschichtsträchtige Amtshandlung beschrieb, kann heute mit Audio Guide besichtigt werden. Der letzte Monarch selbst sowie der Großteil seiner Vorfahren (und mit ihnen die gesellschaftliche Präsenz der habsburgischen Vergangenheit Österreichs) zerfallen unterdessen in der Kaisergruft langsam und öffentlich zu Staub.

 

Republik und Demokratie – wofür?

Aristoteles zählte die Demokratie – ganz im Gegensatz zur Monarchie – zu den drei fehlerbehafteten Verfassungen der Regierungsform. Betrachtet man manches, was sich in Demokratien so zuträgt, mag man sogar geneigt sein, ihm zuzustimmen: Immerhin setzt auch in der Demokratie das rationale Denken dank gekrönter Berichterstattung, asozialen Medien und diversen Fake-News-Verbreitern oft so weit aus, dass es schlimmer gar nicht mehr geht. Händeringend und kopfschüttelnd denkt man sich: „Wenn das der Kaiser erlebt hätt!“

Aber selbstverständlich bringt die Demokratie auch gewisse Vorteile mit sich. Frauen ist es endlich erlaubt politisch teilzuhaben, die Bevölkerung ist vorerst nicht mehr der Willkür eines von Gott gesandten Herrschers ausgeliefert, und der Unterkiefer des höchsten Mannes im Staat ist nicht mehr von über die Generationen getriebener Inzucht gezeichnet.

 

Überreste von damals

Davon abgesehen aber scheint hierzulande immer noch Vieles beim Uralten. Der Nationalismus floriert heute wie damals dank ins Ohr gehender Schlachtrufe und Wahlslogans, die Österreich als das Beste und Größte anpreisen. Alles Erdreich ist Österreich noch immer nicht Untertan, und die Polizei bekämpft die hinter allen Häuserecken lauernden Gefahren des Alltags bald wieder hoch zu Ross. Und der Franz-Josefs-Bahnhof heißt immer noch so.

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