Wien – Leben

Der liebe Augustin (c) STADTBEKANNT Nohl
Der liebe Augustin (c) STADTBEKANNT Nohl

Der liebe Augustin

23. August 2015 • Leben

Von Ohrwurm, Wiener Identität und Galgenhumor

Der liebe Augustin hat uns ein Stückchen Wiener Identität beschert, den Galgenhumor gelehrt und einen Ohrwurm aufgedrückt!

 

Ohhhhhhh du Ohrwurm!

Wer Angst vor Ohrwürmern hat, der sollte jetzt lieber nicht weiter lesen, falls es nicht eh schon zu spät ist! Oh du lieber Augustin, Augustin, Augustin! Wer dieses Lied kennt, der weiß ganz genau, dass es sich hartnäckig in jenem Teil des Gehirns festsetzt, der dafür zuständig ist seinen Besitzer auf Ruhe und Geduld hin zu prüfen. Denn es kann einem schon ein oder zwei Nerven kosten, wenn man einen Ohrwurm hat, der einem nicht und nicht aus dem Kopf gehen mag, vor allem wenn man für einen kurzen Moment dachte, man hätte sich des lästigen Eindringliches entledigt und er dann doch wieder aus irgendeiner Ecke hervorkriecht. Ooooooh du lieber *Augggrrrhmmmmwürgkratz*. Es bleibt einem also nichts anderes übrig als sich in Geduld zu üben und abzulenken, zum Beispiel damit zu ergründen, wer der Augustin eigentlich war? Was ihn lieb macht (wo er doch so lästig sein kann!)? Warum er im Dreck landet und was das alles mit Wien zu tun hat!

Der liebe Augustin Augustinsplatz (c) STADTBEKANNT

Der liebe Augustin Augustinsplatz (c) STADTBEKANNT

Augustin, der Säufer

Nun gut, fangen wir also von vorne an. Augustin Markus, auch Augustin Marx oder eben lieber Augustin genannt, war ein Dudelsackspieler, Sänger und Stegreifdichter im 17. Jahrhundert in Wien. Er wurde als lieb bezeichnet, weil er es schaffte zu schweren Pestzeiten mit seiner Musik und seinen Texten ein bisschen Freude unters Volk zu bringen. Möglicherweise entsprang diese Fröhlichkeit seiner Liebe zu alkoholischen Getränken. Und genau das sollte ihm eines Tages zum Verhängnis werden. Er hatte so viel intus, dass er es nicht mehr nach Hause schaffte und seinen Rausch in einer Straßenecke ausschlafen musste. Dabei wurde er versehentlich für einen Pesttoten gehalten und in die Pestgrube geworfen, die als Massengrab für alle Opfer fungierte. Als er erwachte und seine Situation begriff, musste er mit Dudelsackblasen und Krächzen auf sich aufmerksam machen, um gerettet zu werden. Und tatsächlich zog man ihn aus dem Dreck heraus. Im Laufe der Jahre entstand teils aus seinen eigenen Texten, teils von anderen Sänger unser bekanntes Lied. Bevor der Ohrwurm wieder durchdringt, wollen wir aber lieber schnell weiter im Text.

 

Und die Moral von der Geschicht’?

Denn irgendetwas muss man doch aus jeder Geschichte lernen können! Und die Moral von Augustins Geschichte? Erstens: Alkohol sollte nur in Maßen genossen werden. (*hust*). Zweitens: Der Tod muss ein Wiener sein. Drittens: Mit (Galgen)-Humor lässt sich doch alles irgendwie überstehen.

Der liebe Augustin Griechenbeisel (c) STADTBEKANNT

Der liebe Augustin Griechenbeisel (c) STADTBEKANNT

Augustinbrunnen und Griechenbeisl

Weil wir den Augustin in Wien so lieb gewonnen haben, wird auch vielerorts an ihn gedacht. Zum Beispiel im siebten Bezirk, dort wo angeblich die besagte Pestgrube war, erinnert der Augustinbrunnen an den Liebling aus dem 17. Jahrhundert. Da steht unsere Hauptfigur des heutigen Artikels fröhlich und locker mit seinem Dudelsack auf einem Podest, der mit Weinreben verziert auch als Brunnen fungiert. Angeblich floss hier zu besonderen Anlässen auch tatsächlich Wein statt Wasser. Dem Augustin würde das jedenfalls sicher gefallen, dem durstigen Wiener bestimmt auch!
Ein zweiter Ort in Wien, der an Augustin erinnern soll, ist das Griechenbeisl, wo der Sänger früher unter anderem aufgetreten sein soll. Dort sitzt eine Augustinpuppe unter dem Fußabtreter beim Eingang und wird immerhin mit Geldmünzen überschüttet.

Der liebe Augustin Griechenbeisel (c) STADTBEKANNT

Der liebe Augustin Griechenbeisel (c) STADTBEKANNT

Ooooohh…

So kann sich also wohl weder Tourist noch Wiener dem lieben Augustin entziehen. Er hat uns ja auch schließlich ein bisschen beigebracht, wienerisch zu sein. Dafür lassen wir schon einmal den ein oder anderen Ohrwurm zu, oder? Ooooooh…

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