Verbot - Graffiti (c) STADTBEKANNT

„Der Mensch ist gut, oba de Leit’ san a G’sindl.“ (Johann Nestroy)

„Man sagt, daß vereinte Masse kein Gewissen hat – und das ist wahr genug; gewissenhafte Menschen aber verbinden sich zu einer Vereinigung mit Gewissen. Das Gesetz hat die Menschen nicht nur ein Jota gerechter gemacht; gerade durch ihren Respekt vor ihm werden auch die Wohlgesinnten jeden Tag zu Handlangern des Unrechts.“ (Henry David Thoreau)

„Die Menschen sind ein Trottel.“ (Maximilian Zirkowitsch)

Menschen kritzeln gerne. Sie kritzeln auf Zeitungen, Briefkuverts, Tische, Bänke, Wände und auch sonst überall – in Höhlen, auf Waggons, im Sitzen und im Stehen. Dieser schönen Beschäftigung versuchen regelmäßig selbsternannte MoralwächterInnen (JournalistenInnen) einen Riegel vorzuschieben. Auch PolitikerInnen nehmen den Ball auf, wenn die Erfolgsaussicht gut ist. Sie fordern aber selbstverständlich nicht, die Höhle von Lascaux abzutragen oder die Felsritzbilder der Kalkalpen wegzufräsen. Nein, sie sind für Graffitiverbote.

Verbietet das Verbieten von Graffitis!

Freilich verstehen die Herren, wie sie in soigniertem Ton zum Besten geben, dass es Wandmalerei immer schon gegeben hat, aber man möge doch bitte Rücksicht nehmen. Auf wen? Und wieso? Das Interesse der HauseigentümerInnen an reinen Fassaden ist rein finanziell. Als Mieter begrüße ich persönlich und herzlich jeden Tag, denn er sorgt für niedrige Mieten und macht die graue Stadt bunt.
Ja, ja, ja, sagen die Herren jetzt. Die Stadt möge doch mit öffentlichen Geldern Wände zur Verfügung stellen, an denen sich KünstlerInnen austoben können und von Zeit zu Zeit einfach die Kunstwerke wieder entfernen, damit die nächsten usw. Das offenbart erstens ein hundsmiserables und vor allem respektloses Kunstverständnis und zweitens, dass sie keine Ahnung von Graffiti haben.

Es will nicht schön sein

„Ich hab ja nix gegen Graffitis, wenn sie schön sind“, klingt nicht nur wie „Ich hab’ ja nix gegen Ausländer“, es ist auch dasselbe. „Alles, das so ist, wie ich es will, belästigt mich nicht und zu mehr Toleranz bin ich nicht bereit.“ Aber Graffitis wollen dir gefallen, Hans-Jürgen! Sie wollen nicht schön sein; und schon gar nicht für dich, Christina-Anette!
Graffitis sind Bilder, Parolen, Reklame, Propaganda, Symbole, Codes, Besitz- und Herrschaftsansprüche, Namen und vor allem Penisse.

Beidln

Wenn es ein Problem gibt, dann mit der männlichen Überrepräsentation. An jeder zweiten Ecke prangt ein Schwanz während man oft stundenlang nach einer Fut suchen muss. Denn selbstverständlich ist auch Street-Art nicht frei von Machtverhältnissen, gesellschaftlichen Ungleichheiten und verschiedenen Einflüssen.
Aber so, wie man die Ungerechtigkeit leider nicht verbieten kann, kann man auch die Ungleichheit der Graffitis nicht verbieten. Um dem Herr (haha!) zu werden, braucht es einfach mehr Sprayerinnen und meinetwegen ein paar woke Sprayer.
Überhaupt hätte ich gerne mehr Graffitis, die mir entsprechen in der Stadt, aber (siehe oben) so denken halt nur spießige Bürgerschweine. Und wenn ich eins nicht bin – dann ein Sprayer, der selbst Abhilfe schafft.
Also sprüht ein, zwei, viele Futna und lasst die Stadt bunt aufblühen. Wer dagegen ist, gehört verboten.

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