Wien – Leben

Ozelot Geldtaschen (c) Mautner stadtbekannt.at
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Weihnachtsgeld der besonderen Art

27. Mai 2010 • Leben

 

Alle die schon einmal Lola rennt gesehen haben, können sich an die Szene erinnern. Lolas Freund Manni lässt 100000 Euro in der U-Bahn liegen, ein Obdachloser findet sie zufällig und sein Leben ändert sich für immer. Was wäre wohl wenn ihr eine Menge Geld irgendwo finden würdet. Weil es zum Beispiel gerade von einem  Räuber auf der Flucht fallen gelassen wurde. Würdet ihr dieses Geld zurückgeben, euch über die 10% Finderlohn freuen und euch selbst auf die Schulter klopfen, ob eurer guten Tat? Oder würdet ihr dem Motto einmal ist keinmal folgen, dass Geld einstecken und es euch selbst damit gut gehen lassen?

Für die allermeisten ist die Antwort wohl klar. In der konkreten Situation wäre die Verlockung das Geld zu behalten vermutlich größer als es zurück zu geben. Und so ist es kein Wunder, dass Wien eine/n neue/n heimlichen HeldIn hat. Am 17 Dezember wurde ein Postamt in Ottakring überfallen, die Beute musste der flüchtende Räuber jedoch fallen lassen. Der Posträuber wurde später, ohne Beute, verhaftet. Offenbar fand diese ein/e PassantIn und erfreut sich seither daran. Die Polizei hat darum gebeten die Beute zurückzubringen, verweist auf den Finderlohn und auch darauf, dass Fundunterschlagung bis zu zwei Jahre Haft einbringen kann.

Liest man jedoch die Postings im Internet zum Thema, so scheint die Meinung der WienerInnen zum Thema eine andere zu sein. Nicht wenige freuen sich mit dem oder der  FinderIn und wären wohl selber nur all zu gerne in seiner/ihrer Position. An sich nichts neues, denn die Sympathie mit Bankräubern, die ohne Waffengewalt vorgehen, war immer schon recht groß.  Ronald Biggs und John Dillinger sind bekannte Beispiele für Räuber die es zu großem Ruhm brachten. Einem oder einer ZufallsfinderIn wird, wenn schon mit vielen BankräuberInnen sympathisiert wird, die Gesetzesübertretung natürlich noch viel eher „verziehen“.

Arm dran sind letztlich der Ottakringer Posträuber, der jetzt ohne Beute sitzt, während ein/e Andere das Geld ausgibt und die KundInnen der Post, die Einbrüche über höhere Gebühren zumindest mitbezahlen müssen.

Es bewahrheitet sich eben doch, siehe Hypo Alptraum Adria, was schon Bert Brecht wusste. „Was ist der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“

 

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