Kultur

Kaffeesätze, (c) edition atelier

Lies mich! Mit Vorsatz!

19. September 2014 • Kultur, Literatur

Der neueste Band von „Mit Vorsatz“ kann einfach nicht übersehen werden. Nach „Bitte sich festzuhalten“ und „Ob Wien die Psychoanalyse erfunden hat“ tauchen nun Nomen Nescio, Elena Messner und Georgi Gospodinov in die Deutung der köstlich braunen Bohne ein: Kaffeesätze!

Wie in den vorherigen Bänden werden Wien-Klischees bis ins Extreme gezogen und verzerrt, bis nur noch der eigentliche Ursprung all des Ganzen am Grunde der Kaffeetasse übrig bleibt.

 

„Kaffee mit dem Tod“ von Nomen Nescio

Das Kaffeehaus selbst ist für Nomen Nescio ein „Kulminationspunkt der spezifischen Wienerischen Morbidität“. Kaffee trinken im Kaffeehaus: Der Tod ist Dauergast – vor allem in Österreichs Hauptstadt. Minderheitenpolitik, Rassismus, Wiener Bälle, Architektur, Verlust oder Kaffeehauskultur – sie alle sind ein Ausdruck des Todes und gehören zum Leben wie das Glas Wasser zum Kaffee.

 

„Kaf-fee-sud-er-ei“ von Elena Messner

Vom Sudern kann der Wiener einfach nicht ablassen, wie auch nicht vom Kaffee. Eigentlich sollte die Suderei deshalb den Status eines Weltkulturerbes haben, wie die Kaffeehauskultur eben. Denn beides passt wunderbar zusammen: Die bestehenden Kaffeehäuser laden teilweise nun wirklich zum ausgiebigen Sudern ein! Elena Messner regt sich auf, und wie! Und irgendwie auch zurecht.

 

Gedichte von Georgi Gospodinov

Die Krähen von Wien, sie sind überall und unter uns. Mit Frack und Fagott erobern sie die Stadt und spielen klassische Musik. Nur irgendwie ist es dann doch die falsche. Am Südbahnhof hat sich genauso viel verändert, man erkennt ihn kaum wieder. Da möchte man einfach einen typischen Wiener Sonntag erleben. Als Wiener, denn ein Wiener möchte man gerne sein, in einer Stadt, wo man die eigene Fremdheit ständig vor Augen geführt bekommt.

Lesezimmer MQ, Foto: edition.atelier

Lesezimmer MQ, Foto: edition.atelier

STADTBEKANNT meint

Der neueste Band von „Mit Vorsatz“ ist wirklich lesenswert und morbid lustig! Hier liest die Stadt aus sich selbst vor. Der von Helmut und Johanna Kandl gestaltete Durchgang in der Themenpassage des MuseumsQuartiers wird mit zeitgenössischen literarischen Auseinandersetzungen mit Wien als urbanem Raum bespielt. Zwischen den Vorsatzseiten finden sich Texte von AutorInnen aus Österreich , dem Donauraum und der Schwarzmeerregion. In jedem Band wird ein bestimmtes Wien-Klischee literarisch bearbeitet.

 

Das Buch gibt es in den Kundendienst-Automaten der Literaturpassage für EUR 2,-. Dreimal im Jahr gibt’s einen neuen Band, der nur dort zu kaufen ist!

Mehr Infos sind hier zu finden: www.editionatelier.at/literaturpassage.html

MuseumsQuartier Wien

Museumsplatz 1
1070 Wien
+43/1/523 5881
http://www.mqw.at/

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