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Nichts zu verzollen: (C) Foto Luna Filmverleih
Nichts zu verzollen: (C) Foto Luna Filmverleih

DVD-Tipp: Nichts zu verzollen

6. Juli 2013 • Film / TV

DVD-Tipp

Zwei Zöllner, die sich auf Blut hassen und trotzdem zusammenarbeiten müssen. Aus diesen Zutaten macht Dany Boom einmal mehr einen liebenswerten und charmanten Film.

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Dany Boon hat ein Auge für die Welt der Verwaltung und der kleinen sprachlichen Unterschiede. Das hat er schon mit seinem Welterfolg „Willkommen bei den Schtis“ bewiesen, in dem ein Postbeamter nach Bergues im äußersten Norden Frankreichs versetzt wird und mit den für ihn als Südfranzosen völlig ungewohnten Lebensumständen zurecht kommen muss.

Das Erfolgsrezept vom letzten Mal wendet er in „Nichts zu verzollen“ auf die fast schon in Vergessenheit geratene Welt der Zollkontrolleure an.

Der Film

Ganz Europa freut sich über den freien Personenverkehr durch Inkrafttreten des Schengen Abkommens? Nein, zumindest die Zöllner haben wenig zu lachen, fällt ihre Profession durch die fehlenden Grenzen doch nun weg.

Im französisch-belgische Grenzörtchen Courquain, in dem „Nichts zu verzollen“ spielt, trifft es die Beamten der Zollfahndung so hart nun aber auch wieder nicht. Sind es doch unkündbare Beamte, für die der Staat nun eben eine neue Beschäftigung suchen muss.

Sicher, die Sticheleien zwischen französischen und belgischen Grenzbeamten fehlen ihnen und etwas langweilig ist ihr Alltag nun auch geworden, richtig furchtbar ist Schengen jedoch nur für den belgischen Zollbeamten Ruben. In seinem grenzenlosen Hass auf alles französische und seiner überschwänglichen Liebe zur belgischen Nation gefangen, kann er sich nichts Schlimmeres vorstellen, als nun von den „Camemberts“, wie er die Franzosen nennt, durch keine Grenze mehr getrennt, gemeinsam leben zu müssen.

Schon vor der Grenzöffnung hat er französische Reisende ein paar Mal zu oft schikaniert. Kein Wunder, dass es seinem Vorgesetzten zu bunt wird und er Ruben androht, ihn für ein geplantes, mobiles französisch-belgisches Zollfahndungskommando vorzuschlagen.

Als sein Pfarrer ihn dann noch warnt, dass der himmlische Zoll ihn, ob seines enormen Hasses auf alles französische, wohl kaum ins Paradies lassen wird, nimmt er allen Mut zusammen und meldet sich freiwillig zum interkulturellen Zollteam.

Auf der anderen Seite der Grenze steht Mathias Ducatel, den Dany Boon selbst spielt, und der das große Pech hat, ausgerechnet in Rubens hübsche Schwester verliebt zu sein. Die arme Schwester, mit einer Familie von Franzosenhassern gestraft, sieht keine Zukunft für ihre Beziehung und so sieht Ducatel seine einzige Chance die Liebe seines Lebens zu halten darin, sich ausgerechnet mit Ruben anzufreunden.

So wird das dynamische Duo zum ersten gemeinsamen französisch-belgischen Zollkommando. Was dann passiert ist eigentlich nur schwer in Worte zu fassen. Ein Gagfeuerwerk sondergleichen wird gezündet, „Camemberts“ und „Fritten“ schenken sich nichts und am Ende siegt, wie könnte es anders sein, natürlich die Liebe

Dany Boon beweist einmal mehr ein feines Gespür für die kleinen Unterschiede, die die Menschen sowei aufblasen, bis sie zu großen Ungetümen werden. Die Beziehung zwischen Franzosen und Belgiern, die österreichische Kinobesucher wohl nicht zu unrecht stark an das ebenfalls schwierige Verhältnis zwischen Ösis und Piefkes erinnert, wird auf eine liebevolle Art auf die Schaufel genommen.

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Eine Hommage an Europa

Sicher, tief schürfende Gesellschaftsanalysen darf man sich von dieser leichten Sommerkomödie nicht erwarten. Aber Boon hat ein Gespür für Situationskomik, die noch der sauersten Gurke, Tränen des Lachens in die Augen zaubern wird.

Boon wahrt dabei stets Respekt vor den dargestellten Personen und gibt sie nicht der Lächerlichkeit preis. Vielmehr wird der Nationalismus, in all seiner großmannssüchtigen Lächerlichkeit, dem Spott unterzogen. Und so ist Boons Film letztlich eine Hommage an das vereinte Europa.

Keine Empfehlung ist der Film für all diejenigen, die mit der Sommerkomödie per se nichts anfangen können. Wer aber, wenn schon die Temperaturen keine Leichtigkeit des Seins ermöglichen, wenigstens im Film ein bisschen heitere Leichtigkeit verspüren möchte, für den ist „Nichts zu verzollen“ eine absolute Empfehlung. Zeigt der Film doch gute Unterhaltung, auf hohem Niveau. Wer über ausreichende Französischkenntnisse verfügt, sollte ihn im Originalton ansehen, kommen doch nur so die feinen Wortwitze zwischen belgischem und französischem Französisch hervor.

Regie: Dany Boon
Mit: Dany Boon, Benoît Poelvoorde u.a.
Frankreich/Belgien, 2010, 108 Min.

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