Kultur – Literatur

Nüchtern. Cover (c) Hanser Verlag
Nüchtern. Cover (c) Hanser Verlag

Buchtipp: Nüchtern. Über das Trinken und das Glück.

17. Oktober 2014 • Literatur

Ein Achterl in Ehren !?

STADTBEKANNT empfiehlt das von Daniel Schreiber verfasste  Buch  „Nüchtern. Über das Trinken und das Glück.“, erschienen im Hanser Verlag.

„Forscher fanden nicht nur heraus, dass James Bond ungefähr viermal so viel Alkohol zu sich nimmt wie empfohlen, sondern dass er mit seinem Konsum auch ein erhebliches Risiko eingeht, an Leberzirrhose zu sterben. 007 ist genau genommen alkoholabhängig, körperlich nicht in der Lage, seiner Agententätigkeit nachzugehen, und mit ziemlicher Sicherheit impotent.“

„Ein Achterl in Ehren kann keiner verwehren!“ Trinksprüche gibt es wie Sand am Meer – ausgesprochen werde sie meist im schon recht weinseligen Zustand, in dem alles Unbill wie weggewischt erscheinen oder nur durch den promillegetrübten Blick zu erahnen sind. Von der trügerischen Wohligkeit des Suffs weiß auch Daniel Schreiber ein Liedchen zu singen – war er doch selbst immer der Meinung, sein Trinkverhalten sei vollkommen normal und unproblematisch. Jahre dauerte es, bis ihm dämmerte, dass die vielen Filmrisse und mit Kater nur mühsam durchlebten Arbeitstage ihn nicht nur Stück für Stück seiner Umgebung, Familie und Freunden entfremdeten, sondern Teil einer viel erschreckenderen Entwicklung waren: seiner voll entwickelten Alkoholsucht.

Schreiber rekapituliert ehrlich und detailliert seinen Weg in die sowie zurück aus der Sucht. Dabei ertappt man sich beim Lesen immer wieder selbst: Wie halte ich es eigentlich mit der Droge Nummer Eins? Wie viel Konsum ist noch „normal“, wann wird das Genusstrinken zur Abhängigkeit? So begleiten wir Daniel Schreiber bei dem beschwerlichen Prozess, sich selbst einzugestehen, dass er alkoholkrank ist; besuchen mit ihm Meetings der Anonymen Alkoholiker und wundern uns über eine Gesellschaft, in der Alkohol gesellschaftlich so angesehen ist wie keine andere Droge (denn sind wir mal ehrlich, ist der, der einen über den Durst trinkt, nicht einfach nur ein kerniger Kerl?), die Süchtigen aber nach wie vor ausgegrenzt werden, meist mit dem Satz: „Der Arme – Gott sei Dank könnte mir das nicht passieren.“ Wie schmal der Grat ist, auf dem wir dabei wandeln, ahnen wir oft nicht.

 

STADTBEKANNT meint

„Nüchtern – Über das Trinken und das Glück“ ist definitiv ein Buch der Stunde. Dabei gelingt es Daniel Schreiber nicht nur, einen höchst persönlichen Einblick in sein Leben mit und ohne Alkohol zu geben, sondern gleichzeitig ein fundiertes, informatives Sachbuch vorzulegen. Der Griff zum nächsten Feierabendbier fällt jedenfalls nach dieser Lektüre nicht mehr ganz so leicht – und dafür kann und muss man Daniel Schreiber danken.

Nüchtern. Über das Trinken und das Glück.
Daniel Schreiber
Hanser Berlin
17,40 €

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