Kultur

Ballhausen - Lob der Brandstifterin Cover

Buchtipp: Lob der Brandstifterin

25. Februar 2014 • Kultur, Literatur

„Das zufällig gelesene Fragment stellt die Situation auf den Kopf. Linearität, so war unlängst zu hören, wäre ja ohnehin heillos überschätzt.“ Geradezu programmatisch für die Kurzliteraturreihe Textlicht startet Thomas Ballhausen in seinen Beitrag Lob der Brandstifterin. Drei Teile hat dieses filigrane Textlicht, und jeder umkreist mit höflicher Umständlichkeit, dabei aber durchaus elegant, seinen eigentlichen Gegenstand, ohne klar auf ihn hinzuweisen.

Eine Frau ist in das Leben des Ich-Erzählers getreten, sie lieben beide das Mysterium, wie auch der Autor und die Leser dieses Textes selbst. Sie veranstalten Schnitzeljagden füreinander, hinterlassen einander Botschaften in Bibliotheksbüchern. Wohl führen sie so etwas wie eine Beziehung, und doch scheint sie auf der Flucht vor einer Institution zu sein, der er womöglich angehört. Eine Brandstifterin? Das Feuer, das Fieber in ihm hat sie zumindest entfacht.

Mit dieser unvollendeten Liebesgeschichte begibt sich Thomas Ballhausen, verschmitzter Universitätslektor, engagierter Archivar und Filmexperte, in die geheimen Nebengänge der Stoffe, die er hauptberuflich untersucht. Um das Literarische seines Textes, aber auch seiner Existenz weiß er ganz genau – die Verantwortung des Künstlers ist dem Wissenschaftler wohl bewusst: „Hier aber müssen wir Geheimnisse erfinden“, schreibt er, „um etwas zu haben, das nur uns gehört und verbindet. Generationen gelangweilter Zuschauer würden sich sonst zu schnell abwenden, nur unter ihren neugierigen Blicken scheinen wir wirklich zu existieren.“

In Hotelzimmern und Bars, in verlassenen Wohnungen und Bibliotheken träumt der Ich-Erzähler und versucht, sich die Stadt (Ist es Wien? Wir wissen es nicht sicher …) zur Komplizin zu machen, aber so einfach, wie es im Film Noir aussieht, ist das nun einmal nicht. „Die Türe steht einen Spalt weit offen, doch dahinter, das ist deutlich zu sehen, ist bloß eine weitere Türe.“ Das labyrinthische Spiel steht zwingend im Zentrum der Liebe. Es lohnt sich, mitzuspielen, um Thomas Ballhausen und seiner Flamme vielleicht ja doch auf die Schliche zu kommen.

Thomas Ballhausen
Lob der Brandstifterin
Erzählung Textlicht
€ 7,95

Martin Thomas Pesl

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