Kultur – Literatur

Foto: Cover Die wundersame Befoerderung KiWi
Foto: Cover Die wundersame Befoerderung KiWi

Buchtipp: Die wundersame Beförderung

24. Oktober 2014 • Literatur

Acharya lächelt. „Die häufigste Angst eines Geschäftsführers ist die Angst zu versagen. Eine gute Führungsperson lernt, diese Angst zu überwinden. Sie geht kühn kalkulierte Risiken ein, da sie weiß, nicht falsch zu handeln, sondern überhaupt nicht zu handeln löst die größte Angst aus, die Angst des Bedauerns, es nicht wenigstens versucht zu haben.“

 

Vinay Mohan Acharya ist der Boss einer der einflussreichsten Firmen Indiens, der ABC-Group. Gerade der in schicken Hosenanzügen gekleidete Herr aus gutem Hause, der nur mit Limousine durch die Straßen Delhis fährt, sucht sich Sapna, eine einfache Verkäuferin, aus – sie soll Geschäftsführerin seines milliardenschweren Unternehmens werden. Zuvor muss sie ein „Assessment-Center“ bestehend aus 7 Prüfungen, bewältigen. Diese, versichert ihr Acharya, schreibe das Leben selbst. Als Anreiz bietet er Sapna eine große Summe Geld als Vorschuss an. Sapna ist anfangs entrüstet, sie hält diesen ominösen Mr. Acharya für einen Hochstapler. Doch, wie das Leben so spielt, steckt sie bald in beträchtlichen Geldnöten und sieht sich vom Leben gezwungen, das Angebot anzunehmen …

 

Ich nicke, da ich mich an ein irgendwann einmal gelesenes Zitat von Kierkegaard erinnere: „Wer wagt, verliert kurz den Halt. Wer nicht wagt, verliert sich selbst.“

 

Wir begleiten Sapna durch die Höhen und Tiefen ihres plötzlich völlig konfusen Lebens. Eine Zwangsheirat in einem indischen Kleinstdorf wird zu einem nervenaufreibenden Spiel, der Diamantring eines großen Bollywoodstars geht verloren, eine Fabrik, die Kinder unter grausamen Bedingungen arbeiten lässt – und in all das ist Sapna verwickelt. Bald ist sie nicht mehr davon überzeugt, dass allein das Schicksal es auf sie abgesehen hat. Kann man Acharya eigentlich trauen? Oder findet er schlicht Gefallen daran, die schwierigen Entscheidungen im Leben einer jungen Frau zu verfolgen? Selbst bei Karan, Sapnas bestem Freund, scheint etwas nicht zu stimmen – ob es gut ist, dass sie gerade ihm allabendlich von ihren Prüfungen erzählt?

 

Das Buch beginnt mit einem Prolog, auf diesen folgen 7 Kapitel, die für die jeweiligen Prüfungen stehen, es schließt mit einem Epilog. Die Übersetzung von Bernhard Robben macht „Die wundersame Beförderung“ zu einem echten Lesevergnügen, zuweilen fiebert man richtig mit Sapna mit. Streckenweise könnte man ihrer Charakterzeichnung zuviel Naivität vorwerfen, doch das wird durch spannende Wendungen wett gemacht. Mit viel Feingefühl für die Heldin Sapna entwirft Vikas Swarup ein Bild der indischen Durchschnittsbevölkerung und skizziert politische, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Gegebenheiten Indiens. Wer „Slumdog Millionaire“ gern gelesen hat, wird in „Die wundersame Beförderung“ eine spannende und unterhaltsame Lektüre finden.

 

Vikas Swarup

Die wundersame Beförderung
Kiepenheuer & Witsch, € 17,50 €

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