Wien – Debatte

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Wie lebendig ist Wiens Kunstszene?

1. November 2010 • Debatte, Kultur1 Kommentar zu Wie lebendig ist Wiens Kunstszene?

Die August-Ausgabe des Kunstmagazins art preist Wien als das "neue Berlin". Junge, freche, politische KünstlerInnen sorgen für internationale Furore und beleben die bildende Kunstszene, die jedoch als "weniger hysterisch als London und persönlicher als Berlin" gilt.

In letzter Zeit häufen sich die euphorischen Meldungen, Wien avanciere zum neuen Epizentrum für zeitgenössische junge Kunst, Wiens Künstlerszene sei lebendig und politisch wie seit der Secessionsbewegung nicht mehr, Wien sei das neue Berlin. Aber stimmt das?

Wien – Das neue Berlin?

Betrachtet man Wiens Galerienszene, ist von dem Hype kaum etwas zu spüren. Zu unbeweglich, zu starr und festgefahren, zu fixiert ist man hier auf große Namen und Long Seller. Die Galeriendichte in Wien ist für die Größe der Stadt zwar durchaus beachtlich, gezeigt werden dort jedoch kaum junge KünstlerInnen. Die wollen aber nicht versauern bis die Wiener Galeristen auf sie aufmerksam werden, sie nehmen die Sache lieber selbst in die Hand.

Die Kunst passiert im Abseits

Wiens Kunst passiert im Abseits. In leerstehenden Altbauwohnungen, Geschäftsräumen, Lagerhallen, zu Biennalen umfunktionierten Kaffeehäusern: Die Off Spaces, die irgendwo zwischen privatem Atelier und öffentlichem Ausstellungsraum mäandern, scheinen momentan wie Schwammerl aus dem Boden zu sprießen.

Gegründet werden sie meistens von ungeduldig gewordenen KünstlerInnen und KuratorInnen, die nicht länger auf instutionellen und den damit meistens verbundenen kommerziellen Erfolg warten wollen (Die Problematik einer zahnlos gewordenen Kunstkritik sei hier nur angeschnitten) sondern ungenützte Räumlichkeiten parasitieren, um dort in kollektiver Praxis Gruppenausstellungen, Performances und Screenings zu organisieren und ihre Öffentlichkeit nicht länger der klassischen hegemonialen Gewaltentrennung Produktion – Kritik – Kunstmarkt anvertrauen wollen. Gefördert werden solche Initativen – neben Subventionen von Bund und Stadt – auch von Menschen wie Martin Lenikus, seines Zeichens Immobilienentwickler und Kunstsammler. Er vermittelt leerstehende Immobilien an junger KünstlerInnen zur Nutzung, bezahlt werden müssen nur die Stromrechnungen. Auf derart kostengünstigem Boden sprießen die Ideen.

Begünstigt wird der frische künstlerische Wind, der derzeit durch Wien wird, von namhaft besetzten Professuren wie Daniel Richter, Monica Bonvicini oder Dietrich Diederichsen an den Kunstunis. Derart imposante „Klassen-Meister“ locken natürlich internationale StudentInnenen an, was wiederum die Heterogenität der künstlerischen Inputs erhöht was wiederum die mediale Aufmerksamkeit von Außen erhöht was wiederum zu einem perpetuum mobile an sich gegenseitig inspierierender Kreativität nachzieht was wiederrum zu neuen Standards, neuen Formen führt was wiederum Wien in ein neues Zentrum bildender Kunst verwandelt hat.

Ein Lokalaugenschein

Ist Wien also das neue Berlin? Der neue Kunstwohnsitz Europas? Das Potenzial wäre jedenfalls vorhanden. Stadtbekannt wird in den nächsten Wochen der Wiener Kunstszene auf den Zahn fühlen, Institutionen, Off Spaces und Galerien besuchen um die Probe aufs Exempel zu machen.

Laura Windhager.

Über das Leichte und das Schwere. Zwischen Kulturpessimismus und Poputopien.

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  1. Les Montmartrois de Vienne sagt:

    Wir wollen etwas ändern
    Seit einem knappen halben Jahr gibt es :

    http://montmartrois-vienne.jimdo.com/

    Eine von 8 Künsstlerstädte-Künstlergruppen von

    Les Montmartrois en Europa

    Liebe Grüße Ulrich

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