Vinzenzhaus (c) STADTBEKANNT

Das Vinzenzhaus der Caritas Wien

„Struktur ist wichtig!“ – das sozialtherapeutisches Übergangswohnhaus für Männer nach abgeschlossener Alkoholentzugstherapie.

„Heast! Ich will was über eine Sozialeinrichtung schreiben. Weißt, die g’hören auch zur Stadt. Was? Ja. Na, ich will was über die Obdachlosen schreiben. Hast du a Idee?“

„Schau, wenn du’s dir leicht machen willst, schreib was über ein Mutter-Kind-Heim. Da rennen dann immer auch Spenden. Die Leut‘ lieben das.“

„Naja, ich weiß nicht. Das liest man eh überall.“

„Genau. Dann schau dir doch das Haus für die alkoholkranken Männer an!“

Wir wollen euch hier in loser Reihenfolge verschiedene Einrichtungen, Institutionen und Akteure der Wiener Soziallandschaft vorstellen. Sie sind ein Teil der Stadt und des Stadtlebens. Manche werden sogar in kürzester Zeit stadtbekannt.

Der Frühling kommt zurück nach Wien. Wie schauts eigentlich in einem Heim für Wohnungslose aus, wenn man wieder im Freien schlafen kann? Spoiler! Es ist voll.

In der Gfrornergasse 12 treffe ich die Sozialarbeiterin Jannine Bachl, die mir von der Einrichtung erzählt. Die Geschichte des Vinzenzhauses geht bis ins 19 Jahrhundert als Haus für Armutsbetroffene und Suchtkranke zurück. Heute leben hier 37 alkoholkranke Männer in Einzel- und Doppelzimmern, die zuvor obdachlos waren.

Wohnungslos ist, wer über keine eigene dauerhafte Unterkunft verfügt, zum Beispiel Frauen und Kinder in Schutzeinrichtungen, Nutzer_innen von Notquartieren oder Geflüchtete in Heimen. Wer obdachlos ist hat überhaupt keinen festen Wohnsitz. Die Männer im Vinzenzhaus können hier bis zu zwei Jahre bleiben und werden von Sozialarbeiter_innen und Betreuer_innen beim Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt, Weiterbildungsmaßnahmen, der Wohnungssuchen, der Schuldenregulierung, der Alltagsbewältigung und vor allem der Abstinenz unterstützt.

Alkoholismus trifft viele. 340.000 Österreicher_innen sind manifest alkoholkrank, weitere 735.000 konsumieren Alkohol in einem krankhaften Ausmaß. Damit gehen nicht nur gesundheitliche, sondern auch zahlreiche soziale Probleme einher, die Freundeskreis, Familie und Liebesbeziehungen treffen, Probleme am Arbeitsplatz und im öffentlichen Raum nach sich ziehen und vor allem schnell zu finanziellen Sorgen führen.

Zusätzlich zu den 37 Dauerplätzen gibt es fünf Notquartierplätze und sieben Plätze in betreuten Wohnungen. Die betreuten Wohnungen stellen bereits einen weiteren Schritt in die Selbstständigkeit dar. Für manche Bewohner sind auch dauerhaft betreute Wohnformen besser geeignet. Die Regeln im Haus sind streng. Obwohl Rückfälle bei Alkoholismus üblich sind, herrscht striktes Alkoholverbot. Auch wer getrunken hat, darf das Haus nicht betreten. Der erste Weg beim Nachhausekommen führt zur Kontrolle am Alkomaten.

Jannine erzählt, dass sich das Vinzenzhaus als Schutzraum versteht und von seinen Bewohnern dafür geschätzt wird, die auch selbst auf die Einhaltung der Regeln pochen. Die Erfolge sprechen für sich. 62,5 % der Bewohner, die im letzten Jahr ausgezogen sind, haben eine eigene Wohnung bezogen oder konnten mit Partner_innen zusammenziehen. Deswegen engagieren sich auch viele ehemalige Nutzer des Angebots ehrenamtlich im Haus, übernehmen Portier- oder Kochdienste und helfen im Betrieb mit. Ihre Erfahrungen und der der Austausch sind wichtige Ressourcen – nicht nur für das hauptamtliche Team, sondern vor allem für die Klienten.

„Struktur ist wichtig“, sagt Jannine. „Deswegen haben wir auch zahlreiche Freizeitangebote: Angelausflüge, Grillfeste, Kochgruppen, … helfen dabei, wieder Halt zu finden.“ So ist auch die Mitbestimmung der Männer im Haus zu verstehen. Vierteljährlich finden Hausversammlungen statt, bei denen alle Anliegen diskutiert und abgestimmt werden. Außerdem werden hier ein Haussprecher und sein Stellvertreter gewählt.

Alle Bewohner haben volle Einsicht in ihre Akten und können mit Beschwerden direkt zur Hausleiterin. Diese Transparenz und Teilhabe sind nicht selbstverständlich. Umso stolzer sind die Menschen im Vinzenzhaus darauf.

Warum eigentlich nur Männer? „Nicht nur das“, erklärt Jannine Bachl. „Sie müssen auch über 30 sein. Bei unserer Arbeitsweise ist es wichtig, dass die Klienten auch über eine gewisse Lebenserfahrung verfügen. Und das mit den Männern – naja, das hat bauliche Gründe.“ Die Sanitärräume werden gemeinschaftliche genutzt und von den Bewohnern selbst gereinigt und instandgehalten.

Für Dienste im Haus gibt es das sogenannte therapeutische Taschengeld. Das ist eine geringe Entlohnung, die nicht auf Leistungen wie Mindestsicherung und Ausgleichszulage angerechnet wird. Sogar eine Wäscherei und eine Werkstatt gibt es im Haus – neben der alten Kapelle, die heute für Sesselyoga genutzt wird.

Hier gibt es einen Selbsttest zum eigenen Trinkverhalten zum Ausdrucken und hier noch einen online.

Du willst helfen?

Wenn du auch Lust hast, dich ehrenamtlich einzubringen, egal ob dauerhaft oder einmalig, kannst du dich mit deiner Idee an das Ehrenamtsmanagement der Caritas wenden.

Wer lieber Geld als Zeit spendet, kann das auch:

Erste Bank
BIC: GIBAATWWXXX
IBAN: AT47 2011 1890 8900 0000
Kennwort: Vinzenzhaus

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