Das Weib ist ein Nichts - Mela Hartwig

Das Frauenbild der Zwanziger Jahre

Die österreichische Autorin Mela Hartwig veröffentlichte 1929 beim Wiener Zsolnay Verlag ihren Roman „Das Weib ist ein Nichts“ und löste damit kontroverse Reaktionen aus.

Kontroversen und Aufruhr

„Ein Weib ist ein Nichts, nur durch den Mann kann sie etwas werden…“. Mit diesem Zitat Friedrich Hebbels leitet Mela Hartwig ihren gleichnamigen Roman ein. Nicht nur der Titel, sondern auch der Inhalt ihres Werks erregte Aufmerksamkeit und wurde in Rezensionen kontrovers diskutiert. Hartwig hatte einen Nerv der Zeit getroffen und war ihr ebenso voraus.

Die Frau als Leerstelle

Der Titel des Romans spiegelt sich deutlich in der Handlung wider, die Hartwig gekonnt zugespitzt beschreibt. Protagonistin Bibiana lebt im Laufe des Romans mit vier unterschiedlichen Männern zusammen und nimmt in jeder ihrer Beziehungen eine dem Mann entsprechende Identität an. Der frühe Identitätsverlust zieht sich durch Bibianas Leben, sie kann keine eigene Identität entwickeln und wird zu einer Art Gefäß, das von dem jeweiligen männlichen Partner gefüllt wird. Ein erstes Aufbäumen gegen dieses System endet für Bibiana schließlich fatal.

Feministische Gesellschaftskritik

Hartwig gelingt es, in ihrem Roman patriarchale Gesellschaftsstrukturen zu durchschauen und diese offen zu kritisieren. Bibiana ist als Frau von ihren männlichen Partnern abhängig und auf diese angewiesen. Das war auch die Realität vieler Frauen jener Zeit. Hartwigs Werk zeigt zudem, dass sich Frauen auch abseits des politischen Feldes für Gleichberechtigung einsetzten und ihre Unterstützung und Kritik äußerten. Hartwig nützte als Autorin ihre Romane, um ihre Stimme zu erheben. Frauen wie sie trugen somit maßgeblich dazu bei, das Thema Frauenrechte in die Öffentlichkeit zu tragen.

Der Weg nach Hollywood?

Metro-Goldwyn-Mayer interessierte sich für die Filmrechte an Hartwigs Roman, Schauspielgrößen wie Greta Garbo wurden für die Hauptrolle angedacht. Die Verhandlungen mit Hartwig und Zsolnay liefen, jedoch sollten massive inhaltliche Änderungen vorgenommen werden, die die kritische Grundaussage des Romans deutlich schmälerten. Die anfangs enthusiastischen Verhandlungen verliefen schließlich ergebnislos. Durch die Machtzunahme der Nationalsozialisten wandte sich Zsolnay von Hartwig ab, die sich vergeblich darum bemühte, weiter bei dem Verlag zu publizieren.

Flucht ins Exil

Hartwig selbst war 1938 als Jüdin gezwungen, mit ihrem Mann Österreich zu verlassen. Sie fanden Exil in England, wo sie bis zu ihrem Tod lebten. Als Autorin geriet Hartwig jedoch in Vergessenheit. 2002 entschied sich der Grazer Literaturverlag Droschl dazu, den Roman erneut aufzulegen und verhalf Mela Hartwigs Werk so zu einer späten, erneuten Anerkennung. „Das Weib ist ein Nichts“ ist ein Roman, der eine frühe literarische Auseinandersetzung mit dem Thema Gleichberechtigung aufzeigt und deshalb auch heute noch absolut lesenswert ist.

Alles auf einen Blick

Das Weib ist ein Nichts
Mela Hartwig
Literaturverlag Droschl

Roman
192 Seiten, gebunden
19,- Euro
Bild Cover Das Das Weib ist ein Nichts (c) Literaturverlag Droschl

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