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Strudel aufgeschnitten (c) stadtbekannt.at
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Hausfrauen reloaded

2. August 2013 • Lifestyle

Backen, Nähen, Stricken, …

Seit einiger Zeit lässt sich ein erstaunlicher Trend beobachten: Allenorts wird gebacken, Marmelade eingekocht, gegärtnert, gestrickt und genäht. Qualitäten, die bis vor einigen Jahren ein etwas verstaubtes Image hatten und nur Hausfrauen zugeschrieben wurden, erleben nun eine Renaissance.

 

Tradition mit mehreren Gesichtern

Traditionelle Haus- und Handarbeiten wie Backen, Nähen, Stricken und Gartenarbeiten waren ja lange Zeit als uninteressant eingestuft. Warum haftet ihnen aber eigentlich ein so negatives Image an? Häusliche Arbeitsteilung und die damit zusammenhängenden asymmetrische Geschlechterverhältnisse liefern vermutlich den Grund für die schlechte Stellung solcher Arbeiten.

Im Zuge der Diskussion um die Neuordnung der Geschlechterverhältnisse ab den 1960/70er Jahren, standen traditionelle Tätigkeiten wie Kochen, Backen, Nähen, etc. , die eine Hausfrau in der Regel ausübte, vor allem für die junge Generation in schlechtem Licht. Die sich damals verändernde Wahrnehmung von Frauen und von Frauenarbeit, insbesondere der Hausarbeit, führten dazu, dass auch traditionellen Hausfrauenarbeiten der Verstaubung in der öffentlichen Wahrnehmung anheim fielen. Einerseits also vom negativen Image belastet, sind diese „Hausfrauenarbeiten“ auch heute noch meist nur unter großem Stress und Doppelbelastung zu bewältigen.

 

Gewandeltes Image

Das Bild, dass heute nur mehr liebe Omas Marmelade selber machen, Kleidchen nähen und sowieso am besten kochen können, muss mittlerweile revidiert werden. Eine neue, und vor allem junge, Generation verhalf den erwähnten „hausfraulichen Tätigkeiten“ wieder zu einem neuen coolen Image – der Kontext der Arbeiten bzw. Produkte ist allerdings meist ein anderer.

Gartenarbeit wurde beispielsweise durch das Guerillla Gardening ihres provinziellen Status beraubt, auch Schals und Mützen stricken ist in Zeiten des Schlauchschals wieder total in, auf dawanda.de kann jede/r Hobbyschneider/in anschließend die selbstgeschneiderten Klamotten verkaufen und, und, und. Interessanterweise sind es hauptsächlich junge und hippe Leute, die mit jenen „hausfraulichen Tätigkeiten“ diverse Nischenprojekte starten und mit dem Etikett des Underground wieder en vogue machen.

 

Zurück zum Ursprung

Warum ein solches Revival überhaupt stattfand, ist schwer zu sagen. Für den Vorgang, der fast unbemerkt vonstatten ging, sind vermutlich verschiedene Punkte maßgeblich verantwortlich, unter anderem der oben genannte.

Die vor ein paar Jahren einsetzende Bio-Welle führte beispielsweise zu einer Besinnung auf „gute Lebensmittel“ – immer stärker wird Wert darauf gelegt, zu wissen, was in den Produkten enthalten ist und woher sie kommen. Die sogenannten „Bio-Produkte“ in den Geschäften sind in der Regel aber recht teuer – dann kann man es auch gleich selber machen.

Ein weiterer Punkt ist sicherlich der Aspekt der Entschleunigung, mit dem versucht wird der Hektik der heutigen Zeit entgegenzusteuern. Als bekannteste Gegenbewegung zum Trend des uniformen, globalisierten und genussfreien Fast Food, sei hier die „Slow food“-Bewegung erwähnt. Mehr Lebensqualität durch das Herstellen und Konsumieren der handgefertigten Produkte ist das erhoffte Ziel.

Außerdem erwähnt sei die Do it yourself – Bewegung. Jeder, der will, kann ausprobieren, lernen und die Resultate als Anleitung für andere veröffentlichen, wie die unzähligen Foodblogs zeigen.

Man darf gespannt sein, welche „Hausfrauen-Aktivität“ als nächstes reaktiviert wird – vor allem, wenn die Resultate dann so interessant sind, wie die oben genannten Beispiele. (BP)

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