Kultur – Film / TV

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TV-Tipps vom 6.7. bis zum 12.7.

5. Juli 2011 • Film / TV

Stadtbekannt hat für euch das TV-Programm studiert und die Filmtipps für diese Woche gesammelt.

Mittwoch, 6. Juli

22:10 Uhr Kabel 1

Pans Labyrinth

Es ist eine grausame und verstörende Welt in der die kleine Ofelia mit ihrer Mutter Carmen lebt. Mitten im spanischen Bürgerkrieg ziehen die beiden im Haus von Carmens neuem Ehemann, dem faschistischen Hauptmann Vidal, ein. Dieser tut sich vor allem mit gnadenloser Brutalität gegen die umherschweifenden Partisanen hervor. Vor dieser Schreckenswelt und der Ablehnung durch ihren Stiefvater flüchtet sich Ofelia in ein geheimes Labyrinth, in dem eine fantastische, jedoch nicht minder furchtbare, Umgebung auf sie wartet.

Guillermo del Toro schuf mit „Pans Labyrinth“ ein bildgewaltiges und visuell herausforderndes Fantasydrama, in dem Sein- und Scheinwelt gleichermaßen in bedrückende Finsterkeit getaucht sind. In der düsteren Bildinszenierung erinnert es an Arbeiten des spanischen Romantikers Francisco Goya, der mit seinen Schwarzen Bildern, insbesondere dem seinen Sohn verschlingenden Saturn, nachhaltig stilbildenden Einfluss ausübte.
Optische und erzählerische Anleihen nahm del Toro auch unverkennbar am amerikanischen 1980er Fantasy-Abenteuer Labyrinth, wenngleich er auch dessen kindgerechten Tenor eine ebenso brutale wie verstörende Story und Inszenierung gegenüber stellt.

Die spanischen Zuschauer wussten diese Melange des Mitschauerns und Mitleidens durchaus zu schätzen und machten Pans Labyrinth zum bisher erfolgreichsten einheimischen Film überhaupt.

Donnerstag, 7. Juli

22:15 Uhr PULS4

Models

Vivian, Lisa und Tanja sind Models. Sie funktionieren wie es das Business von ihnen verlangt –  immer hübsch, immer gehorsam, immer griffbereit. In einer ganzen Welt der Oberflächlichkeit stilisieren sie ihre eigene bis zum Exzess. Zwischen Partys, Koks und Castings tragen sie ihr Fleisch auf den Markt der Makellosigkeit.

Es sind diese ebenso naturalistischen wie verstörenden Sozialstudien mit denen Ulrich Seidl seinen Ruf, als einer der schonungslosesten und kontroversesten Regisseure des Landes, begründete. Seine Models sind keine unerreichbaren Wunderwesen, sondern Frauen die zwischen Selbstzweifeln und Überheblichkeit oszillierend, in die Mühlen einer Maschinerie geraten, die sie ebenso achtlos durchkaut wie schlussendlich ausspuckt.

Freitag, 8. Juli

20:15 Uhr Pro7

München

Die Bilder gingen um die Welt als im Sommer 1972 palästinensische Terroristen während der Olympischen Spiele in München elf israelische Sportler als Geiseln nahmen und zwei davon gleich ermordeten. Bei der anschließenden Befreiungsaktion starben alle weiteren Geiseln, fünf Terroristen und ein deutscher Polizist. Als Antwort darauf bildete der israelische Geheimdienst Mossad eine Sondereinheit, die anschließend die restlichen Attentäter und ihre Hintermänner töten sollte.

Steven Spielberg beschäftigt sich in seinem Drama mit einem besonders schwarzen Kapitel in der konfliktreichen Geschichte zwischen Israelis und Palästinensern und eröffnet damit noch eine weitere Ebene der Auseinandersetzung mit Gewalt, Gegengewalt und Moral innerhalb eines gnadenlosen Kampfes.

Kritiker bemängelten die unzureichende Betonung, dass es sich in Spielbergs Bearbeitung der Thematik um ein fiktionales Werk und keine historisch authentische Beschreibung der tatsächlichen Ereignisse handelt. Auch kam von beiden Seiten, sowohl Israelis als auch Palästinensern, der Vorwurf des Chauvinismus und der negativen Darstellung der jeweils eigenen Gruppe. Ein Film also der polarisiert und der in seiner Konfliktbeladenheit niemanden kalt lässt.


Samstag, 9. Juli

2:05 Uhr, ATV

Rambo

Ein abgehalfterter und seelisch gebrochener Vietnam-Veteran kommt in eine amerikanische Kleinstadt irgendwo in der Pampa an. Dem örtlichen Sheriff missfällt die abgerissene Gestalt, weswegen er ihn zuerst der Stadt verweist und anschließend ins Gefängnis wirft. Eingesperrt und gedemütigt brechen bei Rambo die Traumata der Kriegsgefangenschaft wieder auf und er flüchtet aus dem Knast. Es beginnt eine gnadenlose Verfolgungsjagd bei der sich die Jäger bald in der Rolle der Gejagten wieder finden.

Er ist der Inbegriff der machistischen Hau-Drauf- und Schieß-Weg-Kultur. John Rambo, verkörpert von Schauspiel-Simplicissimus Sylvester Stallone, genießt keinen besonders guten Ruf. Teils zu Unrecht. Sind es doch die folgenden Teile der Saga, in denen der Mann, der keine Miene verziehen muss um nichts zu sagen, seine menschenverachtenden und patriotisch-faschistischen Suadae loswerden konnte.

Der Rambo des ersten Teiles (basierend auf dem Roman First Blood) jedoch ist vor allem ein entwurzelter, traumatisierter Kriegsverlierer, der aus Vietnam nicht mehr losgekommen und in den USA nie angekommen ist. Einer den niemand mehr will, weil er einen Krieg verloren hat, den am Schluss auch niemand mehr wollte. Denn Verlierer will nun einmal keiner haben. Er ist ein Taxi Driver, der sich wieder in den Dschungel schlägt um dort, in gewohnter Umgebung mit der Welt da draußen, die ihn ablehnt, abzurechnen. Absurde Untertöne (Vietnamkriegsgegner sind Schuld an seinem Rachefeldzug) sind dabei einmal geflissentlich zu übergehen und es gilt zu erkennen: Sozialkritik kommt manchmal auch mit dem Dampfhammer daher.

Sonntag, 10. Juli

18:30 Uhr Kabel1

American Pie

Jim, Oz, Kevin und Paul sind 18 Jahre alt und unauffällige Schüler an der örtlichen High School in East Great Falls. Vor allem aber sind die Vier noch unberührt. Damit sich das so schnell wie möglich ändert schmieden sie einen Pakt bis zum Abschlussball, der in ein paar Wochen stattfinden soll, ihre Jungfräulichkeit zu verlieren.

Es gibt mit Sicherheit hunderte Filme darüber, es zum ersten Mal zu tun. So wie es in der Realität die pubertäre Gedankenwelt vieler Jugendlicher dominiert (Wer hat noch nicht? Wer will noch mal?), so ist es natürlich auf der Leinwand ein ebenso großes Thema. Trotzdem erreichte wohl fast keiner dieser Filme (naja, vielleicht La Boum) einen solchen Einfluss auf das gesamte Genre zurückblickend. American Pie war so etwas wie die Initialzündung für eine ganze Lawine an mehr oder minder üblen Machwerken und zog auch eine Reihe von Fortsetzungen nach sich, die in ihrer Tendenz eine klare Richtung aufweisen.

Trotzdem kann es immer mal wieder die Laune heben an der Absurdität und den „alltäglichen“ Problemen im Leben eines „ganz normalen“ US-Jugendlichen Teil zu haben. Wer jedoch den fünften Band der Gesamtausgabe von Rainer Maria Rilke dafür nicht aus der Hand legen will, wird wohl auch keine Zeit haben dagegen zu protestieren.

Montag, 11. Juli

20:15 Uhr ARTE

Im Zeichen des Bösen

Auf seiner Hochzeitsreise, kurz hinter der Grenze der USA, sieht der mexikanische Polizist Miguel Vargas wie ein Auto von einer Bombe hochgejagt wird. Kurzentschlossen mischt er sich in die Ermittlungen des korrupten US-Polizisten Quinlan ein. Dieser fälscht Beweise und wirft Vargas’ Frau Susan Drogenkonsum und gar Mord vor. Als Quinlans langjähriger Mitarbeiter Menzies endlich die Wahrheit erkennt, hilft er Vargas dabei seinen Boss zu überführen. Ein mörderischer Kampf entspinnt sich.

Falco soll angeblich geweint haben als er hörte, dass er mit Rock me Amadeus auf der Nummer Eins der US-Charts steht. Stellt euch vor ihr seid 33 Jahre alt und habt euren größten Erfolg auch schon hinter euch. Wahrscheinlich wisst ihr es nicht, aber vielleicht gibt es da eine gewisse Ahnung. Orson Welles ging es so. Bereits mit 26 Jahren schuf er einen der bekanntesten und einflussreichsten Filme der Geschichte, Citizen Kane. Seine anschließenden Filme als Regisseur ernteten vor allem Spott und Misserfolg. Mit Im Zeichen des Bösen schaffte er es noch einmal sein großes Können sowohl als Regisseur als auch als Darsteller zu zeigen und erhielt zumindest von Kritikerseite viel Lob.

Dienstag, 12. Juli

20:15 Uhr ARTE

Nikita

Eine drogensüchtige junge Frau wird nach einem Raubmord in einer Apotheke festgenommen und zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Um ihrem Schicksal doch noch zu entfliehen, bekommt sie das Angebot ihre nun nicht mehr ganz so bürgerliche Existenz aufzugeben und als Auftragskillerin in den Dienst des Staates zu treten. Während sie nun also ein scheinbar unauffälliges Leben führt, ermordet sie einen Feind nach dem anderen. Als sie aber private Gefühle und berufliche Pflicht vermischt kommt es zur Katastrophe.

Es ist pure Gewalt in ansprechender Ästhetik, die Regisseur Luc Besson in Nikita inszeniert. Als eiskalte Killermaschine mordet sich Nikita durch die Welt, beginnt ihre Rolle jedoch alsbald in Frage zu stellen. Etwas ausgespart in der Kritik wird jedoch leider die Funktion des Gesamtsystems, das sich unter Ausnutzung der eingespannten Individuen jeder direkter Verantwortung entledigt.
Auch schon damals mit dabei war, wie zumeist in Bessons Filmen, Haberer Jean Reno.

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