Lifestyle – Im Gespräch

monochrom

Im Gespräch mit Günther Friesinger

15. Juli 2010 • Im Gespräch, Kultur

Die Künstlergruppe monochrom treibt nun schon seit 17 Jahren ihr Unwesen in der österreichischen und internationalen Kunst- und Kulturlandschaft. Gegründet wurde monochrom von einer Gruppe junger Querdenker, die anfangs ein Fanzine produzierte und bis heute die Buch- und Magazinreihe monochrom herausgibt. Mit den Jahren wuchs das Betätigungsfeld von monochrom mit jedem Projekt. Neben der Zeitschrift sind die Organisation von Ausstellungen und Festivals wie beispielsweise Roboexotica , die Produktion eines Musicals wie Udo 77 oder auch die Teilnahme an Tagungen wie die Arse Elektronica in San Francisco wichtig. Die Mitglieder von monochrom bewegen sich alle an den verschiedensten Schnittstellen zwischen Kunst, Wissenschaft und Journalismus, die Einflüsse aus den verschiedenen Bereichen machen monochrom zu dem was es ist: eine „Kunst-, Theorie- und Bastelneigungsgruppe“, wie sie sich selbst beschreiben. Die Interdisziplinarität ist das was monochrom als Künstlergruppe weiter bringt, wie Günther Friesinger im Gespräch meint. „Weil bei uns die unterschiedlichen Einflüsse zusammenwirken, wir setzen uns nicht hin und denken uns wir machen jetzt „Kunst“ sondern wir machen Projekte, die dann Kunst werden.“ Ständige Mitglieder des Künstlerkonglomerats sind: Franz Ablinger, Daniel Fabry, Günther Friesinger, Evelyn Fürlinger, Roland Gratzer, Johannes Grenzfurthner, Harald List, Anika Kronberger, Frank Apunkt Schneider. 

Stadtbekannt berichtete schon über das Projekt Hackbus beim Festival der Bezirke. Diesmal haben wir für euch mit Günther Friesinger, einem der Mitglieder von monochrom über ihre aktuellen und vergangene Projekte gesprochen.

monochrom gibt es nun seit 17 Jahren, wie ist euer Projekt damals entstanden?

Die Idee kam damals von Johannes Grenzfurther, der war damals 17 Jahre alt.  Der Johannes hat damals einen Aufruf über das so genannte FidoNetz gestartet, das war ein Vorläufer des Internets. Das gab es ja damals noch nicht. Da hat sich dann der Franky Ablinger gemeldet und so nach und nach sind immer mehr dazu gekommen. Wobei man muss dazusagen, dass es da wesentlich mehr Beteiligte gibt als Mitglieder. Wir schreiben die Texte ja nicht alle selber sondern wir sammeln das. Pro Ausgabe arbeiten sicher 40ig bis 50ig Leute mit, die mal einen Artikel schreiben den wir dann layouten und gestalten. Es ist jeder eingeladen einen Beitrag zu liefern, egal ob das eine Rezension einer Uhrzeit wie 24 Uhr ist oder ein philosophischer Essay, das ist auch erwünscht. Es muss uns halt gefallen und es muss leiwand sein. Und es sollte  halt irgendwas mit digitaler Kultur, Science Fiction oder Technologie zu tun haben. Die letzte Ausgabe kam 2010 heraus, welche ein Monolith ist und 500 Seiten hat, das ist angehäufter Wahnsinn aus den letzten 4 Jahren. 

Was ist das Konzept von monochrom? 

Wir haben damals kein Konzept entwickelt sondern monochrom  ist mit der Zeit gewachsen. Am Anfang war nur die Idee da, ein Fanzine herauszubringen, aus dem heraus hat sich dann vieles andere ergeben. Irgendwann hat man dann angefangen Performances zu machen. In der Frühzeit des Internet haben wir einen Roboter gemacht, den man über das Internet steuern konnte und so sind wir in die Kunstszene hineingewachsen. Unsere erste Ausstellung war 1998 in der Secession. Mit dem bitteren Beigeschmack, dass die damals dort kein Internet hatten und der kleine Roboter ist damals in der Ecke gestanden und die BesucherInnen sind damals hingegangen und haben gesagt: „Eh sehr interessant“, aber es hat halt damals noch nicht so funktioniert wie wir uns das gewünscht haben. 

Wie hat sich monochrom in den letzten Jahren verändert? 

Das Grundkonzept von monochrom heute ist es, Geschichten zu erzählen, Themen zu bearbeiten und für jedes Thema das richtige Medium zu wählen, das heißt: wenn du eine Geschichte erzählen willst ist sie manchmal ausdrückbar in einem Bild, manchmal ist sie ausdrückbar in einem Musical,, manchmal ist es ein Theaterstück, eine Ausstellung oder eine Konferenz wie die Arse Elektronica in San Francisco (seit 2007) über Pornografie, Technologie und Science Fiction und manchmal ist es eine Performance im öffentlichen Raum. 

Ihr habt ziemlich schnell ziemlich viel gemacht, aber von eurem Background her seid ihr nicht alle ausgebildete Künstler, sondern ihr seid zum Teil durch eure Arbeit zu Künstlern geworden? 

Ja, wir selbst sagen ja fast nie, dass wir Künstler sind. Es gibt so eine Definition die vielleicht auf uns zutrifft. Kunst-, Theorie- und Bastelneigungsgruppe, das ist so eine Selbstbeschreibung die auch auf unserer Webseite steht. Aber wahrscheinlich ist das, was wir machen, Kunst. Das ist so wie mit dem Intellektuellen, also man kann nicht von sich selbst sagen, dass man intellektuell ist, sondern das muss jemand anderer sagen und so ist das in der Kunst auch. Es stimmt schon, jeder von uns hat einen eigenen Zugang zur Kunst, kommt aus einer eigenen Richtung. Die wenigsten haben im eigentlichen Sinne eine Kunstausbildung gemacht. Also ich selbst komm aus der Musik, hab Posaune und Komposition und danach Philosophie und Kommunikationswissenschaften studiert. Das hat mit dem was wir jetzt machen kaum etwas zu tun.. Dann gibt es den Johannes der kommt auch aus der Philosophie und Kommunikationswissenschaften,,  Evelyn hat Germanistik studiert. Der Harald ist Programmierer, der Franky ist Elektrotechniker und hat interessanterweise in seiner Pension angefangen digitale Kunst an der Angewandten zu studieren. 

Habt ihr als Künstlergruppe ein Ziel vor Augen, oder ist das gar keine Kategorie für euch? 

Das wichtigste ist Spaß haben. Das zweite ist, dass man nicht mehr in Projekte hineinzahlt. Also jeder von uns hat einen Job , aber wir  müssen jetzt keinen Privatkredit mehr aufnehmen um ein Projekt realisieren zu können. Mittlerweile funktioniert das auch mit den Förderungen halbwegs und  es gibt auch Honorare für Auftritte, das war halt früher vor 15 Jahren nicht so. Da hast du nichts bekommen wenn du im Flex aufgetreten bist und mittlerweile gibt es  Gagen dafür und damit schaffen wir es das Ding am laufen zu halten. Das heißt, wir können die Projekte finanzieren, wir können die Publikationen finanzieren, wir können das Büro finanzieren und es kommt ein bisschen was für uns  heraus die dabei sind. Aber nicht so, dass man davon leben könnte . Das Fernziel ist natürlich, dass man davon leben kann, nur monochrom zu machen. 

Kannst Du unseren LeserInnen das Konzept des paraflows Festivals für digitale Kunst und Kulturen etwas näher bringen? 

paraflows ist ein Festival für digitale Kunst und Kultur. Das ist 2006 entstanden, ist kein monochrom-Projekt sondern wir waren anfangs der Trägerverein, der das abgewickelt hat. Seit 2008 ist paraflows  ein eigener Verein, und es gibt einige  personelle Überschneidungen.  monochrom-. paraflows ist ein Festival, das versucht, die lokale Szene der im Bereich digitale Kunst und Kultur, Hacking, Gaming-Kultur, Robotik, Netzkultur, Datenschutz tätigen KünstlerInnen sichtbar zu machen. Das Metading ist das Festival, das gliedert sich in eine Ausstellung, die an unterschiedlichen Orten stattfindet, ein Symposium, Workshops und verschieden Social Events Es wurden in den letzten Jahren die unterschiedlichsten Themen, die immer etwas mit Raum zu tun hatten bearbeitet, wie 2006 the nets beyond the net , 2007 UN SPACE , 2008 Utopia und 2009 Urban Hacking. Für Urban Hacking haben wir eine eigene Ausstellungs- und Containerstruktur am Karlsplatz gebaut. Auch als Botschaft , das wir in den ganzen Museumsdebatten die es gibt, keine Rolle spielen. Es gibt keine einzige Sammlung für Medienkunst in Wien. Wir haben uns gedacht wir wollen ein Statement setzen, um digitale Kunst in die Öffentlichkeit zu rücken. 

Eine eurer Publikationen heißt „Urban Hacking“, und ist ein Ergebnis des Festival für digitale Kunst und Kulturen was verstehst du unter urban hacking? 

Urban Hacking war für uns ein darüber nachdenken, wie geht denn eine neue Kunstform, die gerade entsteht, mit dem öffentlichen Raum um? Es gibt zwar den Förderbereich Kunst im öffentlichen Raum, der aber aus meiner Sicht extrem unglücklich agiert. Es wird nur Kunst im öffentlichen Raum gefördert von der die KÖR sagt: es ist Kunst. Neue Kunstformen werden von KÖR nicht wahrgenommen und gefördert. Das ist genau das was wir versuchen sichtbar zu machen, nämlich, dass gerade in dem Bereich der digitalen Kunst extrem viel passiert.. Der Karlsplatz zum Beispiel ist  extrem überwacht ist, wir haben dort Interventionen gemacht. Es wurde versucht diese  Überwachung aufzubrechen und zu hinterfragen. Es gab da eine schöne Arbeit von Roch Forowitcz, der die Überwachungskameras in der U-Bahn gehackt hat und die Überwachungsvideos  in den Ausstellungsräumen am Karlsplatz übertragen hat um die Überwachung sichtbar gemacht hat. 

Was steht hinter dem Konzept MIND AND MATTER, welches ja für das paraflows Festival im September das Motto ist? 

Die letzten vier paraflows Festivals haben sich ja um das Raumthema gedreht. Für 2010 möchten wir neues Themenfeld aufmachen, und zwar Mensch, Geist und Materie. Wir wollen über Vergänglichkeit nachdenken und über Speicherung und Archivierung.,  Das sind alles Themen die in der Medienkunst drinnen sind, weil bestimmte Projekte nur mit der richtigen Hardware laufen können. z.B. mit einem Röhrenfernseher, der als Träger für bestimmte Effekte genutzt wurde. 

Wo wird das Festival 2010 stattfinden? 

Die Ausstellung wird im Künstlerhaus sein, die Eröffnung ist am 09.09.2010, sie läuft vom 10.09.2010 bis zum 10.10.2010. Das Symposium wird im Museumsquartier im Raum D stattfinden und findet vom 10.09 – 12.09 statt. Es werden zusätzlich Performances, Abendveranstaltungen, Konzerte stattfinden, das komplette Programm  wird es Ende des Sommers geben. 

Wie ist das Konzept mit dem Hackbus verknüpft? 

Das Thema Hacking ist für mich schon seit langer Zeit ein Thema. Ich hab mich dann 2009 mit David Dempsey und  Johannes Grenzfurther getroffen und ganz am Anfang stand die Idee das Daddy D ein Wohnmobil wollte mit dem er herum fährt. Im Gespräch hat sich dann schnell herausgestellt, dass wir da ein Projekt daraus machen sollten. Uns war ziemlich früh klar, dass wir ein mobiles Labor bauen wollten mit dem wir einen kreativen Umgang mit Hard- und Software – mit Technologie im Allgemeinen aber auch mit Raum vermitteln  wollten. Ein bisschen später kam mir dann die Idee das Projekt dann Hackbus zu nennen. Die Idee dahinter ist auch – Hacken ist schlecht beleumdet. Es gibt das Vorurteil, dass man ein guter Programmierer ist und in ein Datennetzwerk einsteigt kann  um irgendwas Böses damit anzustellt. Es gibt natürlich unterschiedliche Typen von Hackern. Es gibt einerseits die Hacker die wissen welche Softwarefehler es gibt und was man da machen kann, das aber nur aufzeigen. Es gibt aber natürlich die "bösen Hacker" die Webseiten und auch anderes hacken. Hacken ist für uns aber etwas positiv besetztes, und das wollen wir damit auch zeigen. 

Hacken ist ein positives „aufbrechen“, nämlich: was kannst du mit Dingen tun? Wir möchten zeigen, wie man einfach Dinge hacken kann. Wir wollen den Menschen  zeigen wie sich selbst ermächtigen können um  selber Medienproduzenten zu werden. Wir wollen ihnen zeigen: Wie kannst du ein Video aufnehmen, einen Film schneiden, wie kannst du ein Interview machen und auf eine Internetseite stellen und selber über etwas berichten. 

Wie sieht es mit der jungen netzaffinen Generation aus, die selbst auf YouTube Videos und Filme stellt? 

Das stimmt, wenn Du dir die Eliten rausholst. Das kommt auf die soziale Schicht an. Es gibt extrem viele bildungsferne Schichten, und das sage ich, weil ich selbst aus einer bildungsfernen Schicht komme. Ich komme aus einer Arbeiterfamilie die einen derartigen Zugang nicht hat. Nicht nur durch das Hackbusprojekt wo wir mit vielen Leuten auf der Straße geredet haben, sondern auch über andere Projekte bin ich mit Menschen  zusammen gekommen, die aus sozial benachteiligen Schichten kommen oder die einen migrantischen Hintergrund haben. Da gibt es Leute die super drauf sind, aber leider ist es auch so, dass wir ein 1/3 aller Jugendlichen hier in Wien haben, die nicht die Schule abschließen. Und da muss man auch ansetzen und diesen Menschen  zeigen, dass es auch andere Möglichkeiten gibt sich selbst zu ermächtigen und Dinge kennen zu lernen. Sich zu interessieren, Dinge auszuprobieren. Es geht darum dass diesen Jugendlichen  Möglichkeiten eröffnet werden. 

Um diese Leute zu erreichen, muss man seine Idee so hinunter brechen, dass die Botschaft auch die Menschen  erreicht. Es hat keinen Sinn Projekte extrem hochgestochen umzusetzen. Es macht schon Spaß das manchmal so zu machen, aber da ist man in einem wirklich elitären Zirkel und man darf nicht vergessen, dass man nicht von sich auf andere schließt. Genau da versuchen wir mit dem Hackbus anzusetzen. Einfach direkt auf der Straße zu sein und Workshops  ganz einfach zu machen, mit den Menschen  direkt in Kontakt zu kommen und sich inspirieren zu lassen und zu schauen wie kann man das Thema weiter spinnen. Vor kurzem haben wir z.B. eine Workshop Idee entwickelt für Herbst, nämlich zum Thema Siebdruck. Wie kannst Du Dir selber so etwas bauen, mit einfachen Mitteln und was kannst Du damit machen und wie kannst du damit vielleicht selbst Kreativität ausleben? 

Wie ist das mit dem Framing „Festival der Bezirke“ habt ihr euch aktiv darum bemüht an dem Festival teil zunehmen oder sind die auf euch zugekommen?

Wir haben gehört dass sie eine Ausschreibung machen und wir haben uns dann dafür im Rahmen der Ausschreibung beworben. Denn die Idee des Hackbus war immer auf die Straße zu gehen und auf Leute zuzugehen. Für uns ist das auch eine unglaubliche Chance bei dem Festival der Bezirke  dabei zu sein. Denn das ist das erste Mal dass wir auf der Straße sind mit dem Bus, dass wir ausprobieren können: Was funktioniert und wird angenommen? Wie könnten die Workshops ausschauen? Wie lange können die sein? Wo kann man adaptieren? Wo kann man Erweiterungen suchen? 

Wo kann man sich Ideen von den Leuten abholen, weil die ja auch Ideen an uns herantragen. Wie z.B. die Sache mit dem Siebdruck, obwohl ich diese Idee schon länger hatte, wobei ich mir gedacht habe: digitale Kultur, ich weiß nicht so recht? Die Freundin vom Roland Gratzer, Sarah hat Kunst in Linz studiert und  macht auch Siebdruck. Dann hat mich jemand auf der Straße angesprochen wegen T-Shirts bedrucken und ich dachte mir, das wäre es doch! Das Projekt ist aber erst in der Entwicklungsphase. Und wir sind jetzt am überlegen und haben mal mit Sarah drei Workshop Sets entwickelt. Ein kurzer Workshop, wo schon alles vorbereitet ist und die Leute können sich ihr T-Shirt selber bedrucken und mitnehmen. Das zweite ist ein längerer Workshop über zwei Stunden wo man dann auch sieht wie man das alles produzieren kann und ein dritter, der dauert dann fünf bis sechs Stunden, wo die Teilnehmer  dann selber Rahmen bauen und Siebe, wofür sich die TeilnehmerInnen dann extra anmelden. Zurzeit ist es ja so, dass wir bei unserem Projekt auf Leute zugehen und sie abholen, aber die bleiben dann halt nicht lange, so 20 Minuten bis eine halbe Stunde, das heißt man kann da auch nicht viel Programm durchziehen.

Interview & Text: Cornelia Dlabaja          Abbildung: © monochrom

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