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DVD-Tipp: Submarine

21. März 2013 • Film / TV

Würde Oliver Tate (Craig Roberts) Facebook verwenden, würde er einen Algorithmus berechnen, um auf dessen Grundlage seine virtuelle Präsenz durch Likes und Comments zu steuern. Oliver Tate strukturiert, und er plant. Erstens, bald eine Freundin zu haben. Und zweitens, bald entjungfert zu werden. Drittens will er auch noch das Liebesleben seiner Eltern reparieren. Die ersten beiden Pläne stehen und fallen mit Jordana (Yasmin Paige), die dem 15jährigen an Merkwürdigkeit das Wasser reichen kann. Die hat er sich ausgesucht, weil sie recht unbeliebt ist; nur deswegen rechnet er sich Chancen aus. Denn Oliver Tate liest Bücher wie ‚Die Flunder‘ und überwacht das Liebesleben seiner Eltern mit einem ausgeklügelten Monitoring-System des Dimmers. Mit anderen Worten, Oliver Tate ist nur bedingt der Lässigste, aber unbedingt der interessanteste Schüler seines zum alles entscheidenden Kriegsgebiet hochstilisierten Schulhofs.

Oliver Tate’s Opportunismus gibt ihm Oberwasser, bis auf zuhause, da ist sein depressiver Vater, und seine Mutter, die im Inbegriff ist, den traurigen Meeresbiologen für einen Esoterik-Guru zu verlassen. Der Vater nimmt das alles im Bademantel, schweigend; auf Olivers Frage, wie sich es sich anfühlt, er zu sein, sagt er, wie ein Unterwasserboot. Der Planungslastigkeit sei Dank kann Oliver das von seinem eigenen Leben zunächst abwenden, das Gefühl, am Boden des Meeres zu sein. Die Liebe zu Ordnung und Struktur übernimmt der Film von seinem Hauptcharakter: eine Retro-Schreibmaschine tippt die Titel der Kapitel, die uns durch den Roman ‚Submarine‘ führen.

In seiner Beziehung zu Jordana bleibt es sehr vorhersehbarerweise nicht bei dieser Kosten-Nutzen-Rechnung; die beiden beginnen, sich wirklich zu mögen. Bis Jordanas Mutter todkrank wird, und die Ehe seiner Eltern wirklich baden zu gehen droht. Dieses Drama plus das fortschreitende Wegdriften von Olivers Mutter in die Arme eines seltsamen anderen Mannes ist zu viel für den fragilen Bund der beiden Hobby-Pyromanen.

Zunächst ist ‚Submarine‘ lustig in der gnadenlosen Überzeichnung, die zunehmend zu einer Karikatur mutiert. Die Stimmungen und Bilder, die der britische Regisseur Richard Ayoade entstehen lässt, sind dennoch sehr gelungen. Stimmungen sind dessen täglich Brot; Ayoade ist Komiker und hat Musikvideos für Bands wie die Arctic Monkeys gedreht, die auch den Soundtrack bespielen. Bei ‚Submarine‘ ist die Komik mitunter ein bisschen übers Ziel hinausgeschossen, während das Skript versucht, ein Coming-of-Age-Film mit Tiefgang zu bleiben.

Es lohnt sich, Submarine in der Originalfassung anzusehen, aber Subtitel werden wärmstens empfohlen. Ohne denen ist es ein Ding der Unmöglichkeit, die melodische, aber schwer verständliche Sprache in Echtzeit zu entschlüsseln.

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