Umarmung (c) STADTBEKANNT

21. Jänner ist Weltkuscheltag!

Anfang der 70er stellte der US-Amerikanische Pfarrer Kevin Zaborney eine scharfsinnige Gesellschaftsdiagnose. Der moderne Mensch leide an Berührungslosigkeit. Das Mittel zur Genese, so der Pfarrer sei so banal wie effektiv: die Umarmung. Als Erinnerung daran, rief er zu einem Festtag auf, der heute unter dem sogenannten Weltkuscheltag Einzug in die Kalendarien fand.

Die Sehnsucht nach Nähe

Was im ersten Moment nach Gedenktags-Kitsch klingt, beleuchtet ein scheinbar vernachlässigtes Grundbedürfnis. Tatsächlich bestätigen Studien den Eindruck des Pfarrers. Im digitalen Zeitalter scheint menschlicher Kontakt zunehmend in der virtuellen Welt zu verharren. Der Anteil der Single Haushalte hat sich in Wien seit den 80ern nahezu verdoppelt und auch im Alltag berühren sich Menschen immer seltener.

Gleichzeitig ist das Bedürfnis nach körperlicher Nähe groß. Laut einer Umfrage der Hochschule Hannover sehnt sich jeder zweite mehr nach Kuscheln als nach Sex. Schon bei einer kurzen Umarmung schüttet der Körper das Hormon Oxytocin aus, das gegen Stress wirkt und den Blutdruck senkt. Körperliche Zuneigung hilft auch bei Depressionen oder Angststörungen – wie kein anderer Sinn ist der Tastsinn mit unserer Psyche verbunden.

Lebenswichtige Zuneigung

Für Babys ist der Körperkontakt sogar lebensnotwenig. Das zeigte ein grausames Experiment im Auftrag Friedrich II. Er wollte wissen, welche Sprache Kinder entwickeln würden, wenn sie ohne Ansprache, Berührung und Zuneigung groß würden. Das furchtbare Ergebnis: Alle Kinder starben.

Aber auch im Erwachsenenalter führt fehlende Körpernähe zu psychischer Erkrankung. Der Psychologe Harry Harlow geht sogar davon aus, dass das menschliche Bedürfnis nach körperlichen Kontakt fast genauso stark ist, wie das nach nach Nahrung. Es scheint fast in Vergessenheit geraten zu sein, dass sich körperliche Nähe durch nichts virtuell stimulieren lässt. Trotzdem erfährt unser Smartphone in der Regel mehr Zuneigung.

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