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TV Kritik: Contra der Talk

7. Juni 2011 • Film / TV3 Kommentare zu TV Kritik: Contra der Talk

Homosexualität, Rauchen, Adel, oder Hooligans. Contra der Talk beschäftigt sich mit vielen Themen. Aber welche Relevanz hat die Dienstagsdebatte des ORF?

Zu „Direkt das Magazin“ konnten wir nicht schweigen, jetzt ist es an der Zeit auch den zweiten Bestandteil des Dienstagabends von ORF Eins, Contra der Talk, einer Kritik zu unterziehen. Bislang wurde der Talk ausschließlich von Ö3-Moderator Benny Hörtnagl moderiert, in Zukunft teilt er sich die Moderation alternierend mit FM4 Moderatorin Mari Lang.

Wenn Dienstag den 7.6. zum Thema „Imperium Facebook: Geht´s noch ohne?“ erstmals Mari Lang die Moderation übernimmt, wird somit eine Zäsur in der noch jungen TV Geschichte von „Contra“ stattfinden. Eigentlich ein passender Tag, dreht der ORF doch an diesem Tag die letzten analogen TV-Stationen in der Steiermark ab und tritt somit endgültig ins digitale Zeitalter ein. Aber gilt das auch für „Contra der Talk“?

Contra der Talk

„Contra“ erinnert von seiner Machart deutlich an ATV „Am Punkt“. Die im Vergleich zu „Im Zentrum“ und „Club 2“ reißerische Themenauswahl, der Versuch die Web 2.0 Community einzubinden und das Voting sind Stilelemente, die von „Am Punkt“ bekannt sind.

Die fehlende Positionierung als Jugendformat bei „Am Punkt“ ermöglicht jedoch zumindest bislang eine breitere Themenauswahl, die Einbindung von Community Kommentaren gelingt, auch wegen der längeren Übung, etwas flüssiger und vor allem die extrem professionelle Facebook Seite, weiß zu überzeugen.

„Contra der Talk“ hingegen litt bislang unter einigen Problemen. Als drittes Talk Format des ORF, scheint es manchmal an der adäquaten Themenauswahl zu happern. Das hatte häufig entweder ermüdende oder betont reißerische Themen zur Folge. Zu kritisieren ist aber vor allem das Großteils unterirdische Niveau der Diskussionen.
Die Voting Frage zum Talk am Dienstag ist beispielsweise „Magst du alle deine Facebook Freude?.“ Für alle, die Facebook kennen, eine Frage zum Augen verdrehen und leider durchaus typisch.

Kontroverse um der Kontroverse willen

In den letzten Wochen, wurde unter anderem über das mäßig bewegende Thema „Adel“, das zum Einschlafen verpflichtete, „Schwul ist cool- aber bitte nur am Life Ball?“, zu dem extra Rudolf Gehring eingeladen werden musste, um eine mehr als nur bemühte Kontroverse auszulösen, getalkt. Der absolute Tiefpunkt war aber die Diskussion über den Platzsturm im Hanappistadion. Eine auch nur irgendwie ernstzunehmende Diskussion gelang nicht, stattdessen ergingen sich Diskussionsleitung und Gäste in der Feststellung, dass der Platzsturm schlimm und die, die ihn ausgeführt haben, keine „echten“ Fans seien, was auch immer das bedeuten mag.

Die in jeder Diskussion gewollte Kontroverse geht Woche zu Woche zu Lasten des Niveaus. Schon die Gästeauswahl ist so, dass möglichst radikal differierende Ansichten aufeinander prallen. Wer Daniel Kübelböck und Rudolf Gehring über das Thema Homosexualität diskutieren lässt, wird sich kaum eine ernsthafte Diskussion erwarten dürfen. Mit einer Konfrontation „Rauchersheriff“ vs. Manfred Einetter, wird es einem nicht anders ergehen.

Verstärkt wird dieser Umstand dadurch, dass die Moderation bislang keinerlei Interesse daran erkennen ließ, ein Thema ernsthaft zu verhandeln. Wo immer die Möglichkeit zur Kontroverse gesehen wurde, wurde diese genutzt.

Eine neue Chance?

Auch hier ergibt sich die Möglichkeit am Dienstag den 7.6. neue Maßstäbe zu setzen. Einerseits weil es eine andere Moderation gibt, was nach den bisherigen Erfahrungen kaum ein Schaden ist. Andererseits, weil das Thema Facebook eine Einladung zum Scheitern darstellt. Die ebenso naheliegende wie diskussionszerstörende Dichotomie zwischen TotalverweigererInnen und JüngerInnen der Selbstentäußerung droht. Oder anders gesagt, wer MaschinenstürmerInnen, mit Fanboys/girls diskutieren lässt, erzeugt Kontroverse aber keine Diskussion.

Bei den meisten bisherigen Ausgaben von Contra gelang es Kontroverse zu erzeugen, Diskussionen die gesellschaftliche Relevanz haben, gelangen hingegen nicht. Vielleicht ist jetzt ja die Zeit gekommen, um die Diskussionen weniger bemüht und etwas gelassener anzugehen. Vielleicht gibt es dann ja sogar die Chance, dass bei „Contra der Talk“ auch einmal eine Diskussion zustandekommt.

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3 Antworten auf TV Kritik: Contra der Talk – Verstecken

  1. Maia Morgenthau sagt:

    Wie kann man sich das freiwillig ansehen?
    Da schlafen einem ja Füße, Hände, Gesicht und sonst so einiges ein.

  2. Nasbarjev sagt:

    Wohin mit dem Niveau?
    Im fernsehen geht es in den Keller…

  3. Nokturno sagt:

    Besser kein Talk,
    als der Contra Talk.

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