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Wien Ausblick (c) STADTBEKANNT
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Starmania, Austria’s Next Topmodel, Miss Obdachlos – der Castingwahn in seinen tragischen Ausmaßen

12. Mai 2010 • Lifestyle

Ein bisschen hat man sich ja schon fast daran gewöhnt. An die ständige Zurschaustellung williger Mitmenschen in Castingshows verschiedenster Machart. Vorgegaukelt wird uns eine Traumwelt voll Ruhm, Ehre und Reichtum.

Vom hässlichen Entlein zum Schwan sozusagen.
Die Message: solange man etwas wirklich will und bereit ist für seine Träume zu kämpfen, können sie auch in Erfüllung gehen. Und so verausgaben sich 16jährige auf den diversen Fernsehbühnen um in den nächsten Instant-Sänger, – Model, – Musicalstar oder ähnliches verwandelt zu werden.

„Wer war das noch mal?“
Ist die Show erst mal gewonnen und die ersten Freudentränen versiegt, hört man von den neuen „Superstars“ meist nicht mehr viel. Wie es dann der zuvor hoch gepushten, jungen Sängerin geht, wenn kein Hahn mehr nach ihr kräht und sie auf einmal in ihren normalen Alltag zurückgeworfen wird? Was passiert mit dem 2 Tage lang intensiv gecoachten „Ex-Freak“, wenn er in sein altes Leben, ohne Kameras und Stylingberatung, zurückkehrt und immer noch nicht zum Frauenschwarm mutiert ist? Das fragt sich selten jemand. Kameras weg, Interesse dahin.

Kein Halt mehr.
Völlig neue Ausmaße hat der Castingwahn in Belgien angenommen. Gewählt wurde dort jetzt die „Miss Homeless“. Bei fünf Modeschauen liefen die Teilnehmerinnen über den Laufsteg. Beurteilt wurden Aussehen und Persönlichkeit. Durchgesetzt hatte sich die 58jährige Thérèse van Belle. Gewinn: ein Jahr gratis Wohnen.

Zahlreiche Hilfsorganisationen verurteilten die Miss-Wahl als menschenverachtend. Die Veranstalterin hingegen sieht die Show als Möglichkeit für Wohnungslose, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen.

Die Frage die sich hier jedoch stellt ist nicht, ob die Kandidatin sich auch nach der Show auf internationalen Laufstegen behaupten kann. In diesem Fall geht es um ein Spiel mit der Existenz. Wird Thérèse van Belle nach dem gewonnen gratis-Wohnjahr wieder auf der Straße landen? Erhält sie auch danach Unterstützung und Betreuung?
Oder ist sie wie zuvor auf sich alleine gestellt, so wie ca. 17.000 Wohnungslose in Belgien. Und Thérèse van Belle’s Mitstreiterinnen.

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