Kultur – Film / TV

Kino (c) STADTBEKANNT
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Inglourious Basterds – mehr als eine Metzelei

18. Mai 2010 • Film / TV

„Once upon a time in Nazi occupied France…“ 

Tarantinos neuestes Werk beginnt wie ein Märchen – und wie eine Hommage an den Western „Once upon a time in the West“ („Spiel mir das Lied vom Tod“). 
Tatsächlich bewegt sich „Inglourious Basterds“ abseits jeder historischen Realität. Gänzlich vermieden wird die in Nazifilmen meist mitschwingende tiefe Betroffenheit. In keinster Weise ist der Film ein klassischer Versuch der Vergangenheitsbewältigung. Tarantino hat etwas ganz Neues geschaffen.

Die Handlung

Eine Gruppe jüdisch-amerikanischer Soldaten, an der Spitze Aldo Raine (Brad Pitt), treiben sich im von Nazis besetzten Teil Frankreichs herum. Das Ziel: Nazis verfolgen, töten und skalpieren. 

Dann ist da noch Shosanna Dreyfus (Melanie Laurent), die einzige Überlebende einer jüdischen Familie, die vom „Judenjäger“, SS-Mann Hans Landa (Christoph Waltz), ausgelöscht wurde. Unter falschem Namen führt sie ein Kino in Paris. 
Friedrich Zoller (Daniel Brühl) möchte ausgerechnet in ihrem Kino die Premiere seines Propaganda Filmes „Stolz der Nation“ veranstalten. Geplant ist zu diesem Anlass auch der Besuch der obersten Naziriege, inklusive Hitler und Goebbels. Shosanna wittert ihre Chance auf Rache. 

Gleichzeitig hören auch die Alliierten von der Premiere und entsenden die „Inglourious Basterds“, um die anwesenden Nazis, inklusive Kino, zu beseitigen.

Und wie wars?

„Inglourious Basterds“ ist Tarantinos bisher grandiosester Film. Kamera, Schauspieler, Dialoge, Musik – jedes Detail des in 5 Kapitel aufgeteilten Filmes ist perfekt durchgeplant und eine Klasse für sich. 

Weite Teile des Filmes wurden in Deutschland gedreht und sind mit Unterstützung der deutschen Filmförderung entstanden. Das erklärt wohl einerseits die hohe Dichte an deutschen Schauspielern, andererseits sorgt die sprachliche Mischung aus Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch für brilliante Wortwitze. Wir empfehlen daher den Film unbedingt OmU anzusehen!

Nicht nur die Eröffnungsszene erinnert an „Spiel mir das Lied vom Tod“. Ein zentrales Stilmittel in „Inglourious Basterds“ ist die Filmmusik, die eher an einen Italo-Western als an die 40er Jahre erinnert. Nicht umsonst fanden acht Kompositionen von Ennio Morricone, bekannt für die Filmmusik zu zahlreichen „Spaghetti Westerns“, Einzug in Tarantinos neuem Meisterwerk. 

Von Christoph Waltz großartiger Leistung in der Rolle des SS-Mannes Hans Landa wurde bereits von vielen Seiten berichtet und dieser Euphorie kann von unserer Seite nur beigepflichtet werden. Die vielschichtige Rolle kombiniert Eleganz mit Bosheit und Opportunismus. Waltz grandiose Umsetzung macht Hans Landa zum dominierenden Charakter des Films, der Brad Pitt neben sich nahezu verblassen lässt.

Tarantino beendet mit „Inglourious Basterds“ die passive Opferrolle, die Juden in Filmen zum zweiten Weltkrieg bisher zugeschrieben wurde. Im Vordergrund dieses Filmes steht vielmehr eine „jüdische Rachefantasie“. Die Diskussion ob Tarantino damit Juden im Film selbst zu Nazis macht, ist darob aufgebrannt. 
Diese Kritiker haben wohl nicht verstanden, dass es sich in „Inglourious Basterds“ nicht um einen Historienfilm handelt und dieser Anspruch daher auch nicht gestellt werden kann.

 

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