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Kino (c) STADTBEKANNT
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Das Wort zum Tatort vom 3.4.2011 – „Edel sei der Mensch und gesund“

17. September 2011 • Film / TV6 Kommentare zu Das Wort zum Tatort vom 3.4.2011 – „Edel sei der Mensch und gesund“

Ein todkranker alter Mann stirbt – allerdings nicht an den Folgen seiner Krankheit, sondern an der Wechselwirkung zweier Medikamente, welche kein Arzt zusammen verschreiben würde. Eins der beiden Medikamente wurde ihm untergejubelt; aber war es Mord? Selbstmord? Sterbehilfe? Die Berliner Kommissare gegen die Windmühlen des deutschen Gesundheits- und Kassensystems.

Doctor’s Orders

Die ersten Verdächtigen sind natürlich die Ärzte des Toten: die Praxisgemeinschaft Schmuckler sen., Schmuckler jun. und Antje Berger fällt aus allen Wolken, als man von dem Medikationsfehler berichtet. Keiner will das falsche Medikament verschrieben haben, ist es zwar wirksamer, doch mit 8.000 Euro vor allem viel zu teuer für die Krankenkassa des verstorbenen Kassenpatienten – und tatsächlich steht in dessen Akte nichts von einem zweiten Medikament. Noch viel rätselhafter wird es, als dann wenige Tage später Dr. Antje Berger erschlagen in ihrer Wohnung aufgefunden wird. Und da gegen Frau Berger schon einmal wegen Betrugs ermittelt wurde, und Schmuckler sen. regelmäßig sein Kassenbudget überzieht, verdichten sich die Indizien, dass hier ein Betrug im großen Stil betrieben und vertuscht wird.

Der gute, alte Zeigefinger

Fängt dieser Tatort schon etwas langsam an, wird in der zweiten Hälfte des Films das Tempo schließlich ganz herausgenommen. Man schickte sich an, das deutsche Kassen- und Gesundheitssystem zu erklären, und zwar so, dass die deutliche und berechtigte Kritik daran auch wirklich jeder mitbekam. Die Kurzfassung: da die Ärzte nur ein begrenztes Budget für Behandlungen und Medikamente für Kassenpatienten zur Verfügung haben, sind sie dazu gezwungen, immer die billigste Variante zu verschreiben. Will ein Arzt einem Kassenpatienten aber wirklich die bestmögliche Behandlung angedeihen lassen, muss er entweder das Budget überziehen – oder betrügen. Herr Dr. Schmuckler sen. hat also hoch gepokert, als er seinen Kassenpatienten immer die besten Medikamente verschrieb, und die Kosten dann den Privatpatienten anrechnete – dass Antje Berger dem ein Ende setzen wollte, kostete ihr das Leben. Täter war nicht etwa der alte Schmuckler, sondern eine seiner Patientinnen, die zufällig ein Café gegenüber der Praxis führt und von dem Betrug profitierte.

Fazit

Dass Herr Doktor Schmuckler seinen Kassenpatienten immer die besten Medikamente verschrieben hat, hat also möglicherweise viele Leben gerettet, aber leider auch direkt zum Tod zweier Menschen geführt. Allerdings: die Todesfälle und deren Aufklärung waren blass und uninspiriert, schienen als reines Lehrstück für Krankenkassen-Rechnungswesen und verkamen damit zum reinen „Stichwortgeber“ für (berechtigte) Moralpredigten. Mit dem unglaubwürdigen und konstruierten Motiv, den peinlichen Flirtszenen und dem völligen Verzicht auf Spannungsmomente jeglicher Art, war dieser Tatort auf glattem Krankenkassen-Niveau. Für Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage oder fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.


Die diesjährigen Tatort Rezensionen:

13.2.2011 –  „Stille Wasser“
9.1.2011 – „Unter Druck“
2.1.2011 – „Tödliche Ermittlungen“
16.1.2011 – „Der schöne Schein“
23.1.2011 – „Heimatfront“
20.2.2011: „Rendezvous mit dem Tod“
27.2.2011 – „Leben gegen Leben“
6.3.2011: „Vergeltung“
20.3.2011 – „Mord in der ersten Liga“
27.3.2011 – „Im Netz der Lügen“

Im Topkino und seit neuestem auch im Schikaneder gibts übrigens jeden Sonntag ein Tatort Public Viewing – bei freiem Eintritt und mit dem Highlight Täterraten, bei dem es auch noch Freigetränke zu gewinnen gibt.

 

Raphael Maria Dillhof„Es scheint so, dass in unserer Kultur das Leben dasjenige ist, was nicht definiert werden kann, aber gerade deswegen unablässig gegliedert und geteilt werden muss.“ (Agamben)

 

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6 Antworten auf Das Wort zum Tatort vom 3.4.2011 – „Edel sei der Mensch und gesund“ – Verstecken

  1. kassenbrille sagt:

    gehbitte
    das war garnix. die ganze kaffeehausstory war so konstruiert. und die mama bringt ihre beste freundin um, weil sie ihr kind retten will. was bringt dem kind eine mama im gefängnis?

    der rest war einfach zum einschlafen.

  2. Superman sagt:

    !
    Also ich fand diesen Tatort sehr lehrreich und erschütternd! Das ist die Realität, daran kommt auch der Tatort nicht vorbei.

  3. Charles sagt:

    @Superman
    Teils teils. Das Lehrstück war tasächlich gelungen, der Krimi aber nicht. Die Kommissare torkelten durch die Handlung und trugen zur Aufklärung genau gar nichts bei. Das Motiv für die Tat wirkt ebenso konstruiert, wie die Häufung der Toten rund um die Praxis der Schmuckers. Diesmal also ein Tatort der zwar mit der Gesellschaftskritik zu rEcht kommt (was selten gelingt) aber an der Handlung scheitert.

  4. fiffiline sagt:

    fand ….
    ….. im gegensatz zu all den letzten tatorten,diesen wieder einmal SEHR gelungen und spannend.oder wußtet ihr vor der 1. hälfte den mörder?????

  5. naja sagt:

    @fiffiline
    dass schmuckler sen. den alten umgebracht hat war nach ca 10 minuten klar – und warum die frau die berger umgebracht hat ist mir bis jetzt noch nicht verständlich.

  6. Felix sagt:

    Ich fand den auch recht spannend
    mal was neues. Ich war zufrieden.

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