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Kino (c) STADTBEKANNT
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Das Wort zum Tatort vom 25.4.2011 – „Grabenkämpfe“

17. September 2011 • Film / TV3 Kommentare zu Das Wort zum Tatort vom 25.4.2011 – „Grabenkämpfe“

Das Stuttgarter Kulturprojekt Wagenhallen steht kurz vor dem Aus: es soll einem Wohnkomplex für betuchte Familien weichen – die beiden Betreiber, Timo Holzmann und Stefan Aldinger, wehren sich mit Händen und Füßen dagegen, bis Aldinger kurz vor einer wichtigen Abstimmung erschlagen aufgefunden wird.

Die üblichen Verdächtigen

Der erste Verdacht fällt natürlich auf den Bauunternehmer Rühle und dessen Leibeigenen und Anwalt Clemens Doll, zufälligerweise ein alter Schulfreund von Kommissar Bootz, die nach dem Tod Aldingers wohl leichtes Spiel bei der Abstimmung haben. Aber auch die eifersüchtige Ehefrau des Toten, eine mazedonische Kickboxerin, die offenbar gerne mal auf ihren Angetrauten einprügelte – um das Thema häusliche Gewalt an Männern auch einmal aufzugreifen – gehört zum Kreis der Verdächtigen: Aldinger hatte ihrer Meinung nach nämlich ein Verhältnis mit einer Unbekannten.

Allerhand Verdächtiges spielte sich danach ab – Doll und Rühle zaubern falsche Alibis aus dem Hut und die vermeintliche Tatwaffe taucht im Kofferraum Rühles auf – allerdings nicht die echte, wie sich später herausstellt. Da will doch jemand Rühles Ruf ruinieren, aber wer? Zusätzlich macht sich auch noch Dr. Siebert, der Kollege von Aldingers Frau, ein Klischee-Homosexueller wie er im Buche steht – Yoga-Lehrer, kunstinteressiert, geschmacklose Seidenhemden und viel Zucker im Kaffee, offensiv an Kommissar Lannert heran. Und als dann auch noch Timo Holzmann bei einer (spektakulären!) Gasexplosion in den Wagenhallen getötet wird, ist endgültig Feuer am Dach – nicht nur im wörtlichen Sinn.

Die Auflösung

Zumindest ein Rätsel löst sich relativ rasch: Clemens Doll selbst wollte Rühle reinreiten, ist er doch der uneheliche Sohn von seinem Chef und ziemlich wütend darüber, dass der ihn nie anerkannt hatte. Nach diesem etwas seltsamen, gehetzten und unnötigen Exkurs in Rosamunde-Pilcher-Gefilde (mitsamt Versöhnung am Ende!) ging es aber dann doch noch zur Auflösung des wahren Falles: Beide Morde wurden nämlich von Dr. Siebert begangen, der war nämlich das ominöse Verhältnis von Aldinger, wurde aber dann sitzen gelassen. Den zweiten Mord beging er, um den ersten zu vertuschen – Holzmann kam ihm nämlich durch Reisebüro-Rechnungen auf die Spur; ein völlig unglaubwürdiger und übertriebener Ausgang für diesen Tatort. Nicht nur die Tatsache, dass die Haupthandlung dann nur Ablenkungsmanöver für eine banale Lovestory war, enttäuschte – auch die sehr klischeebehaftete Darstellung von der „schwulen Tucke“ war eher im Land der Vorurteile angesiedelt.

Fazit:

Interessante Thematik, die verschenkt wurde, klischeehafte Charaktere – von der Brutalo-Boxerin über den knallharten Rühle bis zur „Schwuchtel“ – banale und unplausible Auflösung. Aber eines muss man dem Tatort lassen: zumindest war er keine Sozialstudie!

Die diesjährigen Tatort Rezensionen:

13.2.2011 –  „Stille Wasser“
9.1.2011 – „Unter Druck“
2.1.2011 – „Tödliche Ermittlungen“
16.1.2011 – „Der schöne Schein“
23.1.2011 – „Heimatfront“
20.2.2011: „Rendezvous mit dem Tod“
27.2.2011 – „Leben gegen Leben“
6.3.2011: „Vergeltung“
20.3.2011 – „Mord in der ersten Liga“
27.3.2011 – „Im Netz der Lügen“
3.4.2011 – „Edel sei der Mensch und gesund“

Im Topkino und seit neuestem auch im Schikaneder gibts übrigens jeden Sonntag ein Tatort Public Viewing – bei freiem Eintritt und mit dem Highlight Täterraten, bei dem es auch noch Freigetränke zu gewinnen gibt.

 

Raphael Maria Dillhof„Es scheint so, dass in unserer Kultur das Leben dasjenige ist, was nicht definiert werden kann, aber gerade deswegen unablässig gegliedert und geteilt werden muss.“ (Agamben)

 

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3 Antworten auf Das Wort zum Tatort vom 25.4.2011 – „Grabenkämpfe“ – Verstecken

  1. epoxy sagt:

    stimmt!
    endlich mal keine vernachlässigten jugendlichen, alkoholiker, harz4 empfänger oder sonstige geschichten mit erhobenem zeigefinger.

  2. N2OH sagt:

    aber spannend war es
    finde ich. Gegen Ende wurde es wirklich zunehmend gehetzt, aber schlecht war der nicht. Wohl einer der besten in letzter Zeit.

  3. raphael sagt:

    @n2oh
    es war wirklich einer der besten der letzten zeit, was bände über die letzten tatorte spricht.

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