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Das Wort zum Tatort vom 13.2.2011: „Stille Wasser“

14. Februar 2011 • Film / TV4 Kommentare zu Das Wort zum Tatort vom 13.2.2011: „Stille Wasser“

Eine mittelgroße Hausparty, irgendwo in Deutschland: ausgelassene Jugendliche feiern mit Vodka im Swimmingpool, und wie das bei Hausparties eben so ist sind natürlich auch Drogen im Spiel – eine neue Sorte Crystal Meth hat dieses Jahr schon drei Jugendliche umgebracht und keiner weiß wie das Zeug ins Land kommt. Nach dieser drastisch-peinlichen Anfangsszene geht der Schnitt über zu den nächsten Leichen: ein junges Ehepaar liegt erstochen in seiner Wohnung, die einzige Zeugin ist Nadine, die schwer traumatisierte Tochter der Toten, die sich gottseidank noch unters Bett flüchten konnte. Das Problem an der Sache: sie spricht seit dem Vorfall nicht mehr – ist also nicht "vernehmungsfähig". So macht sich Kommissarin Inga Lürsen an die guten alten Ermittlungen.

Traumatherapie mal anders

Schon bald werden die beiden Fälle in Verbindung gebracht: der tote Ehemann hatte Spuren von "Ice" an den Fingern und arbeitete in der Entgasung von frisch ins Land gebrachten Containern – ganz klar, so muss das Zeug ins Land kommen. Suchen wir den Täter also bei der Drogenmafia? Oder ist es doch – wie anfangs gedacht – eine Beziehungstat? Das einzige was sicher ist: die Tochter ist als einzige Zeugin erstmal in Lebensgefahr, will aber weder in ein Krankenhaus zur Traumabehandlung noch ins Zeugenschutzprogramm. Am liebsten wäre sie einfach wieder zuhause, dort also, wo sie die schreckliche Tat mitansehen musste. Das bringt Frau Kommissarin auch schon auf eine Idee: nachdem sie Muttergefühle für die arme Kleine entwickelt hat, spielt sie einfach höchstpersönlich die (fiktive) Halbschwester des Toten, die sich nun um das Kind kümmert und ermittelt so undercover im Haus. Dass das Kind damit bei einer möglichen Zeugenbeseitigungsaktion schutzlos in der Falle sitzt, nimmt sie damit nicht nur in Kauf, sondern fördert es sogar – schließlich ist die Kleine der perfekte Köder. Da keine Polizei der Welt eine solche wahnwitzige Aktion genehmigen würde macht sie das Ganze einfach geheim und ohne Unterstützung der Kollegen. Und noch ein weiteres Problem tut sich auf: Da sie ja bei den ersten Ermittlungen vom ganzen Haus gesehen wurde, muss sie sich jetzt verkleiden, so entsteht also mit ein paar neuen Kleidern, Whiskey und Zigaretten die launige White-Trash Tante Inga – und die Bühne für eine humorige Verkleidungs-Klamotte ist eröffnet.

Tante Inga im Einsatz

Um die Kollegen und mutmasslichen Schmuggel-Komplizen des Toten, die zufällig im selben Block wohnen, nervös zu machen, lässt sie überall durchsickern, dass sie von den Drogengeschäften ihres Verwandten wusste, die sind davon aber gänzlich unbeeindruckt. Eine klassische Beziehungstat sehen sie in dem Doppelmord: der Tote hatte nämlich zahlreiche Affären – da ist wohl jemandem der Kragen geplatzt. Könnte da etwas dran sein oder lenkt man hier nur von der eigenen Schuld ab? Die nächste halbe Stunde vergeht ob der possenhaften Perfomance der schnoddrigen Tante Inga relativ schnell, ein nächtlicher Einbrecher wird abgewehrt und nach noch mehr Undercover-Ermittlungen fällt mit der Zeugenaussage der Nachbarin Rebekka, ihres Zeichens Frau einer der Entgaser, der Verdacht schon bald auf eben diesen Kollegen. Die Dame hatte nämlich eine Affäre mit dem Toten, womit wir ein Motiv hätten – und dazu kommt noch ein Paar blutiger Schuhe. Bei der Verhaftung, bei der das kleine Mädchen zufällig ebenfalls anwesend ist, eskaliert allerdings die Situation: Nadine erkennt plötzlich in Rebekka die Mörderin ihrer Eltern und gibt dies auch lautstark zum Besten. Die Erklärung: Rebekka wollte mit dem Toten ein neues Leben anfangen, der hatte aber andere Vorstellungen, weshalb er und seine (bei der Aussprache ebenfalls anwesende?) Frau sterben mussten.

Fazit

Ein sehr durchwachsener Tatort voller Ungereimtheiten: warum erkennt niemand im Haus die Kommissarin? Wer war der nächtliche Einbrecher? Warum erkennt Nadine die Täterin nicht schon früher sondern genau bei der Verhaftung? Warum vermisst man Nadine nicht in der Kinderpsychatrie? Trotz aller Schwächen aber durchaus Unterhaltsam und gegen Ende sogar spannend, das Ablenkungsmanöver mit dem Drogenschmuggel war nicht so durchschaubar wie sonst und sogar der Tatort-typische erhobene Zeigefinger blieb diesmal unten. Am Ende noch ein kleiner Tiefschlag für den Zuschauer – das "Happy End" im Kinderheim sollte wohl ein Witz sein.

Die diesjährigen Tatort Rezensionen:

9.1.2011 – "Unter Druck"
2.1.2011 – „Tödliche Ermittlungen“
16.1.2011 – „Der schöne Schein“
23.1.2011 – „Heimatfront“

Im Topkino gibts übrigens jeden Sonntag ein Tatort Public Viewing – bei freiem Eintritt und mit dem Highlight Snipcard Täterraten, bei dem es auch noch Freigetränke zu gewinnen gibt. Snipcards findest du an diesen Standorten.

Raphael Maria Dillhof

„Es scheint so, dass in unserer Kultur das Leben dasjenige ist, was nicht definiert werden kann, aber gerade deswegen unablässig gegliedert und geteilt werden muss." (Agamben)

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4 Antworten auf Das Wort zum Tatort vom 13.2.2011: „Stille Wasser“ – Verstecken

  1. daniel steinlechner sagt:

    Spannend
    Die Story mit der Wohnung war zwar hahnebüchner Unsinn, machte aber den Tatort sehr spannend.

  2. Helga N. sagt:

    Stimmt, spanennd war es.
    Ich hab die ganze Zeit gedacht, jetzt kehrt der Mörder gleich zurück. Irgendwie wirklich dramatisch, aber die Handlung war ziemlich unlogisch.
    Ich lese eure Tatortrezensionen übrigens sehr gerne. Danke, dass ihr euch immer die Mühe antut.

  3. stadtbekannt sagt:

    @helga
    danke, das freut uns zu hören!

  4. Unlogisch sagt:

    Nino
    Irgendwie habe ich den Tatort nicht verstanden. Die Kollegen der Kommisare waren die ärgsten Hampelmänner, die Auflösung der Geschichte war völlig unlogisch und unglaubwürdig. Der Tatort ist wenne er so viele verschiendene Handlungsstränge verknüpft eigentlich nie gut.

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