Kultur – Film / TV

Lars von Trier

„Ok, ich bin ein Nazi“

29. Mai 2013 • Film / TV

Irre ist Lars von Trier auf jeden Fall, tiefsinnige Filme macht er aber auch. Stadtbekannt hat sie sich angesehen.

Auf einer Pressekonferenz zur Präsentation seines letzten Filmes legte der dänische Skandal-Regisseur Lars von Trier mal wieder ordentlich los. Er wisse eigentlich nicht, ob sein aktueller Film „Melancholia“ nicht einfach „Scheiße“ sei. Zu schön seien ihm die Bilder im nachhinein. Ihm, der sonst doch eher auf härteren Tobak steht, wie er in seinem vorherigen Werk „Antichrist“ gezeigt hat. Dann präsentiert er stolz seine Hand, auf deren Fingerknöchel er sich das Wort „Fuck“ tätowieren ließ und reitet sich am Schluss vollends in die Scheiße, indem er erzählt, dass er aus einer Familie deutscher Nazis stamme, weswegen er auch die Nazi-Ästhetik sehr interessiere und bekennt: „Okay, ich bin ein Nazi.“
Wenn man also etwas über diesen Mann weiß dann ist es: Er sollte weniger (vielleicht sogar nichts) reden und mehr Filme machen.

Geister:
In seiner Mini-Serie ließ von Trier Mitte der 1990er Geister äußerst passend in der Neurochirurgie des Kopenhagener Reichskrankenhauses umgehen. Geister und Patienten werden gleichermaßen mit übernatürlichen Phänomenen aller Art und so einigem an schrägen Gestalten konfrontiert. Der dunkle, schwarzhumorige Charakter der Serie wurde vom schlichen Dogma-Stil sogar noch verstärkt und führte sie zu einem derartigen Erfolg, dass sogar eine zweite Staffel folgte und eine dritte geplant war, die jedoch nie realisiert wurde.

Idioten:
Was macht man, wenn die ganze Welt ein Irrenhaus ist? Genau, man verhält sich grad deshalb als Idiot. Im zweiten Dogma-Film, nach Thomas Vinterbergs „Das Fest“, nimmt sich eine Gruppe junger Menschen den gesellschaftlichen Freiraum heraus den sie haben will, indem sich die Mitglieder als geistig Behinderte ausgeben. Abwechselnd schlüpfen sie in die Rolle von Patienten und Betreuern und mischen so das bürgerliche Leben ihrer Umgebung ordentlich auf. Als die junge Karen Zeugin davon wird, wie ein Teil der Gruppe wegen ihres Verhaltens aus einem Restaurant fliegt, geht sie mit ihnen mit. Von da an verfolgt sie die inneren und äußeren Konflikte der Gruppe, die diese auf eine harte Probe stellen.

Dancer in the Dark:
Hätte irgendjemand geglaubt, dass Björk in einem lustigen Film mitspielt? Eben. Es gibt wirklich nichts was Hauptfigur Selma Jezkova erspart bleibt. Kurz vor dem Erblinden schuftet sie Tag und Nacht in einer Metall-Fabrik (nein, ist nicht Flashdance) um ihrem Sohn, der ihre Krankheit geerbt hat, ihr Schicksal zu ersparen. Und wo es gerade so spaßig ist, da geht es natürlich noch weiter bergab. Um ihrem Schicksal zu entfliehen kann Selma nur in eine imaginäre Musical-Welt in ihrem Kopf fliehen. Die Realität sieht leider viel bedrückender aus und holt sie viel zu schnell wieder ein.

Dogville:
Einen Oscar für die beste Ausstattung wird Lars von Trier mit seinen Filmen wohl nicht mehr gewinnen. Sind seine Werke zumeist ohnehin schon in einem recht spartanischen Umfeld inszeniert so verzichtet er in Dogville gänzlich auf Requisiten außerhalb einer Theaterbühne. Trotzdem entwickelt die Geschichte der jungen Grace (Nicole Kidman) die auf der Flucht vor ihren Häschern in das kleine Dörfchen Dogville kommt und dort Aufnahme findet. Doch die Freude über das gefundene Versteck weicht bald dem Schmerz ihres Martyriums, das sie in dem Örtchen zu erleiden hat.
Mit Dogville begann Lars von Trier seine Amerika-Trilogie, die er in Manderlay fortsetzte bisher jedoch noch nicht abgeschlossen hat.

Antichrist:
Ein Film wie ein Auto-Unfall: Es ist furchtbar hinzusehen, aber wegsehen kann man auch nicht. Der zwischen Psychothriller und Horrorschocker oszillierende Film erzählt die Geschichte eines Paares, das der Tod ihres gemeinsamen Sohnes vollkommen aus der Bahn geworfen hat. Zurückgezogen in der Einöde des tiefen Waldes versuchen sie ihre Trauer zu bewältigen und ihre Beziehung zu retten. Das geht natürlich vollkommen schief und das Ergebnis ist ebenso schockierend wie mörderisch.
Vor allem das intensive Spiel von Willem Dafoe und Charlotte Gainsbourg ist es, das Antichrist zu einem schrecklichen Erlebnis macht, das man nicht missen will.

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