Wien – Debatte

Sport im TV

Nie mehr die Bayern sehen!

13. September 2011 • Debatte10 Kommentare zu Nie mehr die Bayern sehen!

Was im heimischen TV-Sport ge- und missfällt und was man ändern könnte. Stadtbekannt hat sich über das Programm von ORF bis Puls 4 Gedanken gemacht.

Es ist jedes Jahr das gleiche Spiel. Da freut man sich als leidgeprüfter österreichischer TV-Fußball-Konsument auf die Zeit, wenn endlich wieder absolute Könner in der Champions League den Ball tanzen lassen (nicht, dass man sich die Spiele der heimischen Bundesliga nicht doch anschauen würde, aber dazu muss man halt ein echter Fan sein. Und zu keinem Zeitpunkt ist einem Nick Hornbys Weisheit mehr bewusst, dass die eigentliche Passion des Fußballfans das Leiden ist. Denn wirklichen Genuss sucht man hier zumeist vergeblich) und dann grinst wieder Uli Hoeneß fröhlich von der Mattscheibe. Muss denn das sein?! Jede Woche mehr als ein Dutzend Spiele, etliche Top-Begegnungen zur Auswahl und die ORF-Seher müssen sich fast jedes Mal mit den Bayern oder einem anderen Vertreter aus dem nördlichen Nachbarland begnügen. Nicht, dass ihnen hier, insbesondere im Moment, die fußballerische Qualität vollkommen abgesprochen werden soll, aber es gibt doch durchaus größere Leckerbissen.

Milan? Barca? Sagt mir nix!

Einen Schildbürgerstreich von besonderer Art und Ausmaß dürfen wir aber in dieser Woche erleben. Die lange Sommerdurststrecke hat ein Ende, jedes Glied des TV-Sportler-Körpers lechzt nach klasse Fußball, wieder ist kein österreichischer Verein dabei, aber was soll’s, ist auch nix Neues und dann steht auch noch eine Top-Begegnung an, wie sie toppiger nicht sein kann: AC Milan gegen FC Barcelona, der spanische Meister gegen den italienischen, zwei der drei CL-Rekordsieger, Gut gegen Besser und wir dürfen uns wieder die Bayern ansehen!!!

Natürlich würden bei einer Übertragung des Spitzenspiels viele trotzdem auf die deutsche Konkurrenz umschalten, um den Verein ihres Herzens zuzusehen, aber sind die nicht einfach selbst Schuld? Muss man hier immer kleinlich auf die Quote und die Konkurrenz schielen? Hört denn der öffentliche Bildungsauftrag des ORF beim Sport auf?

Football und CL auf Puls 4

Es liegt einiges im Argen mit dem Sport im ORF und umso ansprechender gestaltet sich vor diesem Hintergrund das sportliche Angebot österreichischer Privat-Sender. Puls 4 schaffte es beispielsweise zusammen mit ProSiebenSat1, dem Riesen im Hintergrund, sich die CL-Übertragungsrechte ab der Saison 2012/13 gegen den Konkurrenten ORF zu sichern. Hatte man bisher schon mit den vom öffentlichen TV oft schmählich vergessenen Spielen der heimischen Europa-League-Starter ansehnliche Quote machen können, wagt man sich nun an die Königsklasse heran – ein Experiment, das durchaus spannend sein kann und für uns hoffentlich nicht wieder nur mit Bayern-Penetranz endet.

Das wirkliche Highlight im Puls 4-Sport ist aber zweifellos die wöchentliche Übertragung eines Spiels der NFL. Waren die jährlichen Super-Bowl-Übertragungen des ORF zumeist eher hausbacken und entsprachen gelinde gesagt nicht unbedingt dem explosiven Charakter und der enormen Spieltiefe des American Football, so versucht der Private mittels doppelconférencierender Kommentatoren sowohl Kompetenz und – wo diese fehlt – zumindest ordentlichen Witz in die Sendung zu bringen. Das Spiel der Runde wird übrigens per Internet-Abstimmung ausgewählt.

Eishockey-Liga auf Servus TV

Mit einer starken sportlichen Note versucht auch das Red-Bull-Vehikel Servus TV zu punkten. Neben allerlei Fun- und Trend-Sportarten (Snowboard, Skateboard, Parcour, Klippenspringen und alles, was die Fun-Fabrik Red-Bull-Sports noch zu bieten hat), die in teils atemberaubenden Bildern auf den Zuschauer einprasseln, hat sich Servus TV ganz dem Eishockey und der Sport-Kompetenz verschrieben.

Wer in Österreich heimisches Hockey liebt, der kommt an den Salzburgern mittlerweile nicht mehr vorbei. Unzählige Spielübertragungen (natürlich nicht ohne die konzerninternen Eis-Bullen zu vergessen), (teils mehr, teils minder) fachkundige Analysen und zahlreiche Hintergrundberichte (Fan-Dokus inklusive) zeigen, dass in Siezenheim der Sport nicht nur eine Nebensache ist. Wirklich fein wird es jedoch Montag Abend beim Sport und Talk aus dem Hangar 7. Kompetente Gäste diskutieren hier unter der Moderation des DSF-erfahrenen Rudi Brückner und des Motorsport-Experten Andreas Gröbl sportliche Themen auf oft hohem analytischen Niveau und so, dass man danach durchaus einen Wissensgewinn verzeichnen kann. Hieran kann man sich am Küniglberg durchaus ein Beispiel nehmen und endlich aufhören zu glauben, dass man mit ein paar Rapid-Wuchteln und dem recht interessanten Versuch, uns Roman Mählich als Experten zu verkaufen (der arme Manfred Zsak darf ja nicht mehr) noch keine gute Fußballanalyse zusammenbekommt.

ATV versucht augenscheinlich mittels Penetranz die Moto-GP Top-Sportart hochzuhypen, wie es einst schon RTL mit Ski-Springen gelungen war. Im Unterschied zu den deutschen Kollegen fehlen den Österreichern leider die einheimischen Spitzen-Athleten – so wird’s schwer.

Sport auf Sport Plus

Zu guter Letzt noch ein Vorschlag, um sich mit den Sport-Ablehnern unter den Zuschauern der öffentlich rechtlichen etwas besser zu stellen: Wie wäre es damit, allen Sport einfach auf Sport Plus auszulagern, anstatt dort immer wieder zur Primetime peinliche Sternstunden des österreichischen Fußballs zu verwursten?

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10 Antworten auf Nie mehr die Bayern sehen! – Verstecken

  1. beobachter sagt:

    stimmt
    die spielauswahl beim orf ist wirklich ein wahnsinn!

  2. saintjust sagt:

    orf-kommentatoren
    vor allem gelingt es den orf-kommentatoren auch gute spiele ins koma der langeweile zu reden, die sind alle fehl am platz. dass der öfb aufgelöst gehört um dem land mit dem schlechtesten fussball europas zu helfen steht sowieso ausser frage.

  3. arizona cardinal sagt:

    danke puls 4!
    auch wenn schon ein paar kalauer dabei sind, die football-übertratungen von puls 4 sind super!

  4. milanisti sagt:

    barca – milan
    für heute abend wird es sich leider nicht mehr ausgehen. heißt also doch wieder ab ins beisl und sky schauen.

  5. mugg sagt:

    CL im ORF
    Vorab:
    Barca – Milan kann vom ORF heute gar nicht übertragen werden!
    Rechtlich werden nur Spiele vom Mittwoch übertragen – und das ist schon seit Jahren so…
    Bitte sich dies vorm Jammern mal einzuprägen!
    P.S.: SF2 überträgt besagtes Spiel 😉

  6. stadtbekannt sagt:

    dienstag oder mittwoch
    @mugg: laut öffentlicher darstellung erwarb der orf die rechte für die live-übertragung eines spiels pro runde und die zusammenfassung der restlichen. hast du genauere informationen über die vertragssituation? ist darin verankert an welchem wochentag das spiel sein muss, das der orf übertragen darf?

  7. mugg sagt:

    @stadtbekannt
    Die Regelung die zur freien Auswahl der Spiele berechtigt heißt "Flexible Pick Right".
    Der ORF hat diese Rechte nicht – dafür aber ab der nächsten Saison Puls4!
    Mehr Infos:
    http://www.pressetext.com/news/20110404025

  8. stadtbekannt sagt:

    nur mittwoch
    @mugg: danke für die infos! augenscheinlich hat puls 4 da mit ein bisschen mehr voraussicht verhandelt.

  9. fan sagt:

    Immer dieses ORF Gesudere
    Es ist was anderes als großer TV Konzern Rechte einzukaufen und die österreichischen Rechte als Sahnehäubchen dazu zu bekommen, oder als ORF diese Rechte zu erwerben. Der ORF ist den Gebührenzahlern verpflichtet und kann eben nicht Fantasiezahlen für Übertragungsrechte bezahlen. Wenn man Rechte erwirbt dann wird man die Spiele zeigen die das österreichische TV Publikum am meisten interessieren. In der Bundesliga sind das Rapid, in der Championsleague Bayernspiele.

  10. stadtbekannt sagt:

    das übliche gesudere
    @fan: dass auch in österreich viele menschen die bayern sehen wollen wird hier ohnehin nicht bestritten. nur schlagen wir hier vor den öffentlichen bildungsauftrag um eine fußballerische facette zu erweitern und die wirklichen top-spiele zu zeigen (o;
    und da der orf eben kein privater und mit einem gewissen reglement versehen ist er dazu verpflichtet progamm-entscheidungen nicht nur nach quoten-maximierungsüberlegungen zu treffen.

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