Kultur – Film / TV

Point Break

Filme für den Sommer Teil 2

25. Juni 2013 • Film / TV

Hundstage, Gefährliche Brandung, Alexis Sorbas und einiges mehr – die Fortsetzung der besten Filme zum Sommer.

Hundstage (1975)

Es kann wenig Gutes dabei herauskommen, wenn drei vollkommene Dilettanten eine Bank überfallen. Einem gehen bereits zu Beginn die Nerven durch und er haut ab. Doch auch die zwei anderen sind mit der Situation vollkommen überfordert. Als die Polizei das Gebäude umstellt, befinden sie sich schon in der schönsten Geiselnahme. Dabei wollte Sonny (Al Pacino) zusammen mit Komplizen Sal (John Cazale) nur Kohle auftreiben, um seinem transsexuellen Liebhaber Leon eine genitalangleichende Operation zu spendieren. Doch dann gerät mitten in der glühenden Asphalthölle Brooklyns alles außer Kontrolle.

An Sidney Lumet kommen wir natürlich auch im Sommer nicht vorbei. Seine True-Crime-Story ist einer der Klassiker des New-Hollywood und wurde bald zum Kult-Film der amerikanischen Gegenkultur der 1970er Jahre. Besonders in Erinnerung bleibt Sonnys Ruf "Attica, Attica!", womit er vor einer Erstürmung der Bank warnen will und auf das ebenfalls authentische Blutbad bei der Niederschlagung eines Aufstandes im New Yorker Gefängnis Attica anspielt. Lumet und sein kongenialer Partner Pacino schaffen es der ohnehin schon aufregenden und außergewöhnlichen Geschichte die Sonnys reales Vorbild, John Wojtowicz, erlebt hatte, den Rahmen einer spannenden Sozialstudie mit sorgsam herausgearbeiteten Charakteren zu geben. Hier hat das kriminelle Chaos höchste Berechnung.

Hundstage (2001)

Es spinnen sich sechs Geschichten zusammen in Hundstage. Allen gemein ist, dass sie sich in der brütenden Hitze und brutzelnden Trostlosigkeit der Wiener Vorstadt abspielen.
Das junge Paar Klaudia und Rene schlägt und liebt sich.
Anna spricht wildfremde Leute an und rückt ihnen schamlos auf die Pelle, dabei gerät sie schlussendlich an den Falschen. Alarmanlagenvertreter Hruby hat weder im Geschäft noch bei der Jagd auf einen ominösen Autozerkratzer Erfolg.
Ing. Walter ist Witwer und ein Querulant wie er im Buche steht. Ersatz für seine verstorbene Frau erhofft er sich in der Haushälterin.
Eine in die Jahre gekommene Lehrerin kommt nicht von ihrem Zuhälter-Freund Wickerl los, der sie laufend entwürdigt. Als auch noch Wickerls Freund Lucky hinzukommt eskaliert die Situation.
Ein geschiedenes älteres Ehepaar lebt noch immer zusammen im selben Haus und lässt keine Gelegenheit aus, sich gegenseitig zu demütigen.
Über den Film hinweg entspinnt sich eine größere Rahmenhandlung, in die alle Geschichten eingebettet sind.

Und noch einmal die Hundstage – in ihnen passiert scheinbar wirklich nichts Gutes. Doch diesmal ist es mehr die Banalität und Monotonie des Grauens, die aus Ulrich Seidls Hundstage einen besonderes Erlebnis macht. Manchmal, da kann auch der betonierte Schlund nach Wien der Eingang zur Hölle sein. Hier lässt sich die Hoffnungslosigkeit geradezu greifen.


Gefährliche Brandung

Der Surf-Crack Bodhi (Patrick Swayze) könnte so ein netter Kerl sein, wenn er zwischen seinen waghalsigen Wellenritten nicht mit seinen Kumpels Banken ausrauben würde. Mit Masken berühmter Ex-US-Präsidenten vor dem Gesicht knacken sie ein Geldinstitut nach dem anderen. Kein Wunder, dass da Neo-FBI-Agent Johnny Utah (Keanu Reeves) etwas dagegen hat und den Surfer-Ganoven an das gebräunte Fell will. Doch dazu muss er erst einmal als Surfer in ihren Kreis aufgenommen werden, um Beweise gegen sie zu sammeln. Was für ein glücklicher Zufall, dass ihm Surfer-Braut Tyler (Lory Petty) dabei auf und abseits des Brettes zur Seite steht. Immer tiefer zieht es Johnny in den Strudel der Wellenreiter-Bande hinein, bis er beim finalen Showdown gänzlich den Boden unter den Füßen verliert.

In ihrem ersten großen Kinofilm zeigt uns Oscar-Preisträgerin (The Hurt Locker) Kathryn Bigelow, dass Patrick Swayze nicht nur auf dem Tanzparkett sondern auch auf dem Surfbrett eine großartige Figur machen kann. Er liefert sich einen furiosen Widerstreit mit dem damals noch jungen Keanu Reeves, der noch kein Training in der Matrix hinter sich hatte. Kein Wunder also, dass ihm bei der Rasanz der wilden Jagd hinter dem coolen Bodhi so manchmal die Luft ausgeht. Überzeugen können vor allem die atemberaubenden Action-Szenen und eine ordentlich Portion Surfer-Mystik.

Was nützt die Liebe in Gedanken

Paul (Daniel Brühl) hat sich in die Hilde (Anna Maria Mühe), die Schwester seines besten Freundes Günther (August Diehl) verliebt. Dem unglücklichen Günther ist das ganz recht, hat er jedoch seinerseits Gefühle für Hildes Liebhaber und seinen ehemaligen Freund Hans und will ihn zurück für sich. Und Hilde wiederum liebt alle und niemanden. So treffen sich alle mit einem Haufen Freunde und versuchen die Spannungen erst einmal zu ignorieren.
Ein heißes Sommerwochenende, ein Haufen fadisierter Jugendlicher, ein abgelegenes Ferienhaus und ein Keller voll Wein und Absinth – was wie die besten Voraussetzungen für eine ordentliche Party klingt führt im Berlin der späten 1920er Jahre in einen Strudel aus verschmähter Liebe, Eifersucht und sogar Mord.

Es ist schwer zu sagen, was die Faszination an diesem Film ausmacht. Einerseits lässt einen die wahre Geschichte der Steglitzer Schülertragödie von 1929 wohl niemanden kalt. Doch gibt es mehr an "Was nützt die Liebe in Gedanken", was diesen Film in unser Gemüt bohren, uns nicht mehr vergessen lässt. Hier paaren sich jedem bekannte Motive von verschmähter Liebe, jugendlicher Schwärmerei, morbider Todessehnsucht und kindischem Leichtsinn mit wunderschönen Bildern und einem Soundtrack, der einen restlos ins Berlin der 1920er zurückversetzt. Wenn in einer Szene der Gartenparty die weißen Gewänder nur so durch die Luft wirbeln und der Blick unscharf wird, so wähnt man sich fast selbst inmitten der Feiernden umschwebt vom sanften Rausch des Absinth. So sollte der Sommer sein – nur ohne Tote halt.

Alexis Sorbas

Was soll der feingeistige englische Schriftsteller Basil (Alan Bates) nur mit dem Bergwerk anfangen, das er auf Kreta geerbt hat? Glücklicherweise lernt er auf der Schiffsreise dahin den Tagedieb und Lebemann Alexis Sorbas (Anthony Quinn) kennen, der sich ihm als Vorarbeiter und einheimischer Führer andient. Trotzdem ist es, auf der Insel angekommen, schwierig, das Bergwerk in Schuss zu bekommen und auch die unglückliche Bekanntschaft mit einer hübschen Witwe, hinter der bereits das halbe Dorf her ist, tun ihr übriges, um Basil zu frustrieren. Einzig der lebenslustige Sorbas verliert nie seine gute Laune. So ist er es, der dem verzweifelten Engländer schlussendlich zeigen muss, worum es wirklich geht im Leben.

Das Beste zum Schluss. Es gibt – und hier wird sich einmal weit aus dem Fenster gelehnt – einfach keinen besseren Film zum Sommer als es Alexis Sorbas ist. Nach dem Roman des griechischen Autors Niko Kazantzakis schuf der griechischstämmige Zypriote Michael Cacoyannis einen Film, der weit über die Leinwand hinausgewachsen ist. Schon sprichwörtlich ist der Schelm Sorbas geworden, der seine Hände nicht immer, aber sein Herz doch zumindest, am richtigen Fleck hat. Er schafft es selbst in der am ausweglosesten erscheinenden Situation nicht sein positives Gemüt zu verlieren und sich immer noch zumindest an seinem eigenen Sein zu erfreuen. Unerklärbar bleibt im Laufe der Jahre auch, wie es ein Film in Schwarz-Weiß schafft, eine solche fröhliche Strahlkraft zu entwickeln, wie es keiner im kitschigsten Technicolor zu Stande bringt. Sollte man ihm ein Thema überstülpen, so hieße es wohl Lebensfreude – pure und bloße.
So haben wir also gelernt: Wenn unser ganzer Besitz beim Teufel und die, die wir geliebt haben tot sind, dann können wir einfach nicht mehr mehr tun als zu tanzen. Sirtaki nämlich.

Hier geht’s zu Teil Eins.

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