Wien – Leben

(c) Anja Kaiser - Fotolia.com
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Erfindungen aus Wien: Dinge, die die Welt veränderten – oder auch nicht.

30. Jänner 2013 • Leben

Wien. Nicht nur Stadt der Dichter, Künstler und Musiker. Nein, sondern auch Stadt der Erfinder. Vieles haben wir den Bewohnern dieser Stadt zu verdanken. Mal waren die Erfindungen mehr, mal weniger spektakulär, aber immer bahnbrechend, so dass wir ohne sie heute sicherlich anders durchs Leben gehen würden. Wir haben uns auf die Spuren der Daniel Düsentriebs dieser Stadt gemacht und sind auf allerhand Kurioses und Unerwartetes gestoßen.

Die Frankfurter

Wenn es einmal wieder um die Wurst geht streitet sich der Österreicher am liebsten mit: dem Deutschen, klar. So auch hier. Das Streitobjekt: ein gefüllter Darm. Die Frankfurter, oder Wiener  Würstchen – wie unsere deutschen Freunde aus dem Norden zu sagen pflegen, eine Bezeichnung, die uns passenderweise auch gleich den liebevollen Kosenamen eingebracht hat – kann auf eine lange Geschichte zurück blicken. Eine Geschichte voller Missverständnisse und Streit. Seit dem Mittelalter soll es diese bereits bei ihnen geben, sagen die Frankfurter, doch ein Exil-Frankfurter ist da anderer Meinung: Johann Georg Lagner (1772-1845), ein von Frankfurt nach Wien emigrierter Schweizer, soll der Urheber dieser Idee sein, welche er ab 1805 in seiner Selcherei in der Neustiftgasse vertrieb. Das Besondere daran: er fügte Rindfleisch hinzu, was den Geschmack leicht abänderte und ihn zu dem machte, den wir heute kennen. So ist die Frankfurter eine echte Wienerin.

Die Rollschuhe

Der Rollschuh. Über die Jahre etwas aus der Mode gekommen feierte er vor ein paar Jahren sein Comeback um dann doch wieder in der Versenkung zu verschwinden. Der Schuh mit den Rollen feiert bald seinen 200sten Geburstag. In Deutschland nannte man ihn einst kurioserweise Erdschlittschuh. In Österreich war er unter „Räderschuh“ bekannt. Der Wiener Uhrmacher Anton Löhner erhielt am 19. November 1825 das „Privileg“ diesen mittels einer hölzernen Sohlenplatte mit abwärts gebogenem Bügel, in dem 3 Messingräder liegen, herzustellen. Das Vorderrad trug eine Verzahnung, welche das Rückwärtsgleiten verhinderte, quasi ein Rücktritt. Leider verlor der gute Mann das Privileg wegen der Nichtzahlung von Taxen, wonach man es einem Engländer namens Ernest Wessely übergab und dieser sie dann in der ganzen Welt berühmt machte.

Das Radio

Zumindest in Österreich war es der Wiener Oskar Czeija, der heute als Gründer des Rundfunks in Österreich gilt, quasi des ORF. Er war ein Pionier hinsichtlich Tonaufnahmen und Rundfunk im Allgemeinen, schließlich gehen viele Patente und Tonaufnahmen auf Czeija zurück.
1924 war es dann soweit, da begann er mit den ersten Probesendungen aus seinem Studio – wenn man es denn so nennen konnte – am Stubenring. Aber sogar eine weltweite Erfindung hat ihren Ursprung im Kopf des Floridsdorfers: das Tonband. Er entwickelte mit seinem Partner ein Tonaufnahmeverfahren, wonach es möglich wurde Töne mit Hilfe von Licht auf ein sogenanntes Tonpapier zu bannen. Dieses Verfahren hatte zum Ergebnis, dass man Aufnahmen von bisher unerreichter Qualität zustande brachte. Die Idee wurde zum Verkaufsschlager, sodass sogar Rundfunkanstalten wie NBC und CBS Czeijas Geräte kauften. Heute ist eine Gasse in Floridsdorf nach ihm benannt.

Die Antibabypille

Carl Djerassi. Er nennt sich selbst die „Mutter der Pille“, und er ist Wiener, zumindest war er das einmal, musste er doch von den Nazis ins Exil in die USA flüchten. Dieser Mann ist schuf mehr oder weniger den Grundstein für eine ganze Bewegung der sexuellen Revolution in den 60er Jahren sowie einer losgetretenen Debatte rund um Verhütung seitens der katholischen Kirche die bis heute andauert. Doch weder die Kirche noch kirchlich–konservative Gruppierungen konnten den Siegeszug der Pille aufhalten, bis heute nicht. Heute nimmt statistisch etwa jede zweite sexuell aktive Frau die Pille, und „schuld“ daran ist ein Wiener.

Weitere mehr oder weniger skurrile Erfindungen aus Wien sind die wasserfeste Wimperntusche, die Nähmaschine, der Kinematograph, der Fallschirmanzug sowie die Zahnpasta aus der Tube.

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