Wien – Leben

Alex Lackowski

Der stadtbekannt EM-Blog: Live aus der Fanzone in Wroclaw

18. Juni 2012 • Leben

Cytrynowka, Bier um 2,- Euro, ein enttäuschter Gastgeber und ordentliches Polizei-Aufgebot: Alex Lackowski live aus Polen!

Nach dem Jubel über den Treffer von Kuba Blaszczykowski zum 1:1 gegen Russland waren meine polnischen Kollegen und ich, sowie ein Wahlpole, überzeugt davon, uns das letzte Spiel in der wunderschönen Stadt Wroclaw live zu geben, um die Euro-Atmosphäre so nah wie möglich zu spüren.

Wroclaw – Wroclove 

In der Angst eine tschechische Autoflut ertragen zu müssen, fuhren wir bereits in der Nacht von Freitag auf Samstag nach Wroclaw. Nach fünf Stunden, gefüllt mit Gesprächen über – eh kloa – Frauen und Fußball, kamen wir in der viertgrößten Stadt Polens an. Wroclove präsentierte sich in bombastischer Eurostimmung. Die Radiosender berichteten auch um 3 Uhr in der Nacht nur über die Euro und das letzte Spiel gegen die Tschechen, auf allen möglichen Dingen steckten polnische Flaggen und an allen Ecken sah man das EURO 2012 Logo.

9 Liter Cytrynowka für die EM 

Unsere Gastgeber, Tomek und Ewelina, ein reizendes junges Ehepaar, das an Gastfreundlichkeit nicht zu überbieten war, stellte uns ihr kleines Wohnzimmer zur Verfügung. Nach 2 Stamperln Cytrynowka gingen wir in der Erwartung, morgen etwas Historisches zu erleben, schlafen. Eben erwähntes Getränk ist übrigens ein köstliches, hochprozentiges, selbstgemachtes Gebräu aus Spiritus, Zitronen und Zucker, das dank seines hohen Zuckergehalts schneller ins Blut fährt als jede Impfung. Gott sei Dank hatte Tomek 9 Liter für unseren Besuch zusammen gemischt… 



Weiß-Rot überall & 2,- Euro-Bier in der Fanzone 

Ausnahmezustand dann am Spieltag. Jeder, aber wirklich jeder, hatte etwas Weiß-Rotes an seinem Körper, in jedem Lokal sprachen die Leute nur über das Spiel und die Parks und Plätze der wunderschönen Altstadt waren mit Menschen gefüllt, die Bier und Schlachtgesänge genossen. Die Fanzone, die genau am Hauptplatz der Stadt aufgebaut wurde, musste bereits 90 Minuten vor Ankick geschlossen werden, da schlichtweg zu viele Menschen da waren.

Bier kaufen gestaltete sich als ein Ding der Unmöglichkeit, da anscheinend jeder denselben Gedanken hatte. So musste ich gleich zehn auf einmal kaufen. Hätte ich dafür vor 4 Jahren in Wien 55,- Euro liegen lassen müssen, war ich mit 20 Euro sehr gut dran. Ja wirklich, das Bier kostete 2,- (!!!) Euro. Die Stimmung auf der Fanmeile war einfach großartig. Sprechgesänge aller Art, sehr nette Menschen überall – jedoch wahrscheinlich zu viele. Bewegungen in egal welche Richtung – fast nicht möglich. Zu Anpfiff, Gänsehaut-Feeling, als alle die Hymne mitsingen und dabei Ihren Polska Schal in den polnischen Himmel strecken.

Eine bittere Niederlage 

Leider, leider, konnte das Spiel dann dieser Atmosphäre absolut nicht gerecht werden. Die Polen kämpften in der ersten Halbzeit sehr anständig und kamen durch Lewandowski zu der besten Chance des Spiels, jedoch war man nicht in der Lage, den Druck in der zweiten Halbzeit zu erhöhen. Die Tschechen spielten eine sehr clevere Partie und wussten, dass die Polen irgendwann hinten aufmachen müssen. Dies nutzte man nach einem Ballverlust von Murawski und verwandelte den resultierenden Konter zum 1:0. Polen war in der Folge wohl zu schockiert und man verabschiedete sich nach zwei Unentschieden und einer Niederlage aus dem Turnier.

Schwerwiegende Fehlentscheidungen von Trainer Smuda

Retrospektive muss man meines Erachtens den Trainer Smuda kritisieren. Ich hatte nicht das Gefühl, dass Smuda ein Genie seines Fachs oder taktisch versiert ist. Das Spiel der Polen war vor allem in der letzten Partie viel zu einfach auszurechnen, in keiner Partie schaffte es der Trainer durch einen Wechsel den Druck zu erhöhen und den Gegner an die Wand zu spielen. Vor allem die Einwechslung von Brozek im Spiel gegen Tschechien war eine Katastrophe, da dieser wenig bewirken konnte. Dass der junge Wolski, der bereits bei BVB unterschrieben haben soll, keine einzige Spielminute bei diesem Turnier bekommen hat, ist sehr enttäuschend und ob es in ganz Polen keinen besseren Linksverteidiger gibt als Sebastian Bönisch, der die letzten zwei Jahre mehr an der Playstation im Krankenhaus als am Spielfeld gespielt hat, gibt, ist in Frage zu stellen.

Weinende Polen und Polizeiaufgebot 

Angesichts dieser Enttäuschung fiel auch die geplante Party aus. Die Menschen gingen mit enttäuschten Gesichtern lieber nach Hause als ins nächste Lokal. Am Hauptplatz vor der Fanzone spielten sich bizarre Szenen ab. Zu meiner Rechten streichelten einige Mädchen die Pferde der Polizisten, die ihre Tiere als Frauenmagnet benutzten, vor mir lagen sich einige Leute mit Tränen in den Augen in den Armen, zu meiner Linken hatte die Polizei die grandiose Idee, den Hauptplatz zu räumen. Durch minutenweises Vorrücken in einer Reihe sollten die Leute verjagt werden. Pure Provokation und Dummheit welche mit noch dümmeren aber Gott sei Dank eher seichten Auseinandersetzungen gerächt wurde. Nach drei weiteren Bier fielen wir in unsere Betten. Möge es irgendwann eine Wiederholung, jedoch mit Happy End, geben…

Zum Schluss einige Gedanken zur EURO:

Cristiano Ronaldo hat endlich sein Können in einem entscheidenden Spiel gezeigt. Hält er diese Form, rechne ich mit den Portugiesen, die eine talentierte Truppe dabei haben

Joachim Löw wechselt Schürrle für Podolski ein und lässt Reus sowie Götze abermals auf der Bank. Eh klar, Reus hatte ja in der letzten Saison nur 19 Scorerpunkte, Schürrle nach mäßiger Saison bei einem besseren Verein, 13… Löws Realitätsverweigerung könnte schmerzlich enden.

Wetten wir, dass Spanien Kroatien 2:2 ausgeht?

Wie schön wäre es, wenn Griechenland einen Bewerb gewinnt, der EURO heißt…

Bis Sonntag und möge die EURO nie aufhören!

Alex Lackowski – stadtbekannt EM-Experte

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