Wien – Debatte

SIXX

Den Frauen ihre Hühner

11. April 2013 • Debatte

Dass Zielgruppenbasteln entlang der Geschlechterlinien eine eher unglückliche Idee ist, macht nicht nur SIXX Austria vor.

Nicht ohne Grund wurde in den letzten Tagen viel über die durchaus seltsame Kampagne von SIXX Austria diskutiert, siehe oben. Dabei ist es ja nichts Neues, dass Fernsehsender zielgruppenspezifisch konzipiert sind, was aber vor Irritation nicht schützt. Lustig soll die Kampagne sein, mit Augenzwinkern soll SIXX als "Frauensender" etabliert werden, was in einer relativ plumpen Botschaft gipfelt, die fast schon als Beleidigung verstanden werden darf. Der Faktor Geschlecht als primäres Differenzmerkmal zu anderen TV-Programmen ist besonders unglücklich, wenn man bedenkt, dass einem hier Publikum entgeht – ganz abgesehen von den offensichtlichen Problemen im Bezug auf die Kampagne.

Den Frauen die Hühner, den Männern die Helden

Seit 3. Juli darf man SIXX Austria statt Austria9 empfangen, man startete fröhlich mit  der romantischen Komödie "27 Dresses" ins TV-Programm. Schwerpunkt  liegt auf Spielfilmen und Serien a la Desperate Housewives, Grey’s Anatomy und Vampire Diaries. Die Frauenherzen will man somit höherschlagen lassen, verrät zumindest die Webseite, und dadurch den "weiblichste Fernsehsender der ProSiebenSat.1 Austria Gruppe" gelauncht. Ein Gegenstück bietet derzeit übrigens RTL Nitro, ein Sender für Helden – oder so -, mit Crime, Action, Serienhelden und "Männer"-Dokus für die Herren der Schöpfung. Subtiler und um einiges smarter geframed ist da schon der Sender D-Max, der auf Adrenalin pur bei der Programm-Zusammenstellung setzt, oder auch RTL Living, der sich Reise, Kochen und Garten widmet. Man sieht also: Es muss kein Huhn aufs Plakat, um die Intention zu verstehen.

So what?

Sender mit Programmschwerpunkten sind spannend und ein passables Gegenstück zum Mischprogramm der alten, oder öffentlich-rechtlichen Sender. Sport-Sender, Doku-Sender, Lifestyle-Sender – sie alle tragen zu einem facettenreichen TV-Angebot bei, das eine gelungene Abwechslung zu üblichen lauwarmen Mischmasch sein kann.

Dabei spielt es durchaus eine Rolle, inwieweit man sich sein Publikum selbst aussucht, denn die ZuseherInnen nach Interesse entscheiden zu lassen, fällt anscheinend einigen StrategInnen schwer. So framed man SIXX lieber als "Hühner-Kanal" als als passable Alternative für US-Serien-Fans, setzt auf die wohl plumpsten Klischees der weiblichen TV-Präferenzen anstatt dem Publikum einen Raum für Selbstidentifikation zu lassen.

Und dann noch die Sache mit dem Huhn

Unterm Strich ist die Kampagne dann doch weniger witzig, wenn man bedenkt, welchen Beigeschmack das Huhn am Plakat hat. Frauen als serienwütige Hühner, die außer romantischen Komödien nichts im Sinn haben? Das impliziert dann natürlich auch, dass SIXX Austria nichts für Männer ist, und so finden wir uns in einer doch sehr langweiligen rosa-blauen Welt wieder. Dabei könnte man sogar im Rahmen der "Frauensender"-Annahme cleverere Kampagnen fahren, denn es ist nicht immer alles gut, was anstößt. In zweifacher Hinsicht hat die Kampagne also gröbere Konzeptionsfehler, und kann meines Erachtens als gutes Beispiel dafür genommen werden, wie man es am besten nicht macht.

Therese Avila Kaiser

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