Kultur – Film / TV

Programmkino

Das Ende der Programmkinos?

29. Oktober 2011 • Film / TV

Die Digitalisierung der Kinos rüttelt an den Grundfesten der österreichischen Kinolandschaft, viele kleine Kinos stehen angesichts der auf sie zukommenden Kosten vor dem Aus.

Mit der bereits angelaufenen Digitalisierung der Kinos ist die ganze Branche im Zustand der Veränderung. Die Zahl der nicht digitalen Filmkopien wird in naher Zukunft drastisch zurückgehen – wer nicht technisch aufrüstet, wird keine neuen Filme mehr spielen können. Und das wird teuer: zwischen 70.000 und 100.000 Euro sind pro digitalisiertem Saal zu bezahlen. Zwar gibt es sowohl vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur als auch von  der Stadt Wien Förderbeihilfen, die Digitalisierung soll aber von den Kinos mitgetragen werden, was für viele aufgrund der enormen Summen ein Ding der Unmöglichkeit darstellt. Zusätzlich sind viele in ihrer rechtlichen Gestaltung zumeist Vereine und dürfen von Gesetzes wegen keine Rücklagen bilden, die dann für eine Digitalisierung aufgewendet werden könnten.

Skeptische, solidarische Branche

Eine Reihe von österreichischen Kinos bildete angesichts der Krisensituation die IG Programmkino. Dieser Moment der Solidarisierung einer bedrängten Branche verdrängt zumindest teilweise die harte  Konkurrenz, die an und für sich zwischen den Programmkinos besteht. Auch Filmemacher stehen der Situation ähnlich gegenüber: sie sind skeptisch, sehen sich jedoch ohne Alternativen dazu, da die Kosten für die bei 35mm Film erforderlichen Kopien nicht mehr tragbar sind. Die Digitalisierung trifft die Kinos und Filmemacher gleichermaßen aus derselben Ecke: beide sind gezwungen, mit einer Technologie zu arbeiten, die sie zum Teil bewußt ablehnen. Da in Zukunft aber alle neuen Filme digitalisiert sein werden, muss jedes Kino, dass sich nicht auf alte Filme beschränken will, digitalisieren, um mithalten zu können. Im neuen, digitalisierten Kino fallen aber für Filmverleihe Druckkosten weg, die zuvor die Rechtfertigung für einen Teil ihrer Einnahmen war. Die Kinos fordern nun, dass die Filmverleihe sich auch beteiligen, beziehungsweise auf ihre gesenkten Kosten mit Zuschüssen an die Kinos reagieren.

Digital und analog

Die gute Nachricht ist, dass die schönen Arthouse-Kinos Hybride bleiben werden. Man will weiterhin imstande sein, 35mm Film zu zeigen und behält die alten Projektoren parallel zu den Neuen. Die analogen Projektoren neben den neuen digitalen aufrecht zu erhalten war eine Selbstauflage der IG Programmkino, um für öffentliche Unterstützung anzusuchen. Gebraucht werden die alten Projektoren weiterhin, denn alle älteren Filme sind natürlich nicht digital vorhanden. Mit dieser Fähigkeit will man in Zukunft aus der Marktschwäche der Programmkinos ein Qualitätsmerkmal machen.

Die Konkurrenz der großen Multiplex-Kinos und die Paradoxa der Wiener Kinoförderungspolitik führten in diesem Jahr bereits zum Ende des Auge Gottes Kino, das aufgrund seiner Größe nicht gefördert wurde, und dennoch einging. Auch um die Breitenseer Lichtspiele steht es schlecht: die Betreiber des ältesten Kino Wiens sind sich nicht sicher, ob man nach Februar nächsten Jahres noch in der Lage sein wird, weiter geöffnet zu halten – und das auch ohne den Kosten der Digitalisierung. Eine weitere Frage, die auch für die Zukunft bereits Angst verbreitet, ist, ob es bei dieser Digitalisierung bleiben wird? Oder kommt in fünf Jahren erneut eine neue Technologie?

Kulturpolitik im Nirgendwo?

Bei der Stadt Wien rühmt man sich mit der Wiener Kinosituation: bei gleich vielen Kinositzplätzen wie im viel größeren Berlin versucht man, die Gefahr eines Kinosterbens rechtzeitig zu bannen. Für die Digitalisierung stellt die Stadt Wien 150.000,- Euro an Fördergeldern bereit. Unmut über die konkrete Förderpolitik gibt es aber immer wieder: alles konzentriere sich auf ein paar Flaggschiffe der Programmkino-Branche, wie das Gartenbaukino, während die anderen Betreiber nur Bruchteile solcher Fördersummen erhalten würden. Darin sehen manche die Auswirkungen einer allgemeinen PR-basierten Kulturpolitik, die auf Eröffnungen und Preisverleihungen setzt, während Institutionen, die wenig Prestige vermitteln, durch die Finger schauen. Bei der IG Programmkino beharrt man darauf, dass man durch den Einsatz der Flaggschiffe, die Digitalisierung auf die politische Agenda dränge, aber dennoch  die gesamte Lage der Kinolandschaft vor Augen habe, obgleich durch den Andrang auf die verhältnismäßig kleine Fördersumme ein Wettkampf zwischen allen beteiligten Kinos bestehe. Ein Kinosterben will man auf jeden Fall verhindern, die Lage einzelner Nachspielkinos bleibt aber dennoch prekär. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

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