Wien – Gut zu wissen

Pius VI und Joseph II

Der Papst in Wien

9. Mai 2013 • Gut zu wissen

Wo betete der Papst?

Der erste offizielle Papstbesuch in Wien hatte ungemütliche Gründe: Papst Pius VI. quartierte sich 1782 für einen Monat in der Hauptstadt ein, um mit Kaiser Joseph II. dessen offensive Reformpolitik auszudiskutieren. Joseph schränkte das Wallfahrtswesen ein, hob die kirchlichen Bruderschaften auf, reglementierte die eigenständigen Ordensschulen, ließ Klöster aufheben und forderte das Recht zur Ernennung und Vergabe geistlicher Pfründe, Bischofssitze, Abteien und Domherrenstellen. Auf Protestbriefe vom Papst reagierte der Kaiser ablehnend, also kam Pius selbst. Die Gespräche brachten nicht viel, außer einer Papstmesse in der Kapuzinerkirche und einem Gebet des Heiligen Vaters am Grab Maria Theresias. Und weil gerade Ostern war, erteilte Pius nach dem Ostergottesdienst im Stephansdom seinen Ostersegen 1782 vom Balkon der Kirche Am Hof aus.

Erst 201 Jahre später kam Johannes Paul II. zum nächsten Papstbesuch. Er feierte 1983 eine „Europa-Vesper“ am Heldenplatz und bezeichnete Österreich als „Spiegel und Modell“ Europas. Für die große Papstmesse wählte man den Donaupark, der in seiner Geschichte schon als Militärschießplatz und Hinrichtungsstätte der Nazis verwendet worden war. Seit der Papstmesse 1983 gibt es hier die Papstwiese mit dem 40 Meter hohen, 56 Tonnen schweren Papstkreuz. Johannes Paul II. widerholte seinen Besuch 1988 und 1998.

Papst Benedikt XVI. kam im September 2007 zu einer kurzen, aber intensiven Wien-Visite: Messe im Stephansdom, Gebet an der Mariensäule bei der Kirche Am Hof, Gedenken der Judenermordungen zur NS-Zeit am Judenplatz und Empfang in der Hofburg. Dort hatte Pius VI. 1782 bei seinem Wien-Aufenthalt gewohnt und 1998 Johannes Paul II. seine flammende Rede für die Ost-Erweiterung der Europäischen Union gehalten.

„Darf’s a bisserl mehr sein?“

Weitere Fragen zu Wien und deren interessante Antworten findest du in Wann verlor das Riesenrad seine Waggons? von Axel N. Halbhuber erschienen im Metroverlag. 

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