Der Spaziergang geht vom Enkplatz zum Würstelwaggon.

Dass man sich auch einmal in den 11. aufmachen sollte, beweist dieser Spaziergang, bei dem wir einiges Unbekannte entdecken.

Simmering (c) STADTBEKANNT Preindl
Simmering (c) STADTBEKANNT Preindl

Am Enkplatz

U3-Station Enkplatz – das ist die Station, bei der wir aus- und zum gleichnamigen Platz hinaufsteigen. Der kleine, aber feine Platz vor der Katholischen Kirche Neusimmering wird samstagvormittags vom Treiben des Bauernmarktes erfüllt. Ein interessantes Detail ist die Sefritsäule am unteren Ende des Platzes. Dieser 400 Jahre alte Bildstock wurde vom Fleischhacker Georg Sefrit gestiftet und zweimal restauriert, wie die Inschrift verrät.

Sefritsäule Simmering (c) STADTBEKANNT
Sefritsäule Simmering (c) STADTBEKANNT

Dreiecke und Pelikane, Herder und Meerjungfrau, Schneider und Knaben

Wir ziehen weiter über die Sedlitzkygasse und Greifgasse zur Geiselbergstraße, wo sich von den Nummern 60 bis 64 eine Fassade des Widholz-Hofes erhebt, dessen Grundriss ein Dreick beschreibt. Dreieckig ist auch die Form des Straßenhofes hin zur Geiselbergstraße. Dort steht der sogenannte Pelikanbrunnen, ein von Alfred Hoffmann gestalteter Brunnen mit Pelikanskulpturen. Das Dreieck als maßgebliche Form des 1925/1926 erbauten Wohnhofes findet sich schließlich auch in den Dreiecksgiebeln wieder.

Widholz-Hof Simmering (c) STADTBEKANNT
Widholz-Hof Simmering (c) STADTBEKANNT

Nach dem deutschen Dichter und Philosophen der Aufklärung Johann Gottfried Herder wurde der benachbarte Herderpark benannt, in dem man ganz wunderbar die Seele baumeln lassen kann, während man am Meerjungfrauen-Brunnen vorbeiflaniert. Es gibt aber auch Sport- und Spielplätze, eine Hundezone und ein Familienbad!

Herderpark Simmering (c) STADTBEKANNT
Herderpark Simmering (c) STADTBEKANNT

In der angrenzenden Lorystraße bzw. an der Ecke zur Gottschalkgasse fällt auf der Fassade des Alfred-Wunsch-Hofes ein Kachelwandbild ins Auge. Es stellt eine Szene aus einem Spottgedicht der 1850er-Jahre dar, nämlich: „Auf der Simmeringer Had‘ hat’s an Schneider verwaht…“ Nur wenige Schritte weiter trifft man auf eine weitere künstlerische Ausgestaltung des kommunalen Wohnbaus, nämlich die Knabengruppe aus Naturstein von Rudolf Schwaiger.

Alfred-Wunsch-Hof Kachelwandbild Simmering (c) STADTBEKANNT Preindl
Alfred-Wunsch-Hof Kachelwandbild Simmering (c) STADTBEKANNT Preindl

Schauplatz Karl-Höger-Hof

Wir wechseln die Straßenseite und gehen vor bis zur Lorystraße 40-42. Hier erhebt sich der architektonisch sehr attraktive Karl-Höger-Hof, der im Februar 1934 umkämpft war. Diesen Gefechten fielen zwei Menschen zum Opfer. Auch in Folge schrieb der Hof eine dunkle Geschichte: Die Nationalsozialisten vertrieben Klara und Jakob Datz 1938 aus dem Wohnhof; der Kündigungsgrund hieß „Nichtarier“, wie die Tafel neben der Durchfahrt erklärt. Später, im Dezember 1944, wurden bei einem Luftangriff elf BewohnerInnen getötet – ihrer wird auf einem Gedenkstein im Innenhof des Gebäudes gedacht. Dort befindet sich auch ein Brunnen mit einer dem Namensgeber des Bauwerks gewidmeten Tafel. Der Buchdrucker und Politiker Karl Höger engagierte sich gewerkschaftlich und war Redakteur der Gewerkschaftszeitung „Vorwärts“.

Karl-Höger-Hof Datz Gedenktafel (c) STADTBEKANNT
Karl-Höger-Hof Datz Gedenktafel (c) STADTBEKANNT

Vom Vogelflug ins Gasthaus Stern

Weiter geht es die Lorystraße entlang bis zur Dommesgasse, in die wir einbiegen und vorgehen bis zur Wohnhausanlage Dommesgasse 1-7, die aus vier Wohnblöcken besteht. Zwischen zweien entdecken wir eine von Josef Seebacher farbenfroh gestaltete Springbrunnenanlage, die aber leider nicht in Betrieb ist. Auf der Fassade des Gebäudes, das direkt an der Simmeringer Hauptstraße liegt, trägt das Mosaikbild „Vogelflug“ von Helene Hädelmayr zur munteren Stimmung bei.

Josef Seebacher Springbrunnenanlage Simmering (c) STADTBEKANNT
Josef Seebacher Springbrunnenanlage Simmering (c) STADTBEKANNT

Nach dieser Besichtigungstour haben wir uns eine feine Mahlzeit verdient. Dafür steht das Gasthaus Stern in der Braunhubergasse 6 bereit! In diesem urigen Vorstadtgasthaus kann man hochqualitative traditionelle Wiener Küche genießen und findet auch Originelles wie Speisen vom Ötscherblickschwein.

Gasthaus Stern (c) STADTBEKANNT
Gasthaus Stern (c) STADTBEKANNT

Das Ende: Grabkapelle und Würstelwaggon

Satt und beschwingt geht es über die belebte Simmeringer Hauptstraße zum Simmeringer Friedhof, wo Grabesruhe herrscht. Unterhalb des Kirchberges (Pfarrkirche Altsimmering) befindet sich die 1880 erbaute Grabkapelle der Familie Rinnböck. Der Unternehmer und Gemeinderat Josef Rinnböck ließ Anfang der 1860er-Jahre mit Ziegeln der ehemaligen Wiener Stadtmauer Wohnhäuser am Beginn der Simmeringer Hauptstraße erbauen – die sogenannten Rinnböckhäuser.

Simmeringer Friedhof (c) STADTBEKANNT
Simmeringer Friedhof (c) STADTBEKANNT

Wir verlassen den Friedhof am Tor zur Straße Unter der Kirche und biegen dann in die Bleriotgasse ein, an deren Ende sich zum Abschluss unseres Simmering-Trips noch zwei Möglichkeiten zur Einkehr bieten: Die Gaststätte Pistauer lockt mit guter bodenständiger Küche und einem herrlichen Gastgarten, wo eine imposante Ulme als Naturdenkmal ausgewiesen ist. Schräg gegenüber findet man einen außergewöhnlichen Würstelstand – hier brutzeln die Würstchen in einem umgebauten Eisenbahnwaggon, wo man es sich auch gemütlich machen kann.

Würstelwaggon (c) STADTBEKANNT
Würstelwaggon (c) STADTBEKANNT

Wo wir waren

Enkplatz

Widholz-Hof
Geiselbergstraße 60-64

Herderpark

Alfred-Wunsch-Hof
Lorystraße 33-37

Karl-Höger-Hof
Lorystraße 40-42

Wohnhausanlage
Dommesgasse 1-7

Gasthaus Stern
Braunhubergasse 6

Simmeringer Friedhof
Unter der Kirche 5

Gaststätte Pistauer
Ravelinstraße 3

Würstelwaggon
Ravelinstraße 2

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