Wien – Leben

Buycott - Bardcode Scanner Vote - Screenshot (c) STADTBEKANNT
Buycott - Bardcode Scanner Vote - Screenshot (c) STADTBEKANNT

Apptipp: buycott

10. März 2018 • Leben, Trends

Eine App für bewusste Einkäufer

Nie wieder etwas von Nestlé oder einem ähnlich gewissenlos agierenden Großkonzern kaufen? Nie wieder Tierversuche unterstützen? Die App buycott klärt per Barcode-Scanner auf, was man über ein Produkt wissen sollte. 

Normalerweise ist das Boykottieren gewisser Produkte vor allem eines: leicht gesagt. Denn wer weiß schon wirklich, wie das Joghurt, die Schokolade oder der Eistee im Einkaufswagerl zustande gekommen sind? Wer weiß schon, ob für das Produkt Menschen ausgebeutet, Tiere gequält, die Umwelt verdreckt oder Regenwald vernichtet wird? Auch über die Firmen und Eigentümer hinter den Marken weiß man für gewöhnlich nicht allzu viel. Zu verworren, zu verwoben sind die Netzwerke des globalen Marktes. Und zu anstrengend das Selber-Recherchieren.

 

Ein nicht ganz unpolitischer Traum

Manchmal kauft man auch etwas und weiß dabei nicht einmal, dass man eine politische Partei sponsert. So geschehen etwa in den USA, wo viele Menschen beim Klopapierkauf nicht bedachten, dass die Marke Koch Industries und damit den Brüdern Koch gehört, die der extrem konservativen Tea-Party-Bewegung angehören und Millionen für Klimawandel-Leugnungs-Agitation ausgeben. Die zentrale Frage lautet daher: Kaufen Menschen das Klopapier weiterhin, wenn sie erfahren, wen und was sie damit unterstützen? Oder greifen sie doch eher zu einem anderen Produkt?

Die politisch brisante Klopapier-Affäre war mit ein Grund, warum  die IT-Spezialistin und Politikerin Darcy Burner die App buycott 2013 ins Leben rief. Das Motto ihrer App lautet selbstbewusst: „Vote with your wallet“ – „Wähle mit deinem Geldbörsel“. Dahinter steckt die Vision eines mündigen Bürgers, der per Kaufentscheidung selbst bestimmt, welche Politik er unterstützen möchte, und welche eben nicht.

 

Sich informieren und partizipieren

Damit dieser Traum vom Mitbestimmen auch wirklich alle erreicht, ist die App kostenlos für Androi, iOS und Chrome erhältlich. Und so geht’s: Einfach den Barcode eines beliebigen Produktes scannen, und schon sind unter anderem folgende Infos ersichtlich:

Wer hat das Produkt hergestellt?
Wem gehören die Marken und Herstellerfirmen, und wie hängen sie zusammen?
Welche Arbeitnehmerschutz-, Tierschutz- und Umweltpolitik betreibt die fragliche Firma?
Welche politischen Agenden fördert die fragliche Firma oder deren Eigentümer?

Voraussetzung für dieses Füllhorn an Information ist natürlich, dass das Produkt in der (stetig wachsenden) buycott-Datenbank vertreten ist. Übrigens: Zusätzlich zur Info-Funktion erlaubt die App dem Nutzer auch, Kampagnen zu unterstützen. Ob eine Petition zur Rettung der Bienen, eine Anti-Palmöl-Kampagne oder der Kampf für faire Löhne von Kaffeeplantagen-Arbeitern, die Auswahl an Kampagnen ist durchaus beträchtlich.

 

STADTBEKANNT meint

Die App buycott hilft dem nachhaltig denkenden Nutzer, mit nur einem Scanvorgang zu erkennen, welche Eigentümer und Unternehmenspolitiken sich hinter einem Produkt verbergen. Dabei wird nicht nur das Negative in den Vordergrund gestellt: Während die App erbarmungslos über Fehltritte informiert, zeigt sie auch auf, welche Firmen sich „vorbildlich“ verhalten und vielleicht sogar selbst Kampagnen für den noblen Zweck unterstützen. Als Kaufempfehlungs-App ist Buycott jedoch nicht zu verstehen – eher als lebendiges Info-Netzwerk mit Partizipationsmöglichkeit.

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