Wien – Grätzltipps – 1. Innere Stadt

(c) nohl stadtbekannt
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Der Stephansplatz

14. Jänner 2014 • 1. Innere Stadt, Grätzltipps, Wien

Er wird als Miniatur vergoldet und in Schneekugeln verpackt, er dient der Manner Schnitte als Logo, er borgt einem Kaufhaus in der Kärntner Straße seinen Spitznamen und seine Glocke läutet zuverlässig das neue Wiener Jahr ein. Tagtäglich drängen sich hunderte Touristen vor die Linsen ihrer Kameras, um dann als kleiner Punkt vor dem mächtigen Dom fotografisch festgehalten zu werden, während wir Wiener ihn fast nicht einmal mehr wahrnehmen.

Der Stephansdom strahlt Zuversicht und Beständigkeit aus und wirkt dabei regelrecht gelangweilt von den Touristenscharen, die sich um das beste Motiv mit ihm reißen. Zurecht also, dass Wiens Einwohner ihn nicht ganz bemerken wollen, er möchte wohl eh ein wenig in Ruh‘ gelassen werden. Das hindert uns von stadtbekannt aber nicht, den Dom einen Tag lang zu umkreisen und zu sehen, was der Stephansplatz so zu bieten hat, natürlich immer wissend, dass uns das Wahrzeichen mit seinem Schatten begleitet.


Stephansdom Miniatur

Wir beginnen den Spaziergang bei einer kleinen bronzenen Stephansdom-Miniatur, die uns einen Überblick quasi wie aus Vogelperspektive gewährt ohne dabei den Großen Dom stören zu müssen.


Eine Rose für die Liebste

Mit diesem ersten visuellen Eindruck lassen wir uns nun von den olfaktorischen Sinnen leiten und schlendern über Kopfsteinpflaster hinein in das duftende Blumenparadies des Blumenhaus‘ am Dom. Schon manch‘ ein Liebhaber hat dort noch schnell eine Rose geholt für die schöne Frau, mit der er sich vor den großen Pforten des Domes verabredet hat.


Altbewährtes Lottoglück

Wer sein Glück jedoch nicht mit Liebe, sondern mit Geld versuchen möchte, der sollte sich ein paar Schritte weiter in jener Trafik mit Lotto versuchen, die bereits seit 1752 Menschen in Reichtum oder Armut geführt hat. Die Zahlen werden übrigens stilgerecht an der Fassade vom Geschäft auf einer Tafel ausgeschrieben.


Tee zwischen Tradition und Trend

Mit frisch ausgefülltem Schein und guter Hoffnung wagen wir uns im historischen Schatten des Doms ein paar Schritte weiter und brechen auf zu einer farbenfrohen Reise durch die Welt der Tees bei Haas & Haas. Doch wer glaubt, in diesem Traditionshaus nur klassische Sorten zu finden, der hat die Rechnung nicht mit Eva Haas gemacht. Reiselust und Spürsinn sowie eine große Portion Leidenschaft entlocken der Grande Dame Trends wie Matcha Tee, sizilianische Wochen oder besondere Kräutermischungen. Wer übrigens aus Ziehzeitpanik um die Qualität des Heißgetränkes bangt, dem sei zumindest im Café- und Restauranttrakt die Angst genommen, denn dort wird der Tee bereits fertig serviert.


Altrosa Schnitten

Gesättigt und zufrieden holen wir uns dann aber in die Wiener Realität zurück und pilgern sogleich zu den altrosa Schnitten, bei denen auch Eva Haas schwach wird, wie sie uns verraten hat. Das kleine süße Mannergeschäft am Eck‘ zur Rotenturmstraße bietet allerlei Varianten für Liebhaber und Touristen an. Ausgerüstet mit einer überdimensional großen Packung Mannerschnitten verlassen wir das Geschäft und blicken direkt auf die wiehernden Beiboote des Stephansdoms.


Hochtrabend aber imperial

Auch wenn die Preise etwas hochtrabend sind, wollen wir uns die Chance nicht entgehen lassen, einmal die Innenstadt ganz imperial aus einem Fiaker heraus zu betrachten und dem Volk gnädig zuzuwinken – zumindest in Gedanken. Wer Glück hat, erwischt übrigens die rosa Manner Kutsche! Dort lässt sich unser kaiserliches Proviant nämlich besonders gut genießen. Schon komisch eigentlich, dass es hier mitten in der Stadt nach Pferd riecht und es keinen wundert oder gar stört. Die Fahrt jedenfalls ist schon zu Ende und wir bestaunen noch die von Hufen abgeschürften Pflastersteine während wir uns schon zu einem Espresso ins Café Weinwurm begeben.


Christlicher Stephansplatz

Voller Kraft geben wir uns schließlich der religiösen Seite des Platzes hin und bestaunen die spezielle Auswahl an Rosenkränzen, Krippen und Kruzifixen, die in den Geschäften rund um den Dom, wie etwa bei Kirche und Kunst, erhältlich sind.


Onyx oder Aragall?

Nach diesem frommen Exkurs machen wir uns schick für ein Abendessen im Do&Co hoch oben im Haas Haus. Das vielleicht schönste Restaurant der Stadt verwöhnt den Mund mit kreativen Speisen und die Augen mit dem besten Blick auf das Wahrzeichen Wiens. Noch beeindruckender ist sein Anblick aber ein Stockwerk tiefer in der Onyx Bar, wo vorwiegend Restaurant- und Hotelgäste Cosmopolitain und Co. genießen dürfen. Wer keinen Platz bekommen hat, darf zwei Häuser weiter einem Geheimtipp nachgehen. Die Bar Aragall im Hotel am Stephansplatz ist glücklicherweise für alle zugänglich.


Am Nachhauseweg

Die Pferde sind mittlerweile schlafen gegangen, die Touristen in ihre Hotels zurückgekehrt und auch wir werden uns langsam nach Hause bewegen nach einem aufregendem Tag am so vielseitigen Stephansplatz, einem Ort, der gleichermaßen historisch, religiös, wie romantisch, als touristisch aber auch geheim und vor allem wienerisch sein kann. Und stets wacht in seiner Mitte der Stephansdom über ganz Wien und seine Wiener.

Christina Nohl

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