Wien – Gut zu wissen

Türkischer Tempel Plan Hugo von Wiedenfeld

Türkischer Tempel

3. Mai 2013 • Gut zu wissen

Wie kommt ein Türkischer Tempel nach Wien?

Die jüdische Geschichte in Wien beginnt mit Schlom, dem Münzmeister des babenbergischen Herzogs Leopold V., dessen Name erstmals 1194 in den Quellen genannt wird. Das jüdische Alltagsleben wurde von der Gesetzgebung stark eingeschränkt.

Erst nach Jahrhunderten der Verfolgung und Vertreibung wurden den Juden in Wien gewisse Sonderrechte eingeräumt. Den aus dem osmanischen Reich zugewanderten Juden (Sepharden), die als Kreditgeber und Händler nach Wien geholt worden waren, wurde 1736 erlaubt, eine eigene Gemeinde zu gründen – ein Vorrecht, dass den Wiener Jüdinnen und Juden noch mehr als hundert Jahre lang verwehrt bleiben sollte.

Zwischen 1885 und 1887 wurde ihre Synagoge, der Türkische Tempel, von Hugo von Wiedenfeld in der heutigen Zirkusgasse im 2. Bezirk errichtet. Sie ist der Alhambra, einer bedeutenden Stadtburg in Granada, nachempfunden.

1852 wurde die Gründung der Israelitischen Kultusgemeinde erlaubt. Die Wiener Gemeinde identifizierte sich zunehmend mit der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, was ihr auch den Weg ins Großbürgertum und in die Aristokratie ebnete. Aber der aufkommende Antisemitismus gegen Ende des 19. Jahrhunderts, angeheizt durch Parolen des Bürgermeisters Karl Lueger, erschwerte das Alltagsleben. Mit dem Einmarsch der Hitler-Truppen im März begann ein unvergleichbarer Leidensweg: In der Nacht von 9. auf 10. November, während des sogenannten „Novemberpogroms“, wurden die jüdischen Geschäfte, Bethäuser und Synagogen zerstört – darunter auch der im maurischen Stil erbaute Türkische Tempel. 130.000 Menschen verließen bis 1941 das Land, 65.000 deportierte Wiener Jüdinnen und Juden fanden in den Vernichtungslagern den Tod.

Nach dem Krieg sah sich das offizielle Österreich als erstes Opfer Hitlers und leugnete jahrzehntelang seine Mitschuld an den Nazi-Verbrechen. Das öffentliche Interesse, den Vertriebenen eine Heimkehr zu ermöglichen, war entsprechend gering und auch die Frage nach Restitution wurde lange aufgeschoben. Erst infolge der Waldheim-Affäre in den 1980er Jahren kam es zu einem Umdenken und einer Enttabuisierung des Themas. Ab 1992 beschloss der Nationalrat die Entschädigung vertriebener Juden und der Zwangsarbeiter, ab 2001 die Restitution.

Heute ist das jüdische Alltagsleben wieder zu einem Teil des Wiener Straßenbildes geworden – vor allem im 2. Bezirk, der ehemaligen Mazzesinsel. Die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) Wien geht davon aus, dass in Österreich rund 15.000 Juden und Jüdinnen leben.

„Darf’s a bisserl mehr sein?“

Weitere Fragen zu Wien und deren interessante Antworten findest du in Wann verlor das Riesenrad seine Waggons? von Axel N. Halbhuber erschienen im Metroverlag.  

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