Wien

Wie hasserfüllt bist du (c) STADTBEKANNT
Wie hasserfüllt bist du (c) STADTBEKANNT

Wie hasserfüllt bist du?

31. Jänner 2018 • Wien

Reden wir über Hass!

Vieles, was landläufig als Hass bezeichnet wird, ist kein Hass im eigentlichen Sinne, sondern “nur” Abscheu oder Abneigung.

So hassen wir etwa Zahnarztbesuche, Spinnen, Nazis oder den Song Last Christmas. “Echter” Hass jedoch definiert sich nicht durch Nicht-Mögen oder Verachten, sondern beinhaltet auch den Drang, einem Menschen zu schaden und dadurch Lust zu empfinden. Also ein bisschen wie ein Comic-Superbösewicht. Oder Herr Blofeld, der James Bond so abgrundtief hasst, dass er automatisch bösartig zu lachen anfängt, wenn er ihn quält.

 

Welche Arten von Hass gibt es?

Der Psychologe Erich Fromm nennt zwei Arten von Hass:

Reaktiven Hass empfindet man in einer Situation der Kränkung, Verletzung, Bedrohung und/oder Frustration. Beispiele: Der Hass auf den Schul-Bully, der einen immer verprügelt hat, oder der Hass auf die Funsn von Kollegin, die hinter dem Rücken über einen lästert.

Charakterbedingter Hass hingegen ist ein nicht situationsbezogenes Persönlichkeitsmerkmal und äußert sich in einer allgemeinen Feindseligkeit gegen andere und sich selbst. Meist projiziert sich der Hass auf einzelne Personen und/oder Gruppen. Das Ausleben des Hasses wird als Genugtuung oder sogar Spaß erlebt. Gegen wen es geht, ist weitgehend egal. Antriebsmotor dieses Hasses ist meist die eigene Unzufriedenheit – ein Prinzip, das Propaganda, Hetzkampagnen und Mobbing erst zu ihrem Erfolg verhilft.

 

Warum treten wir immer nach unten?

Damals am Schulhof war es meistens der Kleinste oder der Außenseiter, der von den Größeren, Stärkeren mit Schnee eingerieben wurde. Heute am Stammtisch trifft es Minderheiten wie Flüchtlinge, Arbeitslose oder Homosexuelle.

Schuld daran ist ein einfacher wie hässlicher Wesenszug des Menschen: Man fühlt sich gut, wenn man sich mit Schwächeren vergleicht und sich überlegen fühlen kann. Aus dem Blickwinkel der Evolution heraus ist das logisch. Wer beim Jagen mehr erbeutete als andere, hatte einen Vorteil. Und erlebte ein kleines High im Kopf: “Ich bin besser!” Heute ist Überlegenheitsgefühl nicht mehr vom Erfolg beim Jagen abhängig. Beliebige Kriterien wie Hautfarbe, Religion oder Geschlechtszugehörigkeit können durch Politik ideologisch aufgeladen werden und einer gewissen Gruppe Überlegenheit signalisieren, während andere Gruppen als “minderwertig” gekennzeichnet werden.

Wir sind aber keineswegs gezwungen, den billigen Selbstwert-Booster namens “Treten nach Unten” auch zu nutzen. Immerhin gibt es auch andere Möglichkeiten, sich Befriedigung zu verschaffen.

 

Warum hassen wir Personen, nicht Probleme?

Eine ganz normale Situation auf der Südautobahn: Es staut. Herr Otto K. sitzt am Steuer und schimpft wie ein Rohrspatz. Warum fährt der Trottel vor ihm nicht weiter? Sch*%”&%§! Audi-Fahrer, warum ist der schneller auf der Spur nebenan??

Eigentlich müsste Herr Otto auf den Stau schimpfen – doch das Problem kann er gerade nicht lösen. Also muss jemand anderes herhalten. Warum? Der Grund ist in der Psychologie des Menschen zu finden: Hass im Sinne eines Heruntermachens anderer erhöht das Selbst und verschafft so schnell Befriedigung. Versuche, ein komplexes Problem zu lösen und dabei Rückschläge zu erleben, sind anstrengend, kompliziert und frustrierend. Manche Probleme sind auch nicht gleich in der Situation lösbar.

Das Prinzip lässt sich übrigens gut auf die Politik umlegen: Wer Hass gegen Personen (gruppen) schürt, löst damit zwar kein einziges Problem, verschafft seinen Anhängern aber zumindest das Gefühl, besser zu sein als andere. Und hat obendrein noch weniger Arbeit, da es für Hass bekanntlich keine Problemlösungskompetenzen braucht.

 

Wie können wir weniger hassen?

Dass Hass auf Dauer nicht gesund ist – weder für uns selbst, noch auf andere, die ihn zwangsläufig abbekommen – ist kein allzu großes Geheimnis. Aus diesem Grund sollten wir uns die Frage stellen: Wie können wir dem überall kursierenden Hass begegnen, ohne selbst davon angesteckt zu werden? Und, falls wir zum Hass neigen – wie können wir den Hass in uns loswerden?

Als ersten Schritt kann es helfen, mit sich selbst ins Reine zu kommen: Wer zufrieden ist und in Harmonie mit der Welt steht, hat weniger Grund, seine Unzufriedenheit an anderen auszulassen …

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