Was ist Verteilungsgerechtigkeit?

Verteilungsgerechtigkeit (c) STADTBEKANNT Mehofer

Das rechte Stück vom Kuchen

Ressourcen sind dann gerecht verteilt, wenn jedem Menschen das Stück vom Kuchen zugeteilt wird, das er verdient.

Blöd nur, dass jeder etwas anderes darunter versteht! Unser sozialer Status, definiert von Faktoren wie Alter, Geschlecht, Vermögen oder Ideologie, bestimmt maßgeblich mit, was wir als gerecht empfinden.

Wie würden wir aber Güter verteilen, wenn wir anschließend an einer Lotterie teilnehmen müssten, um dann mit irgendeinem anderen Erdenbürger das Leben zu tauschen?

 

Gedankenexperiment

Dieses fiktive Gedankenexperiment verdanken wir dem Philosophen John Rawls (1921-2002): Um für die Bevölkerung der ganzen Welt eine möglichst gerechte Verteilung von Rechten, Einkommen, Vermögen und Lebenschancen zu erreichen, wird eine Verfassung ausgehandelt. Die Verhandler betreten dafür einen Raum, in dem sie vom “Schleier des Nichtwissens” bedeckt sind und nicht wissen, wer sie sind. Einflüsse von Status, Herkunft, Gesundheit, Geschlecht, Alter o. Ä. fallen somit weg.

Wenn die Verhandler ihre Verfassung beschlossen haben, treten sie aus dem Raum heraus und bekommen eine Identität per Los zugeteilt. Da es möglich ist, als indischer Paria in den Raum hineinzugehen und als schwedischer Ingenieur herauszukommen – oder eben umgekehrt – sollte es im Interesse der Verhandler sein, gerechte Lösungen zu finden, mit denen alle leben können.

 

Neue Weltordnung

Eine Weltordnung wie derzeit, in der das reichste Prozent der Weltbevölkerung mehr als die restlichen 99% besitzt, und in der 62 Personen so viel besitzen wie die gesamte ärmere Hälfte der Welt, wäre nach einer derartigen Verhandlung zumindest höchst unwahrscheinlich.

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