Ferdinandstraße Gedenktafel (c) STADTBEKANNT Jungwirth

Große Wienerinnen

Die Wiener Autorin Veza Canetti hatte ein ganz besonderes Talent. Sie fing Stimmungen auf und verarbeitete sie mit Geschick und Ironie in ihren literarischen Texten.

Ihre Karriere als Schriftstellerin begann in der Zwischenkriegszeit, die von gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen geprägt war. Veza, die damals noch Taubner-Calderon hieß, gelang es, diese aufgeheizte Atmosphäre lebendig in Kurzgeschichten zu beschreiben und gesellschaftliche Ungerechtigkeiten kritisch infrage zu stellen. Sie veröffentlichte ihre Texte in der Arbeiter Zeitung, allerdings auf Wunsch des Herausgebers unter Pseudonymen. Denn Veza war Jüdin, und der Antisemititsmus nahm zu dieser Zeit rapide zu.

Schauplatz Wien

Vor ihrer Ehe mit dem Schriftsteller Elias Canetti lebte Veza mit ihrer Mutter in der Ferdinandstraße in der Wiener Leopoldstadt. Das Leben und Treiben an diesem Ort inspirierten sie zu ihrem Roman Die Gelbe Straße, der lebhafte und ungeschönte Einblicke in das Leben im Wien der Zwischenkriegszeit gibt.

Flucht vor dem Nationalsozialismus

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1938 mussten Veza und Elias aus Österreich fliehen. Sie fanden Exil in England und lebten dort als Flüchtlinge in ärmlichen Verhältnissen. Veza hatte ihre Publikationsmöglichkeiten verloren, doch sie schrieb weiterhin. In Kurzgeschichten verarbeitete sie ihre Exil-Erfahrungen und abermals zeigte sich ihr Talent, Stimmungen literarisch aufzugreifen.

Im Exil vergessen

Das Leben im Exil war schwer, doch Veza war weiterhin bemüht, Veröffentlichungsmöglichkeiten für ihre Romane und Kurzgeschichten zu finden. Es fand sich jedoch kein Verlag, der ihre Texte publizieren wollte. Sie unterstützte auch ihren Mann Elias unermüdlich bei seiner schriftstellerischen Karriere. Als Veza starb, geriet auch ihr Werk endgültig in Vergessenheit. Erst 1992 wurde Vezas Roman Die Gelbe Straße posthum veröffentlicht und ihr literarisches Werk wiederentdeckt. In Wien ist heute neben einem Park auch ein Literaturpreis nach Veza Canetti benannt, beide Würdigungen halten die Erinnerung an die Autorin aufrecht.

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