Tabuthema Regelblutung

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Ja, ich blute!

Menstruation ist nach wie vor ein Tabuthema. Dass die Periode gesellschaftlich so negativ betrachtet wird, hat für Frauen weltweit unangenehme Folgen. Doch mittlerweile gibt es immer mehr Bewegungen, die dem Stigma den Kampf angesagt haben.

Blumen statt Blut

Weiße Hosen, sterile blaue Flüssigkeit, blumiger Frischeduft. Dass die Realität der Periode anders aussieht, wissen Frauen spätestens seit ihrer ersten Regelblutung. Flüssigkeit, die gezielt in die blaue Zone der Binde läuft und ein Tampon, der jeden Tropfen auffängt, das mag vielleicht in der Werbewelt so sein. Die zahlreichen Unterhosen, die wir regelmäßig zu Grabe tragen, widersprechen diesem Bild aber vehement. Mark Rothkos großflächige rote Bilder sind nichts im Vergleich zu so manchem Kleidungsstück, das der roten Welle zum Opfer gefallen ist.

Klar, das sind natürlich die weniger erfreulichen Seiten der Regel. Trotzdem ist die Regelblutung das Natürlichste der Welt und eines ganz bestimmt nicht: eklig. Tabuisiert wird sie aber immer noch. An der Kassa legen wir leicht beschämt unsere Periodenprodukte aufs Band, im Flüsterton bitten wir andere Mädels um einen Tampon, der anschließend — eher einem illegalen Drogendeal gleichend — ganz unauffällig Besitzerin wechselt.

In der Regel wird es blutig

Ja, platte Wortspiele bieten sich hier natürlich an. Aber es wird nun einmal blutig, immerhin muss unsere Gebärmutter die aufgebaute Gebärmutterschleimhaut wieder ausschwemmen, die sie doch eigentlich für ein mögliches befruchtetes Ei vorbereitet hat. Dass Frauen aber häufig immer noch als „unrein“ bezeichnet werden, wenn sie menstruieren, verstärkt das gesellschaftliche Tabu. In Teilen der Welt haben Frauen zudem keinen Zugang zu Periodenprodukten. Die in der Not angewendeten, unhygienischen Alternativen (schmutzige Tücher, altes Papier) erhöhen das Risiko der Frauen, an Infektionen zu erkranken. Ein Tabubruch ermöglicht daher auch ein besseres gesellschaftliches Bewusstsein und erleichtert in weiterer Folge Frauen weltweit das Leben. Es wird also viel mehr behandelt, als nur ein vermeintlich „peinliches“ Thema.

Jetzt tu nicht so, du Mimose!

Die Menstruation kann mitunter auch ziemliche Schmerzen bereiten, besonders, wenn frau unter Endometriose leidet. Nicht nur Word unterstreicht den Begriff als unbekannt, auch wenige Frauen wissen von dieser Erkrankung. Erst seit einigen Jahren gibt es eine verstärkte Auseinandersetzung mit dem Thema, in Österreich gibt es mittlerweile zumindest eine Handvoll Endometriose-SpezialistInnen. Bei Endometriose wächst Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) außerhalb der Gebärmutter und kann starke Schmerzen verursachen. Viele Frauen, die mitunter als Mimose oder wehleidig bezeichnet wurden, finden nun endlich einen Grund für ihre teils unerträglichen Regelschmerzen. Es konnte auch ein Zusammenhang zwischen unerfülltem Kinderwunsch und Endometriose hergestellt werden. Wenn ich aber im Gespräch mit meiner Gynäkologin höre, dass der Forschungsstand bezüglich Endometriose noch in den Anfängen steckt, stellt sich mir unweigerlich die Frage, wieso eine solche Erkrankung (die immerhin eine von zehn Frauen betrifft), erst so spät entdeckt wurde.

Widerstand ist nicht zwecklos

Das Tabuisieren der Regelblutung ist eng mit der gesellschaftlichen Ungleichbehandlung von Frauen verbunden, bei der auch der weibliche Körper häufig negativ betrachtet wird. Mittlerweile gibt es aber immer mehr Initiativen, die sich darum bemühen, das Stigma rund um die Menstruation zu bekämpfen. Ob witzig-frech verpackte Periodenprodukte, zugänglich und humorvoll formulierte Fachliteratur, Sketche von Komikerinnen oder Cartoons — sie alle helfen, das Tabu zu brechen und bestärken einen öffentlichen Diskurs. Dass eine Dokumentation über Menstruation sogar einen Oscar gewonnen hat, lässt hoffen, dass das Thema auch in den nächsten Jahren öffentlich diskutiert wird und eines Tages nicht mehr im Flüsterton, sondern ganz selbstverständlich über die Periode gesprochen wird.

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