Eine Tour in der Natur.

Mit der Straßenbahn 43 begeben wir uns in den Nordwesten Wiens und entdecken dort in der Natur verstreut historische Kleinodien und andere Besonderheiten.

Von Bürgermeistern, Liederfürsten und Waldschnepfen

Wir steigen eine Station vor der Endhaltestelle beim Himmelmutterweg aus: Schon kann man in den Gärten die flinken „Oachkatzln“ beobachten und spürt, dass man (fast) im Reich der Natur angekommen ist.

Wo die Alszeile in die Dornbacher Straße übergeht, stoßen wir auf das Haus, in dem Ferdinand Pasching (1832-1894) lebte, der letzte Bürgermeister Dornbachs bis zur Eingemeindung zur Gemeinde Wien im Jahr 1891. Heute ist hier das Konsulat der Kapverdischen Inseln untergebracht.

Dornbach - Ehemaliges Bürgermeisterhaus (c) STADTBEKANNT
Dornbach – Ehemaliges Bürgermeisterhaus (c) STADTBEKANNT

In Richtung Straßenbahnendhaltestelle weiterwandernd, passiert man bei Hausnummer 86 einen kleinen Bauern-Laden mit feinen Köstlichkeiten und erblickt auf der gegenüberliegenden Seite ein Gebäude, auf dessen Fassade eine Tafel darauf hinweist, dass hier im Sommer 1827 der „unvergessliche Liederfürst“ Franz Schubert residierte.

An der Ecke von Haus Nummer 88 fällt einem ein Kranz mit einem goldenen Vogel ins Auge. Den dazu passenden Spruch findet man auf der Frontseite des Gebäudes, bei dem es sich um das ehemalige Gasthaus Zur güldenen Waldschnepfe handelt. Auch heute wird hier noch bzw. wieder aufgekocht und im feinen Ambiente der Trattoria ALTO Südtiroler Küche geboten.

Dornbach -  Ehemalige Waldschnepfe (c) STADTBEKANNT
Dornbach – Ehemalige Waldschnepfe (c) STADTBEKANNT

Schloss hinter Gittern

Wir verlassen die Dornbacher Straße und gehen die Waldegghofgasse hinauf, die am Park des barocken Neuwaldegger Schlosses entlang führt. Das Schloss kann man nicht in seiner ganzen Pracht bewundern, da es hinter Mauern und Zäunen verborgen ist. Hier nehmen wir die Fährte des Grafen Lacy auf, der die Geschichte des Areals, das wir durchwandern, wesentlichen geprägt hat. Der gebürtige Sankt Petersburger Franz Moritz Graf Lacy war Feldmarschall der k. und k. Armee und Freund von Kaiser Joseph II. 1765 erwarb er das Anwesen und ließ den ersten englischen Landschaftsgarten Österreichs anlegen, der später in den Besitz der Adelsfamilie Schwarzenberg überging, weshalb er heute auch Schwarzenbergpark genannt wird.

Dornbach - Schloss (c) STADTBEKANNT Preindl
Dornbach – Schloss (c) STADTBEKANNT Preindl

Olé! Allee!

Eine Freude ist der Spaziergang durch die insgesamt 2,2 Kilometer lange Schwarzenbergallee, die an einer Stelle von zwei Obelisken gesäumt wird. Vom Krächzen der Krähen begleitet, durchschreitet man dieses magisch wirkende „Portal“. Für Verwunderung sorgt der Schriftzug KYSELAK auf dem linken Obelisken. Dahinter steckt (sofern es keine Fälschung ist) der Alpinist und Hofkammerbeamte Josef Kyselak, der sich im frühen 19. Jahrhunderts mit seinen „Tags“ an vielen Orten verewigte.
Maria-Theresien-Schaukel heißen die Obelisken im Volksmund, da die Kaiserin veranlasst haben soll, zwischen ihnen eine Schaukel zu installieren.

Obelisken (c) STADTBEKANNT Preindl
Obelisken (c) STADTBEKANNT Preindl

Das Beisl Zur Allee gleich nach der Fußgängerunterführung eignet sich hervorragend für eine Rast. Neben selbstgemachten Mehlspeisen und Keksen werden hier auch viele gluten- und weizenfreie Speisen serviert.

Das Beisl Zur Allee (c) STADTBEKANNT Preindl
Das Beisl Zur Allee (c) STADTBEKANNT Preindl

Im Wald und im Gebüsch

Nun machen wir noch einen Abstecher zur letzten Ruhestätte des Grafen Lacy: Das klassizistische Mausoleum, in dem er 1801 beigesetzt wurde, befindet sich mitten im Wald. Ob einem hier wohl auch die nach ihrem Fundort benannte Gattung der Stachelkäfer Mordellistena neuwaldeggiana über den Weg läuft?

Lacy Grabmal (c) STADTBEKANNT Preindl
Lacy Grabmal (c) STADTBEKANNT Preindl

Zurück auf der Höhenstraße gehen wir vor bis zum Kreisverkehr und biegen dann in die Neuwaldegger Straße ein, um gleich linkerhand einer mehr als authentischen Greißlerei einen Besuch abzustatten, denn die Anzahl dieser Nahversorger schwindet (abgesehen vom Trend der neuen Greißlereien) leider rapide.

Greisslerei (c) STADTBEKANNT Preindl
Greisslerei (c) STADTBEKANNT Preindl

Über die Neuwaldegger Straße – vorbei an Villen, Zwergenhäusern und einer Kletterhalle – spazieren wir zurück zur Straßenbahnhaltestelle. Wählt man eine Abkürzung, führt einen diese zum Heurigen Wilhelm Busch, der tatsächlich von allerlei Gebüsch umgeben ist und den Reim in den Sinn ruft:

Max und Moritz im Verstecke
Schnarchen aber an der Hecke,
Und vom ganzen Hühnerschmaus
Guckt nur noch ein Bein heraus.

Dornbach - Wilhelm Busch (c) STADTBEKANNT
Dornbach – Wilhelm Busch (c) STADTBEKANNT

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