Sommer, Sonne, Wasser

Badeurlaub in Wien? Ja, das gibt es wirklich. Wien ist nicht nur eine der grünsten Städte weltweit mit eigenem Weinbau, sondern kann auch in Sachen Wasser anderen Destinationen das Wasser reichen. Die Krönung: viele der Wasserplätze sind mit dem Rad einfach erreichbar, ob mit dem eigenen oder mit einem der 1500 Citybikes, die die Stadt Wien an 121 Stationen zur Verfügung stellt. Diesen Sommer wird die Donau mehr denn je unser beliebtestes Badeziel sein.
Seit langem ist aus dem wilden Fluss im Wiener Raum ein relativ freundliches Gewässer geworden.
An das frühere Mäandern der Donau erinnern heute noch ihre etappenweise regulierten Flussarme und viele kleine Gewässer quer über die Stadt.

Stille Wasser und belebte Donaubäder

Die Alte Donau ist der Arm, der als erster im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts reguliert wurde und dient seither der Wiener Bevölkerung Sommer für Sommer als Ruheoase und Badeparadies.
Der Floridsdorfer Wasserpark, der in einigen Jahren seinen hundertsten Geburtstag feiert, bildet den nördlichen Rand der Alten Donau – eine kleine, stille Auenlandschaft im Park mit Teichen und Brücken im japanischen Stil: ein stimmungsvoller Einstieg für unsere Donauradtour.
Während sich hier aufgrund der warmen Strömung über den Hubertusdamm Wasservögel tummeln, fahren wir schon in Bälde an einer anderen Spezies vorbei, die auch das Wasser liebt: den Badenden Wiens, die sich diesen Sommer besonders auf der frei zugänglichen Roma- und der Angeliwiese oder in den vielen kleinen Buchten des Dragonerhäufels (Häufel, Wienerisch für Haufen und eine angeschwemmte Insel bezeichnend, an mehr solcher Häufel kommen wir im Laufe des Tages vorbei) ihr Plätzchen suchen, so auch wir, bevor wir an den traditionsreich-urigen Strandbädern vorbeiradeln.

Angelibad (c) STADTBEKANNT
Angelibad (c) STADTBEKANNT

Freizeitflair an der Donaupromenade

Weiter geht es durch den Donaupark an die Neue Donau, wo wir uns links halten, dem urwienerischen Gänsehäufel zuwinken, und bald schon an der U1-Station Donauinsel in Kaisermühlen sind. Dort überkommt uns nicht der Blues, sondern jenes Hochgefühl, das es wohl vielleicht nur in Wien gibt: in einer Großstadt und in einem der vielen Wiener Grätzl zugleich zu sein. Hinter uns ragt Wienhattan in die Höhe, vor uns Segelboote und Spazierende, die zwischen Donauinsel und Donaupromenade hin- und herwandern, und in der Ferne grüßt uns unser Leopoldsberg.
Während wir in diesem Hochgefühl weiterradeln, erstreckt sich rechts neben uns die 21 km lange und fast zwei Millionen Bäume beherbergende Donauinsel mit ihrer großen Artenvielfalt, was sowohl die Freizeitmöglichkeiten als auch die Fauna und Flora betrifft. Wir behalten sie uns für den Heimweg auf und treten weiter in die Pedale bis zum Biberhaufen(!)weg. Dieser führt uns hinein in die Obere Lobau.

Donau Schilf (c) STADTBEKANNT
Donau (c) STADTBEKANNT

Leben und leben lassen in der Lobau

Lange Zeit war die Lobau, eines der letzten intakten Augebiete Europas, wie so viele Grünareale in Wien kaiserliches Jagdgebiet. Bereits 1905 aber wurde sie zum Schutzgebiet erhoben und 1997 von der UNESCO offiziell des Schutzes würdig erklärt. Ein wenig schottrig wird unser Weg jetzt, wenn wir auf die Dechantlacke zufahren, belohnt werden wir jedoch von schattenspendenden Bäumen. Lacke, wieder so ein Urwienerwort, das Pfütze bedeutet. Die Lobau ist ein Ort des Laisse faire besonderer Art: hier gilt mehr als anderswo das in Wien so beliebte und angeblich vom preußischen König Friedrich dem Großen stammende Motto, dass jeder nach seiner Façon selig werden soll: nackt oder nicht nackt. Ein weiterer Bonus: Die Wasserqualität hält sich hier zumeist bis in die heißen Wochen hinein.

Boote Donau (c) STADTBEKANNT
Boote Donau (c) STADTBEKANNT

Heimwärts über das Heustadlwasser

Wenn wir ausgeruht, genug gebadet und uns ausreichend gestärkt haben, kehren wir um, biegen bald links ab über die Steinspornbrücke auf die Donauinsel, wo wir im Vorbeifahren einen Streifzug durch die Grillszene Wiens erleben, und steuern über die Praterbrücke schließlich wieder die Stadt an. Zunächst aber geht es über die Grünlandgasse in den grünen Prater hinein, ebenfalls ein ehemaliges kaiserliches Jagdgebiet, das Kaiser Joseph II. für das Volk freigab, das er mehr liebte als das Jagen. Am wildromantischen Heustadlwasser, wieder ein Rest der einst weit verzweigten Donau, lagern wir zum Abschluss unserer Wiener Wasserreise noch gemütlich ein Weilchen oder fahren direkt nach Hause. Dort lassen wir bei einem Glas gemischten Satz und herrlich erfrischendem Wiener Wasser den Tag noch einmal Revue passieren.

Donau Grillen in Wien (c) STADTBEKANNT
Donau Grillen in Wien (c) STADTBEKANNT

 

Elke Papp

Die Stadtverführerin ist startklar für Spaziergänge und Radtouren in Kleingruppen quer durch alle Bereiche des Wiener Lebens. Mit Leichtigkeit, Literatur und Liebe zur Stadt Wien.
mail@stadtverführerin.at

 

Wo wir waren

Floridsdorfer Wasserpark
Am Nordbahndamm, 1210 Wien

Roma- und der Angeliwiese
An der Oberen Alten Donau 1, 1210 Wien

Donaupark
Am Donaupark, 1220 Wien

Donauinsel

Lobau
Dechantweg 10, 1220 Wien

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