Unterwegs im 3. Bezirk.

Die Rasumofskygasse im 3. Bezirk führt vom Donaukanal zum Rochusmarkt und hat auf ihren etwa 500 Metern nicht wenig Magisches, Kreatives, Kurioses und Historisches zu bieten.

„Schön wie anno Schnee“

Bevor man sich zu diesem kurzen, aber intensiven Spaziergang aufmacht, empfiehlt es sich, auf eine Melange ins Café Zartl zu gehen, um in der gemütlich-nostalgischen Atmosphäre dieses alteingesessenen Kaffeehauses Kraft zu tanken und Karl Farkasʼ Einschätzung, dass es im Zartl „schön wie anno Schnee“ sei, zu verifizieren. Wer magischen Gelüsten folgt, kann sich hier an jedem zweiten Donnerstagabend im Monat verzaubern lassen, denn im Kalanagsalon des Cafés demonstrieren Zauberer ihre Künste. Passend dazu wird ein „magisches Menü“ serviert.

Cafe Zartl (c) STADTBEKANNT
Cafe Zartl (c) STADTBEKANNT

Der Wiener Gemütlichkeit wieder entrissen, findet man sich vor dem Café auf dem lebhaftesten Teil der Gasse. An der Lände, im Haus an der Ecke mit der Nummer 2, hatte der Gourmet-Tempel Steirereck seinen ursprünglichen Sitz. Wir bewegen uns allerdings in die entgegengesetzte Richtung und steuern den Rochusmarkt an.

Wenn sich die Scheibe dreht!

Vorbei an einem Design-Studio, das durch seine hohen Fenster einen Blick auf die originellen Upcycling-Stücke freigibt, geht es auf der von Bäumen gesäumten Gasse leicht bergauf zu einer reizvollen Mischung von Geschäft und Werkraum. Unter dem Motto „Scheibe für Alle“ darf man sich in der Potteria als KeramikerIn versuchen – der Brennservice garantiert, dass man sein Kunstwerk zuhause noch lange bewundern kann.

Potteria (c) STADTBEKANNT
Potteria (c) STADTBEKANNT

Majestätischer Klassizismus

Nur wenige Schritte weiter befindet sich das klassizistische Palais Salm, von dem man allerdings nur einen Teil erspähen kann, da es sich in Privatbesitz befindet. Zwar auch nur von außen, aber durchaus besser besichtigen lässt sich das Palais Rasumofsky, das am Beginn des 19. Jahrhunderts, ebenfalls im klassizistischen Stil, für den russischen Diplomaten und Namensgeber der Gasse Andrej K. Fürst Rasumofsky erbaut wurde. Als Mäzen unterstützte Rasumofsky die weltberühmten Musiker Mozart, Haydn und Beethoven. Erwähnenswert ist auch, dass im Palais über 150 Jahre lang (bis ins Jahr 2005) die Geologische Bundesanstalt untergebracht war. Palais Salm Palais Rasumofsky Vis-à-vis befanden sich die Stallungen des Fürsten, die später zu Wohnstätten umfunktioniert wurden: In der Rasumofskygasse Nummer 20 wohnte der Schriftsteller Robert Musil, wie eine Tafel an der Hausmauer verrät – er traf sich anno dazumal mit anderen LiteratInnen, wie könnte es anders sein, im Café Zartl.

Palais Rasumofsky (c) STADTBEKANNT
Palais Rasumofsky (c) STADTBEKANNT

Kurios!

Wenige Häuser weiter – neben dem Grünraum mit einem Denkmal für Vuk Stefanović Karadzić, ein serbischer Sprachreformer und Ethnologe – stoßen wir auf ein Kuriositätenkabinett, in dem alles Mögliche und Unmögliche aufzustöbern ist: Mikes Werkstatt! Der von Mike Wanzenböck geführte Wunderort lädt zum Staunen ein. Und an manchen Abenden geht der Vorhang auf und ein Konzert oder eine Theateraufführung über die kleine Bühne.

Denkmal Vuk Stefanović Karadzić (c) STADTBEKANNT
Denkmal Vuk Stefanović Karadzić (c) STADTBEKANNT

Gewürze und Mode vom Feinsten

Fast am Ende der Rasumofskygasse setzen noch einmal zwei Geschäfte mit feinen Waren spezielle Akzente. Zum einen sind das die Gewänder der Modeburg, die Frau stilvoll umhüllen. Zum anderen eröffnet sich einem eine ganze Welt von Gewürzen, in der der Name Programm ist: „Curry me home“.

Heute aber lassen wir uns bekochen und von der abwechslungsreichen Küche des Rochus verwöhnen. Wer es weniger trendig, aber dafür höchst authentisch mag, geht zu Pappa e Ciccia und lässt sich dort einen Aperitivo kredenzen und die Tour Revue passieren.

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    5.0

    Benjamin

    Wie viele stadtbekannte Spaziergänge eine schöne Hommage an den Bezirk Landstraße mit vielen feinsinnigen Eindrücken. Vielen Dank an die Verfasserin.

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    5.0

    Verena Lo

    Sehr interessant und informativ! Ich wohne gleich um die Ecke und bin diese Gasse schon unzählige Male entlanggewandert.
    Von nun an werde ich sie mit anderen Augen sehen und auch einmal einen Abstecher ins Café Zartl wagen!

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