Unterwegs im 8. Bezirk.

Wie der Name schon sagt: Sie ist lang, aber keineswegs langweilig – ganz im Gegenteil! Gespickt von Geschäften und Lokalen unterschiedlichster Natur sowie beeindruckenden Häusern besticht die Lange Gasse von der Lerchenfelder Straße bis zur Alser Straße mit Abwechslungsreichtum.

Aufregender Auftakt

Chronologisch beginnend, werdet ihr bereits bei Haus Nummer 2 von BABS (genauer Barbara Holcmann) eingewickelt. Sie kreiert unter anderem freche Kleidungsstücke, die in vielen Varianten um den Körper gewickelt und getragen werden können. Flippig eingekleidet lässt sich der Spaziergang beschwingt fortsetzen.

BABS (c) STADTBEKANNT
BABS (c) STADTBEKANNT

Keine Angst vor Beschuss! Die FLINTE in der Lange Gasse 11 dient als offener Raum zur Auseinandersetzung mit queer-feministischen Themen und bietet für verschiedene Projektgruppen einen Platz zur Entwicklung und Verwirklichung ihrer Vorhaben. Öffnungszeiten sind Donnerstag und Freitag jeweils von 19:00 bis 24:00 Uhr mit Barbetrieb, aber ohne Konsumzwang!

Flinte (c) STADTBEKANNT
Flinte (c) STADTBEKANNT

Einige Häuser weiter stößt man erneut auf ein freches Label: ESCA stellt allerlei Smartes (von T-Shirts über Aufnäher bis zu Emaille Häferl) her und bedruckt es mit tierisch stylischen Motiven.

ESCA (c) STADTBEKANNT Preindl
ESCA (c) STADTBEKANNT Preindl

Am Hugo-Bettauer-Platz informiert eine Tafel über das tödliche Attentat auf Hugo Bettauer. Der liberal eingestellte jüdische Schriftsteller und Journalist Bettauer wurde am 10. März 1925 in der Redaktion seiner Zeitschrift „Er und Sie. Wochenschrift für Lebenskultur und Erotik“ in der Lange Gasse 5-7 von einem Nationalsozialisten mehrmals angeschossen und erlag etwa zwei Wochen später seinen Verletzungen. Bettauer war auch der Verfasser des Romans „Die Stadt ohne Juden“, dessen Verfilmung durch Hans Karl Breslauer aus dem Jahr 1924 vom Filmarchiv Austria nach aufwendigster Restaurierungsarbeit 2018 – zum Republiksjubiläum – präsentiert wurde.

Hugo-Bettauer-Platz (c) STADTBEKANNT
Hugo-Bettauer-Platz (c) STADTBEKANNT

„Stille Straße im achten Bezirk“

Zurück zum Platz: Ab hier bis zur Ecke Josefstädter Straße herrscht seit Juli 2018 verkehrsberuhigte Begegnungszone, die zum Schlendern und Umschauen einlädt. So bekommt dieser Abschnitt vielleicht wieder ein wenig von jenem Flair, das die Gasse Ende der 1920er Jahre hatte, als Ödön von Horváth diesen Ort als Vorbild für einen Schauplatz in seinem Volksstück „Geschichten aus dem Wiener Wald“ wählte. In der „stillen Straße im achten Bezirk“, wo sich „über der Puppenklinik […] ein Balkon mit Blumen [befindet], der zur Privatwohnung des Zauberkönigs gehört“, ist seit 1978 das Pub und Beisl Das LANGE beheimatet, das den Kult um die besondere Lokalität feiert.

Der Lange Balkon (c) STADTBEKANNT
Balkon (c) STADTBEKANNT

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite kann man sich in der Pastizzeria Taste of Malta mit Köstlichkeiten eindecken oder einen Besuch bei TATI (Namensgeber war Jacques Tati) wagen und sich von der Mischung aus Vintage Store und Greißlerei mit Spezialitäten aus südlichen Gefilden überzeugen lassen.

TATI (c) STADTBEKANNT
TATI (c) STADTBEKANNT

Weiter auf dieser hippen Route fällt der Blick auf die wie ein Zunftzeichen angebrachte Milchkanne, die den Standort von Jumi markiert, den es nicht nur wegen des umfassenden und außergewöhnlichen Käseangebots, sondern auch wegen des interessanten Verkaufsraums unbedingt zu erkunden gilt.

Jumi (c) STADTBEKANNT
Jumi (c) STADTBEKANNT

Namenlos heißt nicht gehaltlos! Das Café Namenlos gegenüber von Jumi überrascht mit einem einfachen, aber netten Interieur und Winter Specials wie Kürbis Latte. Und wer seinen eigenen Behälter mitbringt, bekommt den Coffee to go um 10% billiger, da die Umwelt geschont wird.

Café Namenlos (c) STADTBEKANNT
Café Namenlos (c) STADTBEKANNT

Wohin man blickt: Historie!

Nachdem man die Josefstädter Straße überquert hat, stößt man rechterhand (Lange Gasse 34) auf ein barockes Schmuckstück mit auffälligem Portal. Im Haus „Zur heiligen Dreifaltigkeit“ (1697 erbaut) war von 1701 bis ins Jahr 1963 eine der ältesten Bäckereien Wiens in Betrieb. Um dies in Erinnerung zu behalten, eröffnete in den Räumlichkeiten 1965 das Museum „Alte Backstube“, das eine Zweigstelle des Bezirksmuseums Josefstadt darstellt.

Zur heiligen Dreifaltigkeit (c) STADTBEKANNT
Zur heiligen Dreifaltigkeit (c) STADTBEKANNT

Vorbei an einem Bio-Feinkostladen, erhaschen wir durch die Maria-Treu-Gasse einen Blick auf die gleichnamige imposante Kirche und steuern das 1904 erbaute Hotel Zipser – ursprünglich von Frau Karoline Zipser als Mädchenheim genutzt – an, in dem Horváth einige Male nächtigte.
Wechselt man kurz die Straßenseite, kann man oberhalb des Eingangs von Haus Nummer 50 ein Relief entdecken, das an das vorher dort befindliche „Herrgottsbrunnenhaus“ erinnert.

Herrgottsbrunnenhaus (c) STADTBEKANNT Preindl
Herrgottsbrunnenhaus (c) STADTBEKANNT Preindl

Das um 1700 für Karl August von Damian im barocken Stil erbaute Bauwerk mit der Nummer 53 – das Damianpalais – kann mit einer Reihe unterschiedlichster Besitzer und Bewohner aufwarten, z.B. wohnte hier von 1885 bis 1897 Moritz Szeps (Verleger des Neuen Wiener Tagblattes), im Zweiten Weltkrieg beherbergte das Palais die Wiener Sängerknaben und seit 1946 sitzt hier der Kriegsopferverband.

Damianpalais (c) STADTBEKANNT
Damianpalais (c) STADTBEKANNT

Quirlige Zielgerade

An der Ecke zur Laudongasse lockt das Lokal Via Toledo mit dem Spruch, dass man hier eine echte und köstliche neapolitanische Pizza probieren könne. Rund ist auch das Kunstwerk des österreichischen Komponisten und Künstlers Kurt Hofstetter vor der Enopizzeria, das aus drei großen silbernen Kugeln besteht. Auf einer Info-Tafel wird erläutert, dass sich die Berührungspunkte der Kugeln aus der Zirkelkonstruktion des Goldenen Schnitts herleiten, die Hofstetter 2001 entdeckte.

Kugeln (c) STADTBEKANNT
Kugeln (c) STADTBEKANNT

Zwischen den vielen Geschäften und Lokalen im belebten letzten Teil der Lange Gasse wirbt Wiens erstes Floating-Center [schwerelos] mit einem entspannenden Bad in einer Salzsole. Damit kann man den Spaziergang schwebend beenden oder aber man reist noch ein Stück weiter als ans tote Meer und lässt sich von den Speisen von Aitiki gedanklich in die Südsee beamen – wo im Sommer Leones Gelato über den Ladentisch geht, isst man im Winter selbst zusammengestellte Poke Bowls.

BABS
Lange Gasse 2

Die Flinte
Lange Gasse 11

ESCA
Lange Gasse 19

Hugo-Bettauer-Platz

Das LANGE
Lange Gasse 29

TATI
Lange Gasse 26

Jumi
Lange Gasse 28

Café Namenlos
Lange Gasse 31

Zur heiligen Dreifaltigkeit
Lange Gasse 34

Herrgottsbrunnenhaus
Lange Gasse 50

Damianpalais
Lange Gasse 53

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