Silberstein (c) STADTBEKANNT

Der ewige Tal Silberstein

Der israelische Politikberater wurde 2017 im Nationalratswahlkampf für das dirty campaigning von der SPÖ beauftragt, recherchierte im privaten Umfeld von politischen MitbewerberInnen und erstellte dafür Facebookseiten, auf denen untergriffig, teils sogar antisemitisch gehetzt wurde. Mittlerweile ist Tal Silberstein in der österreichischen Politik zum Code geworden für kosmopolite, verschwörerische, internationale, womöglich sogar ausländische, untergriffige Politik, für den Ausverkauf der Heimat an finstere Mächte.

Der ewige Jude

ÖVP und FPÖ verpassen keine Gelegenheit, davon zu sprechen. Damit bedienen sie, bewusst oder nicht, lange tradierte antisemitische Erzählungen – und bei allen Angriffen auf die SPÖ nicht zuletzt den Narrativ von der jüdisch unterwanderten Linken.

Der Jud‘ hat seine Schuldigkeit getan

Die Krux an der Sache ist, dass es überhaupt keine Rolle spielt, ob es die jüdische Beteiligung an einer Angelegenheit gab oder nicht. Der Jude ist ein Platzhalter und völlig entpersonalisiert. Er wird vom selbstbestimmten Subjekt, einem Menschen mit freiem Willen und Würde, zum Platzhalter. Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, muss er auch noch für die Positionen von Parteien herhalten, die antisemitische Politik betreiben, indem sie beispielsweise antisemitische Chiffren verwenden.

Über die zig sogenannten Einzelfälle aus der Reihen der FPÖ, die in wirklich keine Einzelfälle oder -hihi-haha – Ausrutscher sind, sondern Bekenntnisse zum Nationalsozialismus, zur Menschenverachtung, Krieg und Verfolgung, möchte ich an dieser Stelle schweigen, wie der Infant im Bundeskanzleramt. Es soll genügen auf sie hinzuweisen.

Und die ÖVP?

Das christlich-soziale Lager hat eine lange politische Tradition des Antisemitismus, der sich aus verschiedenen Quellen speist. In der ersten Republik gehörte es zum guten Ton, den Antisemitismus der Bevölkerung zu befeuern – mit bekannten Folgen. Aber auch in der zweiten Republik äußerte sich noch ein ÖVP Generalsekretär etwa über Kurt Waldheim, als dessen Verstrickungen in NS Verbrechen bekannt wurden so: „So lange nicht bewiesen ist, dass Waldheim eigenhändig sechs Juden erwürgt hat, gibt es kein Problem.“

Zuletzt taten sich Karoline Edtstadler, derzeit Staatssekretärin u.a. für Gedenkstätten im Innenministerium und Listenzweite der ÖVP bei der Wahl zum Europäischen Parlament, und ihr Parteiobmann Bundeskanzler Sebastian Kurz hervor. Am 14. Mai erklärte sie, das Kreuz sei ein Symbol für das christlich-jüdische Erbe Europas. Historisch ging es für JüdInnen selten gut aus, wenn man sie versuchte unter dem Kreuzzeichen zu vereinnahmen – aber solang damit der antimuslimische Rassismus bedient wird, müssen die JüdInnen wieder unterm Kreuz leiden.

Schmierereien

So ist es zwar bestürzend, aber nicht ganz verwunderlich, dass am 21. Mai die großformatigen Bilder von Holocaust-Überlebenden, die der deutsch-italienischen Fotografen Luigi Toscano derzeit auf der Ringstraße ausstellt, beschmiert wurden – mit Hakenkreuz und christlicher Botschaft.

Und wieder Silberstein

Sebastian Kurz selbst sprach erst am 20. Mai ohne Not, ohne Anlass und ohne Hinweis davon, dass Tal Silberstein hinter dem Video aus Ibiza, das Vizekanzler Strache und Klubobmann nudlfett beim Korrumpieren und Verscherbeln der Republik zeigt, stecken könnte. Er weiß zwar nix, aber das ein Jud‘ dahinter steckt, das kann er nicht ausschließen.

Da hilft es auch nicht, dass Heinz-Christian Strache ihm bereits 2017 in einem Fernsehduell unterstellte, selbst mit Silberstein zu verkehren, oder dass der Oberrabbiner von Österreich Paul Chaim Eisenberg den ÖVP Parlamentsklub am 29. Oktober 2018 segnete.

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1 Comment

  1. Lena Rothstein-Scholl

    25. Mai 2019

    Bin sehr interessiert

    Reply

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